Podcasting - eine wichtige Facette der Wissensvermittlung

Objektspektrum Jan. 2007

Audiodateien, die über RSS-Feeds im Abo verteilt werden - kurz Podcasts - erobern derzeit die Medienwelt. Auch Softwareentwickler arbeiten immer stärker mit diesem Medium, wenn es um Wissensvermittlung und Wissenstransfer geht. Was macht dieses Phänomen aus? Und wo setzt man Podcasts ein? Siegfried Lautenbacher spricht über Podcasts als Kanal der Wissensvermittlung.

Herr Lautenbacher, zusammen mit eco, dem Verband der Deutschen Internetwirtschaft, haben Sie im April 2006 in der Bayerischen Staatsoper in München den Ersten Deutschen Podcast-Kongress organisiert. Dort haben Sie private Podcaster, die enstehende "Corporate Podcasting Branche", die eher marketingfixiert ist, sowie die Weiterbildungsbranche zusammen gebracht. Was ist geblieben?

Der Kongress war ein großes Experiment. Keiner hatte sich bis dato getraut, so verschiedene Communities zusammenzubringen. Berührungspunkte gab es vorher so gut wie gar nicht. Wir als Dienstleister, der IT-Support, mobile Lösungen, Beratung und technolgiegestützte Weiterbildungslösungen anbietet, waren da noch mal ein Sonderfall. Insgesamt war es ein Forum der Begegnung und des Austausches. Dennoch - das muss man ehrlich sagen - leben die Branchen in ihren eigenen Welten. Ganz so einfach war der Kontakt also nicht. Wir sind aber offensiv auf die anderen "Welten" zugegangen. Denn: Wir haben einen gemeinsamen Interessensgegenstand: das Produzieren und Hören von Podcasts. Geblieben sind Geschäftskontakte und tolle Networking-Gelegenheiten mit wertvollen Querverbindungen, die es vorher so nicht gab.

Wie wenden Sie Podcasting intern an?

Beck et al. ist per se kein Podcast-Produzent. Wir sind Spezialisten für Wissensvermittlung. Für uns ist Podcasting nur ein Kanal unter vielen, ein Teil ganzer Lernarrangements und virtueller Akademien, die wir anbieten. Unter Lernarrangements sind intelligente Werkzeuge zu verstehen, die zusammengeführt werden, abgestimmt auf das jeweilige Unternehmen und dessen individuelle Lernkultur. Push- und Pull-Funktionalität, technologiegestützte Lernkurse, Video-Podcasts, Blogs, Wikis und weiter Kanäle können hier eine Rolle spielen. Dabei interessiert keine abstrakte Weiterbildung, sonder deren enge Kopplung an die Geschäftsprozesse. Nur so ensteht Nutzen. Wir wenden Podcasts bei uns selbst im Unternehmen im IT-Projektmanagement an, bieten diese IT-Know-how aber auch extern an. Unser IT-Support produziert zum Beispiel "Knowlegde Bits" - das sind kleine Audiodateien, die ein Problem schildern und dessen Lösung gleich mitliefern. Außerdem eignen sich Podcasts für den Vertrieb, z.B. um im Auto vor einem Termin schnell die neusten Produktinformationen oder Vertriebstipps zu hören. Ich sehe Podcasts vor allem als ein Mittel, um Trainings und Termine hörend vor- oder nachzubereiten.

Wann kommen Podcasts an?

Es gibt Menschen, die sich von visueller Information überrollt fühlen. Hörkanäle empfinden einige als weniger aufdringlich. Der Podcasts müssen aber professionell gemacht sein.

Gibt es noch einen weiteren wesentlichen Erfolgsfaktor für Podcasts in der Wissensvermittlung?

Ich sehe vor allem die nötige Kompetenz in Sachen elektronische Lerninhalte als wichtigen Faktor. Der Inhalt muss gut gemacht und er muss stimmig sein. Softwareentwickler wissen zum Beispiel ganz genau, was sie brauchen. Deren Inhalte ändern sich so schnell, dass Podcasts für Entwickler fast nur von Entwicklern gemacht werden können. Für diese Zielgruppe werden Podcasts auf jeden Fall immer interessanter. Unternehmen, die sich für Podcasting in der Wissensvermittlung interessieren, sollten bei der Suche nach einem externen Partner vor allem auf die Faktoren inhaltliches Know-how und Schulungskompetenz achten. Eine Agentur, die hervorragende Podcasts für das Marketing macht, muss noch lange keine guten Training-Podcasts für Softwareentwickler produzieren - obwohl es natürlich Berührungspunkte gibt, vor allem in den Bereichen Bildungsmarketing und Motivation. Vielleicht kann es in der Softwareentwicklung sinnvoll sein, einen Weg zwischen "sehr quick" und "sehr professionell" zu gehen, ohne ins "dirty" abzudriften. Aber dazu müssen die Softwareentwickler stärker gehört werden. Ich würde sagen, es kommt ganz auf die Inhalte und deren Vermittelbarkeit an.

Wie müssen Podcasts in größere Lernumgebungen eingebettet sein?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt auf den Kunden an. Wie wird bisher gelernt? Wie wird Wissen verteilt? Welche Grundregeln bestehen? Wie groß ist das Unternehmen? Wie arbeiten die verschiedenen Abteilungen zusammen? Eine genaue Analyse geht jeder Implementierung von Lernlösungen voraus. Erst dann kann man sehen, was sinnvoll ist und wie das Verhältnis von Aufwand und Nutzen ist. Es gibt sicher auch Unternehmen, denen man kein Podcasting empfehlen kann, weil es für deren Geschäftsprozesse keinen Sinn macht. Wir denken als Spezialisten für Wissensvermittlung in Lernarrangements, die individuell angepasst sein müssen. Dann ergibt sich die richtige Mischung aus Trainings und informellem, selbst bestimmtem Lernen. Podcasts sind ein Teil diese selbst bestimmten Instrumentariums. Der Lerner entscheidet, wann er hört, wo er hört und was er abonniert. Aus didaktischer Sicht ist es sicher wichtig, dass man sich bei Inhalten, bei denen es um eine Verinnerlichung geht, nicht ausschließlich auf Podcasts verlässt.

Herr Lautenbacher, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rüdiger Sturm, freier Journalist in München.