10 Dinge die ich am digitalen und vernetzten Arbeitsplatz überhaupt nicht mag - Es geht weiter

Von Sebastian Thielke 08.02.2016
10 Dinge die ich am digitalen und vernetzten Arbeitsplatz überhaupt nicht mag - Es geht weiter

So, wir haben uns jetzt in den zweiten Teil des Wetterns gerettet. Und ich bin immer noch nicht fertig mit meiner miesen Stimmung gegen diesen ganzen Vernetzungskram und digitalen Arbeitsplatz. Wo waren wir doch gleich. Achso, ich mag dass alles überhaupt nicht, weil …

Und dann immer diese spitzfindigen Antworten. Aber ich finde doch noch ein paar Punkte die mir nicht gefallen.

6. Immer unterwegs und kein Teil im Unternehmen

Also mal so unter uns. Was soll ich damit. Ich bin immer unterwegs. Viel beim Kunden. Alles Wichtige habe ich auf meinem Laptop. Wozu brauche ich da ein Netzwerk und den Austausch mit anderen? Das bringt mir nichts.

Herr Thielke, Sie sollten doch am besten wissen, welchen immensen Stellenwert Informationen, Kontakte und Aktualität in Ihrer täglichen Arbeit haben. Genau das bietet Ihnen der vernetzte Arbeitsplatz. Dass dieser selbstverständlich auch über mobile Applikationen direkt auf Ihrem Smartphone funktioniert, wissen Sie ja. Stellen Sie sich vor, dass der Kunde eine Frage hat und Sie diese Frage zusammen mit dem Unternehmen und das vor den Augen des Kunden lösen können. Welche Wirkung, welche Innovation.

Der mobile, flexible, vernetzte und digitale Arbeitsplatz bietet Ihnen das ganze Wissen Ihres Unternehmens, Ihrer Kollegen und Partner an. Ihr Anwendungsfall zählt zu dem am besten untersuchten und zeigt, dass Sie am meisten profitieren, denn schließlich ist es Ihr Grund und Boden: Vernetzen, Austauschen und Informieren. So verkaufen Sie.

7. Angst vor der eigenen Courage

Also hier in diesem Netzwerk im gesamten Unternehmen was schreiben? Das alle lesen können? Alle? Niemals. Nachher denken die anderen noch ich mache nichts anderes. Und erst mein Chef. Ich will doch nicht anecken mit meiner Meinung und meinen Ideen. Das geht nicht gut.

Ich verstehe mich da sehr gut in dieser Angst. Wenn ich etwas angeboten bekommen, dass ich vorher nicht machen konnte, in einer Umgebung, die zu tiefst durch Misstrauen bestimmt ist, dann zögere ich auch. Doch Anfangen muss man. Man muss vor allem für sich lernen, was offenen Kommunikation, Teilen und Mitteilen für Auswirkungen haben. Diese egoistische Ebene anzupacken, ist ein geeigneter Weg, Ihnen zu zeigen, dass Sie keine Angst haben brauchen. Sie helfen dem Unternehmen. Haben Sie den Mut und beteiligen Sie sich. Wenn man Ihnen die Chance bietet, dann sind die Konsequenzen schon längst bedacht.

Ein Weg genau diese Angst aufzulösen, ist der Einsatz der Methode Working out Loud. Abgeschlossen für sich in einem vertrauten Kreis lernen die einzelnen Personen und Mitarbeiter wo der Vorteil des Netzwerkes, des Teilens und des Mitteilens liegt. Sie geben nach der festgelegten Zeit die Erkenntnisse weiter und stecken Ihre Kollegen an. Zudem werden Sie ermutigt, Ihre Arbeit offen im Netzwerk zu gestalten. Die Angst wird verschwinden. Da kann ich Ihnen gerne helfen Herr Thielke. Lassen Sie uns mit vier Ihrer Kollegen den ersten Kreis bei Ihnen im Unternehmen gestalten.

8. Moderne Methoden und die ständige Neuerfindung von Management

Dieses ganze Wirrwarr von Zusammenarbeit, Agile, Führung, Innovation und eigenständigen Arbeiten. Ich spreche lieber direkt mit meinen Mitarbeitern. Das Netzwerk ist nur eine Mode, wie die ganzen anderen neuen und neuerfundenen Methoden für Management. Alles viel zu weit weg vom praktischen Management.

Hmm. Vielleicht muss ich hier eine kleine Orientierung für Sie geben, Herr Thielke. Die ganzen Aspekte singulär zu betrachten, wäre falsch. Die neuen Methoden und Werkzeuge bauen im Großteil aufeinander auf. Dabei ist das Netzwerk bzw. die Möglichkeit von Sichtbarkeit und gemeinsamer Kommunikation ein wichtiger Bestandteil. Niemand wird verlangen, dass gute Erfahrungen mit bestimmten und eingeübten Methoden ausgesetzt werden mit dem digitalen Arbeitsplatz.

Der Blinkwinkel muss hier in der Ergänzung liegen. Sehen Sie es doch einmal so. Sie haben die Chance wesentlich öfter mit Ihren Mitarbeitern in Austausch zu kommen und Sie sind einfacher in der Lage einen Überblick zu Projekten und Herausforderungen zu bekommen. Vor allem können Sie mit gutem Bespiel diesen Arbeitsplatz mit Ihren Methoden beleben. Selbstverständlich ist das Investment etwas Neues zu lernen unumgänglich. Management und Führung in solchen Netzwerken ist ein beständiger Bestandteil und ein immanentes Erfolgsinstrument beim begleiteten Wandel des Unternehmens und des digitalen Arbeitsplatzes.

9. Eigenständiges Arbeiten? Bei Uns? Niemals.

Wie jetzt eigenständiges Arbeiten? Vielleicht auch noch selbstständig? Dann hätte ich mich auch mit meinem intelligenten Papier selbstständig machen können. Ich habe hier doch gar nicht die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen oder etwas umzusetzen. Mir macht das sogar Angst. Was soll ich mit der Verantwortung? Wieso soll ich mich jetzt beteiligen? Das ist Blödsinn und nicht die Realität bei uns Mitarbeitern.

Viel Angst ist in diesem Unbehagen und viel Unkenntnis über Sinn und Zweck. Es wurden bestimmte Begriffe genutzt, aber was als fortschrittlich gemeint war, kommt als Hindernis heraus. Ich habe vollstes Verständnis für Ihre Bedenken Herr Thielke. Wir sind heute ein Arbeitsumfeld gewohnt, dass uns kontrolliert und ggf. regulierend einschreitet. Wir treffen selbst keine Entscheidungen und überlassen es den Entscheidungsträgern. Das ist einfach und komfortabel. Doch so funktioniert die vernetzte, fortschreitende Welt nicht mehr. Entscheidungen und Handlungen müssen direkt und schnell am der Ursachenquelle gehandhabt werden.

Ihnen wird nicht die gesamte Unternehmerschaft aufgebürdet. Sie sollen für Ihre Rolle die Verantwortung übernehmen. Und das können Sie, denn das ist Ihr Beruf. Das Netzwerk bietet dazu die Möglichkeit, genau diese schnellen Entscheidungen auch transparent und nachvollziehbar zu machen. Sie haben die Möglichkeit sich durch Informationen und Suche Entscheidungsgrundlagen zu sichern. Der vernetzte Arbeitsplatz ist dabei der Weg, dass eigenständigen Handeln zu ermöglichen. Sie sollten vor diesem Schritt keine Angst haben, denn er befähigt Sie in Ihrer Rolle. Sie sind der Experte in Ihrem Job.

10. Social hängt mir zu den Ohren raus

Also ich kann dieses ganze Zusammen, Social und Collaboration nicht mehr hören. Wieso soll ich meine Arbeit in Facebook oder Twitter erledigen? Man sieht doch, dass die Menschen dort nur abgelenkt sind oder sogar vollkommen aus der Rolle fallen.  Geschwätz und Gerüchte habe wir auch schon so genug auch ohne Katzenbilder und Verabredungen zum Sport.

Sehr schwieriges Thema. Wirklich. Der Begriff Social wirkt irgendwie verbrannt. Alle sind Social. Alle machen Collaboration und das auch noch in der digitalen Transformation. Worüber man sich hier wirklich klar sein sollte, ist die Tatsache, dass wir hier von Mechanismen sprechen, die wie in den Social Media wie Facebook und Twitter funktionieren aber bei weitem nicht den Inhalt oder die Ziele der selbigen haben.

Ihr digitaler und vernetzter Arbeitsplatz Herr Thielke soll für Sie, Ihre Kollegen und das Unternehmen produktiv sein. Natürlich ist es auch wichtig, dass man die zwischenmenschliche Ebene einbindet. Sie ist ein Erfolgsfaktor für die Akzeptanz solcher Neuerungen. Sie schafft das Vertraute im Neuen. Dennoch muss klar sein, dass hier gearbeitet wird. Und zu dieser Wahrnehmung und Einschätzung ist jeder Mensch in der Lage. Wenn man nun noch durch Orientierung, Hilfestellung und praktische Beispiele unterstützt, dann muss man gar nicht von Social oder Collaboration reden, sondern kann sagen, dass das Unternehmen seinen Mitarbeitern eine digitalen und vernetzten Arbeitsplatz anbietet, der viele Vorteile gegenüber klassischen Kommunikations- und Zusammenarbeitsmedien anbietet.

Es muss unser gemeinsamen Ziel sein Herr Thielke, dass wir die Ängste, Ärgernisse und Sorgen der Mitarbeiter in jeder Situation kennen, verstehen und helfen damit umzugehen.

  • Hören Sie auf die Ängste und nehmen Sie sie ernst
  • Gestalten Sie die Anwendungsfälle mit den Mitarbeitern und entlang ihrer Sorgen
  • Versuchen Sie es nicht allen Recht zu machen, denn das wird scheitern
  • Nicht jeder wird mit diesem vernetzten Arbeitsplatz arbeiten können und arbeiten wollen
  • Schaffen Sie positive Erfahrungen und knüpfen Sie an der Realität der Mitarbeiter an
  • Verstehen Sie die Bedenken und übergehen Sie sie nicht

Dann kann ich sagen, es gefällt mir ja irgendwie doch. Dieser digitale Arbeitsplatz, dieses Vernetzen. Danke, dass Sie mir zugehört haben, Herr Thielke.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.