Komplexität und Dynamik erfordern vernetztes Handeln und neue Instrumente

Von Peter Schlack 27.09.2017

Bild: Wie Unternehmen für die Zukunft gerüstet sind, das ist auch eine Frage dessen, wie sie ihre Umwelt wahrnehmen - und wie sie darauf reagieren. Ob die Umwelt beispielsweise kompliziert oder komplex wahrgenommen wird und Agilität zum Reaktionsmuster wird. Ich plädiere für eine komplexe Sichtweise und agiles Herangehen und setze mich im Folgenden damit auseinander, was das genau bedeutet.

Bild: Cornelius Kibelka (WMDE) - Autobahn Schild Zukunft auf den Wikimedia Commons. Verwendung unter den Bedingungen Creative Commons (BY-SA).

Komplexität ist ein Phänomen unserer vernetzten Welt. Mit diesem Phänomen - und der daraus folgenden Dynamik von Systemen - muss man sich zuerst befassen, bevor die Überlegung kommt, die Umwelt besser in den Griff zu bekommen. Kooperationen, neue Formen der Arbeitsteilung, das Internet und letztlich auch die Globalisierung, welche die Vernetzung aller Systeme verstärken, müssen auch daraufhin analysiert werden, wie sie mit der Komplexität umgehen. Komplexe Systeme sind nicht zuletzt von permanenten Veränderungen geprägt, die beispielsweise auch in Netzwerken durch die Interaktion der Beteiligten entstehen. So ändern sich Marktkonstellationen oft schlagartig, gewohnte Strukturen verschwinden plötzlich. Dabei machen den Unternehmen insbesondere die Undurchschaubarkeit vernetzter Systeme, ihre Eigendynamik und die damit verbunden Instabilität zu schaffen.

 

Agilität ist wettbewerbsentscheidend

Agilität, also Schnelligkeit und Flexibilität in der Reaktion auf komplexe Situationen, ist heute oft wettbewerbsentscheidend. Mit den traditionellen Instrumenten bleiben die Unternehmen allerdings häufig auf der Strecke. Die gute Nachricht lautet: Heute stehen Unternehmen digitale Plattformen zur Verfügung, die eine interaktive und offene Kommunikation, auch in großen Gruppen, ermöglichen. Damit können in den Unternehmen quasi in Echtzeit und von jedem Standort aus Mitarbeiter*innen, Führungskräfte, Experten, Kunden etc. miteinander kommunizieren. Der große Vorteil: Relevante Informationen werden nicht durch mehrere Ebenen bis zur Unkenntlichkeit gefiltert. Beispiel Vertrieb: Erzählungen, Emotionen, Ärgernisse, Metaphern, Geschichten, Erfolge und Misserfolge die im Vertrieb im Markt erlebt werden landen bisher manchmal viel zu spät oder gar nicht auf der Leitungsebene, um schnell auf Beobachtungen im Sinne neuer Entscheidungen reagieren zu können.

Oder nehmen wir Überlegungen zur Zukunftssicherung eines Unternehmens. Da stellt sich für jedes Unternehmen die Frage: Welche Chancen haben wir in Zukunft? Wie können wir uns auf die Marktentwicklungen mit unserem Leistungsangebot einstellen? Welche Produkte müssen wir entwickeln, um auch morgen noch erfolgreich am Markt zu sein? Wohin müssen wir unsere Marke entwickeln? Dafür muss man über den Tellerrand schauen, alternative Denk- und Möglichkeitsräume entwickeln. Und das in immer kürzeren Zeiträumen. Das klassiche Instrument hierfür sind die sogenannten Zukunftsworkshops, in denen interne und externe Experten zusammen Szenarien entwickeln, welche alternative Zukünfte auf das Unternehmen zukommen könnten und welche Handlungsoptionen sich daraus ergeben. Diese Workshops gehen häufig über Wochen und Monate. Das kostet nicht nur Zeit, die es oft gar nicht mehr gibt, sondern belastet natürlich auch die jeweiligen Kostenstellen.

 

Digital in die Zukunft sehen

Mit Hilfe digitaler Instrumente kann dieser Prozess deutlich beschleunigt und verschlankt werden. Voraussetzung dafür ist lediglich eine digitale Plattform, auf der jeder, der an dem Prozess beteiligt ist, direkten Zugriff hat – idealerweise auch von einem mobilen Endgerät. Damit sind alle internen und externen Experten miteinander vernetzt und können so gemeinsam an dem Projekt arbeiten, Informationen austauschen, in Foren diskutieren, Dokumente archivieren etc.  Man geht gut vorbereitet in den jeweiligen „analogen“ Workshop. Die Nachberabeitung läuft dann wieder online. Insgesamt muss man sich nicht mehr so oft treffen. Das heisst, die gesamte Strecke des Prozesses wird verkürzt und damit wird das Projekt entsprechend beschleunigt.

Ebenso kann es bei der Entwicklung von neuen Ideen und Innovationen für ein Unternehmen funktionieren, in dem zur Ergänzung eines „analogen“ Kreativ-Workshops alle Internen und Externen, die an dem Prozess beteiligt sind, auf einer Plattform vernetzt sind. So können beispielsweise  im Vorfeld des Workshops Gedanken ausgetauscht und erste Ideen miteinander entwickelt werden. Dadurch kommt man im Workshop schneller in die Stiefel und kann das Ergebnis auch wieder online weiterverarbeiten. Auch hier kann der Prozess durch den Einsatz digitaler Instrumente beschleunigt und verkürzt werden. Ein großer Vorteil liegt auch noch darin, dass man über eine digitale Plattform den Kreis der Teilnehmer über den Workshop hinaus, erheblich ausweiten kann, was natürlich die kreativen Impulse vermehrt.

Viele Unternehmen sind sich inszwischen bewusst, dass die Herausforderungen durch das Optimieren des Bestehenden allein nicht mehr zu bewältigen sind. Nur wer mit neue Ideen und Produkten die Nase vorn hat, kann sich im harten Wettbewerb behaupten. Denn im globalen Markt gibt es keinen Protektionismus mehr, geht der stabilisierende Einfluss von Tradition und Gewohnheit mehr und mehr verloren. Das Bessere wird nahezu ohne Verzögerung zum Feind des guten. Deshalb finden die Instrumente der Digitalisierung am ehesten bei den Führungskräfte und Mitarbeiter Akzeptanz, die Probleme komplexer Natur zu bewältigen haben. Und die gehen über die oben angeführten Beispiele weit hinaus.

 

Das Beste aus zwei Welten nutzen

Trotz der wachsenden Macht der Digitalisierung werden Aktivitäten, die beispielsweise die direkte Diskussion, den persönlichen Gedankenaustausch oder Vertrauen oder Vertraulichkeit involvieren, weiterhin hauptsächlich an physischen Plätzen stattfinden. Es geht also nicht darum, die urbanen Plätze in den Büros zu ersetzten, sondern die analoge und digitale Welt sinnvoll zu fusionieren – dort wo es Sinn macht. Das ist für ein Unternehmen in erster Linie die Lösung von komplexen Problemen. Hierfür die passende digitale Infrastruktur bereitzustellen, hat sich Beck et al. auf die Fahne geschrieben.