Hörbare Wissensvermittlung im Pocket-Format

Personalwirtschaft, Feb. 2007

Für das Oxford American Dictionary war es das Wort des Jahres 2006. In der Marketingkommunikation bereits gebräuchlich, sind die Möglichkeiten in der Weiterbildung und im Wissensmanagement hingegen noch auszuloten. Der Münchner IT-Dienstleister Beck et al. Services sammelte hierzu sowohl unternehmensintern als auch bei Kundenprojekten wichtige Erfahrungen.

Wer verkaufen will, braucht einen iPod. Was ungewöhnlich klingt, hat einen realen Hintergrund: Denn die Außendienstler eines Getränkekonzerns werfen vor ihren Terminen tatsächlich einen Blick auf ihren mobilen Begleiter. Dort sind kleine Filme zu sehen, die die Vertriebsmitarbeiter für den richtigen Umgang mit den Kunden vorbereiten. Das Unternehmen setzt auf Videocasts, die per iPod oder PDA (Personal Digital Assistent) abgerufen werden können.
Inzwischen gibt eine wachsende Zahl von Firmen, die sich dem Podcasting verschrieben haben. Podcasts sind Audiobeiträge, die über RSSFeeds verbreitet werden. Der Empfänger abonniert die dazu notwendigen Kanäle mit einer speziellen Software und erhält so regelmäßig neue Folgen. Einer der entscheidenden Vorteile liegt darin, dass der Rezipient ständig auf dem Laufenden gehalten wird – weitgehend unabhängig von Zeit und Ort. Er kann Podcasts bequem und ohne wesentlichen äußeren Aufwand nutzen, insbesondere in Leerzeiten, also auf Reisen oder beim Warten auf einen Termin. Das geht freilich nicht einfach so nebenbei; aktives Zuhören ist angesagt. Technologiegestützte Wissensvermittlung ist besonders hilfreich, wenn eine Person bei einer Veranstaltung nicht anwesend sein kann. Beck et al. Services nutzt Podcasts zum Beispiel im internen Management komplexer IT-Projekte. So war ein Kollege aus dem mittleren Management bei einem Projektmeeting verhindert. Die Sitzung wurde aufgezeichnet und dem Kollegen als MP3-File später zum Nachhören zugesendet Damit war er über das weitere Vorgehen und den Einsatz von Applikationen umfassend informiert.
Podcasts unterstützen Projektmanagement.

Auch in der Projektkommunikation mit Kunden setzt das IT-Unternehmen Podcast erfolgreich ein – etwa bei der Bereitstellung einer Messaging- und Collaboration-Plattform für einen weltweit agierenden Automobilzulieferer. Für diesen Einsatz gibt es verschiedene Gründe. E-Mails sind in der Projektkommunikation nicht geeignet, da diese zu einer Informationsüberflutung führen. Außerdem sind technische Zusammenhänge schriftlich nicht immer leicht darzustellen. Ein zusätzlicher Hörkanal hilft da weiter. Davon abgesehen, ermöglichen Podcasts eine selbstgesteuerte Informationsaufnahme – unabhängig von Ort und Zeit. Ferner kann in der Kombination mit Weblogs eine funktionierende Cornmunity aufgebaut werden. Vorab gilt es, wichtige Rahmenbedingungen zu klären: die sichere Datenübertragung, Zugriffsbeschränkungen, eine einfache Nutzung der Podcast-Technologie und eine Plattform für unterschiedliche mobile Endgeräte. Wer Podcasts für das interne Projektmanagement nutzt, braucht dafür nicht unbedingt eine aufwendige Produktion mit ausgefeilter Moderation oder speziellen Soundhintergründen. Denn hier kann es auch einfach um die schnelle Informationsweitergabe gehen. Anders verhält es sich, wenn Podcasts in Kundenprojekten oder in der Weiterbildung eingesetzt werden.
Hier ist Qualität Trumpf.

Mosaikstein der Weiterbildung

Im gesamten Podcasting-Markt steht es freilich mit der Qualität nicht immer zum Besten. Was bisher im Netz zu finden ist, geht oft sehr stark in Richtung Zweitverwertung. Dabei handelt es sich um Inhalte, die nicht für einen Podcast produziert worden ist. Dies ist gerade im Schulungsbereich problematisch. In der Weiterbildung reicht es nicht aus, Live-Mitschnitte von Seminaren oder Vorträgen einfach ins Netz zu stellen, Didaktik und Produktionsqualität sind hier wichtig. Audio-Lernkampagnen müssen sorgfältig geplant und produziert werden. Martin Falk, ARD-Journalist und Podcast-Spezialist der ersten Stunde, fordert beim Podcasting eine „gute technische Qualität, passende Dramaturgie und professionelle Sprecher.“ Wichtig sind auch kleine Lerneinheiten, die nicht länger als 20 Minuten dauern. In groß angelegten Trainings stellt Podcasting aber immer nur einen Kanal, eine Methode, also einen Mosaikstein unter mehreren dar. Es ist sinnvoll, Podcasts im Rahmen von größeren Lernarrangements anzubieten, und nicht als isolierte Kampagne.

Business Chancen nutzen

Insgesamt sind Podcasts nützlich, um Trainings und Meetings vor- oder nachzubereiten. Bei Beck et al. Services kommen sie auch im Help Desk zum Einsatz: Der IT-Support des Hauses, der Anwender in neun Sprachen über Zeitzonen hinweg unterstützt, produziert beispielsweise „Knowlede Bits“, kleine Audiodateien, die ein Problem schildern. Dessen Lösung wird dem Anwender – ebenfalls im Podcast – gleich mitgeliefert. Hier verschmelzen Lehren, Lernen und Support. Die Personalentscheider von heute sind nur unzureichend auf die „digital natives“, auf die junge technikaffine Genration vorbereitet, die mit PC, Notebook, Computerspielen, Internet, Instant Messaging und Handy aufgewachsen ist. Diese Führungskräfte von morgen wollen die neuen Medien kreativ nutzen. Bietet der Arbeitgeber das nicht oder nur unzureichend, verliert das Unternehmen an Attraktivität. Das unterschätzen die Weiterbildner von heute. Sie reagieren zu langsam. Daraus ergibt sich eine besondere Herausforderung für die „digitalen Immigranten“ – also die Generation, die in der Frühzeit des Internet zu arbeiten anfing. Für Personaler, Trainer und Coaches bestehen mit Podcasting neue Business-Chancen, die es zu nutzen gilt.

Beispiel: Podcasts in der Projektkommunikation

Wieso Podcasts in der IT-Projektkommunikation?

Rahmenbedingungen für den Einsatz von Podcasis in der Projektkommunikation: