IT-Architekten: Soft Skills sind essentiell

IT-Szene München, Juli/August/September 2007

Für welche IT-Bereiche werden künftig besonders Fachleute gesucht?

Siegfried Lautenbacher: IT-Architekten sind gefragt. In Zukunft werden noch mehr Spezialisten gebraucht, die das Zusammenspiel verschiedener Technologien verstehen. In den Bereichen Collaboration, Dokumentenmanagement und Archivierung wird sich noch viel tun, also sind puristische Technologen immer weniger gefragt. Ein Beispiel aus dem CRM-Bereich: Technologie-Fachleute, die auch die Geschäftsprozesse und die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen und gleichzeitig das Anwenderverhalten kennen, sind hier die Top-Leute mit Zukunft.

Auf welche wichtigen Technik-Trends sollten sich IT-Fachleute einstellen?

Siegfried Lautenbacher: Die Konvergenz von IT und Telekommunikation gewinnt immer mehr an Bedeutung. In einem weiteren Sinn kann man auch die Industrialisierung der IT als Techniktrend definieren. Ein Baustein hier ist zum Beispiel das Thema Web Services. Sie steuern den Datenaustausch verteilter Anwendungen im lnternet und regeln die Kommunikation zwischen Programmen. Diese Services spielen ihre Stärke immer dann aus, wenn es darum geht, existierende Funktionalität wieder zu verwenden, etwa aus Kostengründen oder zum Investitionsschutz. Auch wenn die Flexibilität der Kommunikation und die lose Kopplung von Anwendungen von Interesse ist, zum Beispiel wegen sich häufig ändernder Geschäftsprozesse, sind Web Services sehr nützlich.

Welche Bedeutung werden künftig Soft Skills haben?

Siegfried Lautenbacher: Soft Skills wird künftig die gleiche Bedeutung zukommen, die sie schon immer hatten: Man muss sie einfach mitbringen. Die ständige Diskussion darüber, ob und wie wichtig sie wirklich sind, ist aus meiner Sicht nicht zielführend. Soft Skills sind essentiell.

Welches Modell hat die beck et al.-Gruppe für die Mitarbeiter-Qualifzierung?

Siegfried Lautenbacher: Jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin hat bei uns pro Jahr ein persönliches Weiterbildungskonto in Höhe eines Bruttomonatsgehalts. Der Mitarbeiter bespricht die Maßnahmen mit seinem Vorgesetzten, und dann kann es losgehen mit der persönlichen Mitarbeiterqualifizierung. Ferner finden bei Beck et al. Services teamübergreifende Weiterbildungskampagnen statt. Diese stehen unter einem bestimmten Motto, zum Beispiel „Professionalisierung“ oder Ähnliches. Sie enthalten verpflichtende Module und Einheiten, die man freiwillig besuchen kann. Wir versuchen, fachliche Bildung optimal mit Soft-Skills-Vermittlung zu verbinden.

Welche Rolle spielt für die beck et al.-Gruppe der Großraum München?

Siegfried Lautenbacher: Der Großraum München ist unser Firmenstandort. Hier haben wir wichtig Kunden, zum Beispiel Rohde & Schwarz, Klüber Lubrication, infineon, Sport Scheck, Daiichi-Sankyo, infratest oder Docuware. In München findet man aufgrund der guten universitären Infrastruktur auch sehr gut ausgebildete Leute. Aber wir agieren natürlich auch in ganz Deutschland. In Hannover ist die Continental AG ein wichtiger Kunde. Dort haben wir auch einen Standort, denn Kundennähe ist den Kunden und uns wichtig. Gleiches gilt für die Schweiz. Auch dort sind wir für einen wichtigen Kunden aktiv und mit einer Niederlassung vor Ort.

Was bedeutet Deutschland als Standort für Beck et al. Services?

Siegfried Lautenbacher: Was Deutschland im Kontext der Standortdebatte angeht, so muss man nicht immer von Globalisierung, sondern von „Globalisiertheit“ sprechen. Wenn eine Mittelständler mit 800 Leuten die SAP-Implementierung via Indien durchführen lässt, so zeigt dies, dass wir schon längs in der Globalisiertheit leben und nicht mehr im Zeitalter der Globalisierung. Ich möchte deutschen Firmen Mut machen, denn: Die Globalisiertheit birgt nicht nur Chancen für die Großen, sondern auch für uns Mittelständler. Ein Beispiel: Beck et al. Romania liefert Dienstleistungen nach deutschen Qualitätsstandards. Einerseits arbeitet unsere Firma dort als Nearshore-Anbieter, so dass wir exzellente Services zu guten Preisen liefern, anderseits bauen wir mit dem dortigen Unternehmen, mit Hilfe jahrelang erarbeiteten Know-how aus Deutschland, einen regionalen IT Service Provider auf. Dieser wird in Transylvanien eine wichtige Rolle spielen. Des weiteren überlegt Beck et al. Services einen Standort in Südamerika zu gründen. Deutschland ist und bleibt allerdings unser Zentrum, dem wir uns verpflichtet fühlen. Wir fördern diesen Standort, beispielsweise auch durch Kultursponsoring, in enger Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper. Denn: Was den Standort attraktiv hält – und da gehört Kultur unbedingt dazu – hält die Wirtschaft in Gang.