Verletzlichkeit macht stark

Von Siegfried Lautenbacher Von Alexander Klier 08.11.2017
Verletzlichkeit macht stark

Bild: Die Tagwolke zur These 1 des Workshops im Rahmen des IOM Summits 2017.

Die vielfachen und vielfältigen Reaktion auf den Blogbeitrag von Siegfried Lautenbacher "Alles nur eine Farce? Digital Collaboration und New Work im Wirklichkeitsschock" auf LinkedIn haben uns sehr gefreut. Mutig, gut geschrieben, Applaus und wunderbare Gedanken waren nur einige der kennzeichnenden Worte in den Kommentaren. Aus unserer Sicht haben die Inhalte des Artikels weiter an Bedeutung gewonnen. Gerade das Thema Verletzlichkeit rückt immer mehr ins Zentrum.

Der Beitrag war Teil unserer Vorbereitung auf einen Workshop im Rahmen des IOM Summit im September 2017 in Köln, der das zentrale Thema, dass nämlich das Ändern gelebt werden muss, weiter aufgreifen und transportieren sollte. Im einführenden Interview von Ellen Trude führte Siegfried Lautenbacher noch einmal aus, warum aus seiner Sicht das Thema Verletzlichkeit einen solchen Stellenwert bekommen hat: "Brene Brown zeigt aus meiner Sicht überzeugend, dass die eigene Vulnerabilität die Basis für all die Eigenschaften darstellt, die wir einfordern und über Kollaborationsplattformen leben wollen. Erst die Courage zu haben, unvollkommen zu sein und das zu zeigen bedeutet, auf Augenhöhe zu sein. Sich Ent-täuschen zu lassen und damit die neurotischen Sicherungssysteme beginnen aufzulösen, kann nur in einem solchen Fall passieren."

Bei genauem Eingehen auf die Planungen für den IOM Summit bemerkten wir, dass wir dafür die “Open space” Workshops zur Verfügung hatten. Also interaktive Formate, die für zwei Gruppen zu jeweils 25 Minuten zugeschnitten waren. Nun, unsere ursprüngliche Idee für einen Workshop konnten wir so natürlich nicht umsetzen. Beim Nachdenken über ein Konzept, welches dieses Bedürfnis, über das Thema Verletzlichkeit zu diskutieren aufgreifen kann ohne den Zeitrahmen zu überschreiten, hat uns unser sehr geschätzter Kollege Harald Schirmer den entscheidenden Hinweis gegeben. Seine Idee war, in Anbetracht der knappen Zeit erst einmal nur zu sammeln und nicht schon in die Diskussion einzusteigen, die höchstwahrscheinlich relativ schnell von zwei oder drei Diskutierenden dominiert worden wäre. Sozusagen ein weitgehend "sprachloser" Workshop, der den Horizont für die weitere Diskussion eröffnen sollte. Und genau das haben wir dann umgesetzt.

Wie sind wir vorgegangen? Wir haben die 25 Minuten in drei Blöcke unterteilt, die wir mit jeweils einer These sowie einer Richtung, in welche die Überlegungen gehen könnten, vorgestellt haben. These eins beispielsweise lautete folgendermaßen: "Es genügt nicht, nur Gleichgesinnte um sich zu haben." Die von uns angezielte Denkrichtung hatten wir so formuliert: "Welche Potenziale bietet dieses ‚Movement‘?" Um ehrlich zu sein, waren wir uns schon unsicher, ob das im angestrebten Sinne funktionieren würde und wie die Reaktion der Teilnehmer*innen sein würde. Aber auch hier wurden wir wiederum äußerst positiv überrascht. Es war nicht nur so, dass sich ziemlich viele Teilnehmer*innen eingefunden hatten, sondern auch das Verfahren wurde quasi ohne Murren angenommen. Mit dem Versprechen, die vielfältigen Zugänge zu sammeln, zu strukturieren und ein Diskussionsangebot für die Zeit danach zu machen war es gelungen, eine echte Sammlung von Stichworten und Statements zu bekommen.

Zeitlich sind wir schon aufgrund der enormen Menge nicht mehr dazu gekommen, Anmerkungen zu den gepinnten Aussagen zu bekommen. Insofern mag das ein oder andere Stichwort unverständlich sein. Aber in der Summe und mit unserem Clusterungsvorschlag ergibt sich doch ein Bild, an das wir anknüpfen wollen. Genau dazu wollen wir mit diesem Beitrag einladen, um die Fäden aus dem Workshop aufzunehmen und vielfältig weiter zu spinnen. Dazu werden wir gesondert etwas schreiben und auch die entsprechenden digitalen Werkzeuge für diesen Diskurs anbieten. An dieser Stelle bleibt uns jetzt nur noch, Danke zu sagen, ein Danke für die Offenheit und Ehrlichkeit, die eigene Verletzlichkeit anzuzeigen und das Netzwerk zu nutzen, weiter daran zu arbeiten, das eigene Ändern zu leben.
 

Über die Autoren

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance

Alexander Klier Social Learning Consultant
Social Collaboration und Social Learning gehören zusammen. Gemeinsam denkt man weiter.

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