10 Dinge die ich am digitalen und vernetzten Arbeitsplatz überhaupt nicht mag- Der Anfang

Von Sebastian Thielke 03.02.2016
10 Dinge die ich am digitalen und vernetzten Arbeitsplatz überhaupt nicht mag- Der Anfang

Dann lassen Sie uns mal loslegen. Ich finde es ist Zeit, dass man sich mal den Ängsten, den Ärgernissen und den Problemen mit diesen Unternehmensnetzwerken und digitalen Arbeitsplätzen stellt. Wir hören immer bloß, dass es ganz toll ist, dass es unentbehrlich wird und das wir im Unternehmen damit fit für die ganzen digitalen Herausforderungen werden. Theorien sind ja schön und gut. Aber sie sind nur die Ideen von Vermarktung und Werbung. Niemand schert sich um den Alltag, die wirkliche Arbeit und das Praktische. Deswegen hier nun meine Liste was ich an der ganzen digitalen Zusammenarbeit nicht mag.

Und irgendwie gibt es auch ein paar neckische Antworten dazu. Ich lasse Sie doch nicht mit den Ängsten, Problemen und Ärgernissen allein.

1. Sinnloses Werkzeug in der unserer überladenen Unternehmenswelt

Was soll ich in Communities arbeiten oder mit anderen in einem Netzwerk? Alles Quatsch. Ich habe eine hochspezialisierte Anwendung in der ich fast 8 Stunden meine tägliche Arbeit mache. Da habe ich überhaupt keine Zeit für. Für mich ist so ein Netzwerk überflüssig und sinnlos.

Recht habe ich. Der digitale und vernetzte Arbeitsplatz wird nicht jeden glücklich machen. Und das ist auch nicht der Zweck dahinter. Es ist keine eierlegende Wollmilchsau. Viele Mitarbeiter eines Unternehmens, die einen digitalen Arbeitsplatz haben, befinden sich den Großteil ihrer Arbeitszeit in hochspezialisierter oder kundenfokussierten Software- und Arbeitsplatzumgebungen. Hier sind es aber vor allem die Prozesse, Herangehensweisen und Schnittstellen, die mich aus dieser Situation auch in das Netzwerk einbinden würden.

Es kann nicht das Ziel sein diese Arbeitsplätze zu ersetzen, es sollte vielmehr die Aufgabe sein, mit Hilfe der Anwendungsfall-Methodik (Use Cases) Einsicht in die tägliche Arbeit dieser spezialisierten Situation zu erlangen und mögliche Herausforderungen zu identifizieren. Anhand dieser Einsicht lassen sich ganz praktisch Zusammenarbeit und Vernetzung einbinden. Wenn es aber nicht passt, dann passt es nicht.

2. Wieso verändern, wenn doch alles gut ist

Es läuft doch alles bestens hier bei mir und bei uns im Unternehmen. Jetzt will man doch tatsächlich, dass die Mitarbeiter miteinander reden. Wir haben auch schon so genügend Probleme. Außerdem verschwendet das nur Zeit und Geld. Wir sollten hier lieber konzentrierter arbeiten.

Also Herr Thielke, so einfach ist das aber nicht. Selbstverständlich sind Unternehmen in Deutschland und im Besonderen der Mittelstand gut aufgestellt. Dennoch muss sich auch ein gut aufgestelltes Unternehmen für die Herausforderungen der Märkte wappnen. Auch wenn diesen nicht direkt spürbar sind.

Das sich die Mitarbeiter im Unternehmenskontext austauschen ist nichts Neues. Jedoch reduziert sich das zusammen Reden nicht auf den Austausch an der Kaffeemaschine. Es geht vielmehr darum, dass sich die Mitarbeiter an der Unternehmenskommunikation beteiligen können. Interessierte Mitarbeiter sind also nicht mehr zum Konsumieren verdammt, sondern können auch einfach mal den eigenen Standpunkt darstellen. Der Mut auch einmal Probleme über die eigenen Kreise hinaus darzustellen, hilft erfahrungsgemäß mehr als Aufschieben und im Silo lamentieren.

3. Kanalüberladung durch viel zu viele Anwendungen

[Ein Klassiker.] Mein Emailpostfach ist doch so schon voll genug und dann soll ich auch noch auf einen zusätzlichen Kanal/Netzwerk was auch immer schauen. Niemals. Das stinkt mich an.

Da kann ich meine Angst verstehen. Sie ist zwar diffus aber sie ist auch irgendwo gerechtfertigt. Wie wir heutzutage immer noch mit Email umgehen, lässt nicht hoffen, dass wir unsere selbstproduzierte Überladung abschaffen. Intelligente Assistenten sollen und werden hier Abhilfe schaffen. Doch die Informationen und wie wir mit diesen umgehen, müssen wir neu lernen. Wir müssen ökonomisch mit der Email arbeiten.

Der vernetzte Arbeitsplatz bietet die Möglichkeit, die Informations-, Kommunikations- und Arbeitsströme aus dem Medium des Posteingangs herauszulösen und sie in das einfachere und zugänglichere Format des Netzwerkes zu überführen. So lässt sich zumindest die interne Email Kommunikation drastisch reduzieren. Wenn dazu noch klare Regeln und Vereinbarungen für den Umgang mit dem Format der Email kommen, dann ist die Kanalüberladung schnell aufgelöst.

4. Probleme vor Ort sind doch für mich wichtiger als die halbe Welt

Ist ja gut und schön, wenn ich weiß, was in Stuttgart, Hamburg oder Weilheim passiert aber das ist doch nicht mein Bier. Das löst nicht die Probleme, die ich hier habe. Das reicht mir vollkommen.

Ach Herr Thielke, ein bisschen zu kurz gedacht. Wer sagt denn, dass Ihr Problem nicht auch an einem anderen Standort ein Thema ist? Vielleicht ist das auch die Gelegenheit, ein erfolgreiches Event aus Hamburg auch in Weilheim umzusetzen? Wenn man es so betrachtet, dann rückt das Unternehmen mit dem Netzwerk und den unterschiedlichen Informationen dichter zusammen. Es wird wieder mehr das eine Unternehmen, welches Sie auch jeden Tag erleben.

Aber auch hier gilt natürlich der Grundsatz, dass das Werkzeug sich Ihren Bedürfnissen anpasst. Wenn Sie nur das Lokale wollen, dann bietet Ihnen das Netzwerk genau diesen Filter an. Sie müssen sich nur entscheiden, wenn auch nur vorrübergehend, was Sie alles sehen wollen. Vielleicht hier ein kleiner Tipp aus unserer Vorgehensweise: Ein kleines Taschenmesser mit fünf Klingen schneidet auch gut jedes Band, dafür müssen Sie nicht den ganzen Werkzeugkasten mitnehmen. Nähern Sie sich Ihren Informationen in kleinen Schritten und lassen Sie sich nicht durch Funktionen und Möglichkeiten überfordern.

5. Die Idee finde ich gut, die Inhalte finde ich leider nicht

Ich finde die Idee sich mit dem Unternehmen und seinen Arbeitsplatz zu vernetzen recht gut. Aber. Wenn ich etwas suche, dann finde ich es einfach nicht. Jedes Mal zeigt mir die Suchmaschine nur Blödsinn, den ich nicht brauche. Ich gebe es auf, dass funktioniert alles nicht.

Da habe ich Recht und ich kann mich verstehen. Die Suche und das Verständnis mit deren Umgang ist ein ganz eigenes Feld am digitalen Arbeitsplatz. Vor allem beginnt diese Thematik bei einem selbst. Herr Thielke, die Frage lautet, wie Sie denn suchen? Nutzen Sie ruhig einmal mehrere zusammenhängende Schlagwörter und kombinieren Sie die Suchbegriffe. Eigentlich müssen Sie nur das Anwenden, was Sie tag täglich bei Google machen. Die Suchmaschinen in den Netzwerken arbeiten mit ähnlichen Algorithmen.

Wenn wir vom selber anfangen sprechen, dann auch im Verhalten, wie Sie als Anwender mit Informationen, dem Teilen, markieren und Hinweisen umgehen. Eine wichtige Säule im Umgang mit dem vernetzten Arbeitsplatz ist das Bewusstsein fürs Teilen und Finden. Nutzen Sie die Chance der Tags. Nutzen Sie sie in jeder Situation, ob Datei, Post, Wiki oder Community. Der Tag macht die Suche für andere einfacher. Wenn jeder diese Prämisse aufnimmt, dann gestaltet sich die Suche auch besser im gesamten Netzwerk.

Ich sage Ihnen, das geht noch weiter. Da kommen noch ein paar: Ich finde das nicht gut. Aber lassen wir das Gesagte erst einmal sacken und warten auf den nächsten Beitrag. Oder, doch schon wieder ein bisschen Mut gefasst, dann schauen wir mal, wie wir den Ängsten, Ärgernissen und Bedenken begegnen können.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.