Corporate (Social) Learning Camp 2016

Von Alexander Klier 02.11.2016
Corporate (Social) Learning Camp 2016

Als Teilgebender, wie es auch genannt wird, habe ich auf dem Corporate Learning Camp 2016 ebenfalls eine Session angeboten. Eine zum Thema Social Learning Community. Sie war gut besucht und ist in wichtigen Teilen hier im dazugehörigen TitanPad dokumentiert.

Vom 13. - 14.10.2016 hatte ich die Gelegenheit, Teilgebender des sechsten und größten Corporate Learning Camps in Frankfurt zu ein. Für mich war es die zweite und weitaus größere (Un-) Konferenz im BarCamp Format mit insgesamt etwa 300 Teilnehmer*innen. Zu den Teilnehmer*innen gehörten in einer nicht unwesentlichen Anzahl Personalentwickler*innen, aber auch Trainer und Trainerinnen sowie Lehrende und Anbieter verschiedener (digitaler) Lehr- oder Toolangebote. Soweit kann ich bereits vorab sagen, dass es eine Erfahrung der ganz besonderen Art war. Ich werde mich hier zunächst auf die Organisation des Camps beziehen, um dann etwas über meine eigene Angebot einer Session zu schreiben. Am Schluss möchte ich mir noch Gedanken dazu machen, in welchem Verhältnis das Corporate Learning Camp 2016 zur digitalen Transformation stand.

Eine kleine Impression vom Corporate Learning Camp 2016 durch Lutz Berger.

 

Die Organisation

"Der entscheidende Perspektivwechsel ist der, auf (Augenhöhe auf) die Communitymitglieder als Lerner*innen in einem Netzwerk zu schauen, die im Prinzip gerne lernen, dafür aber auch die entsprechenden Freiräume, beispielsweise der Organisation, benötigen" (Gedankenfragment 3).

Obwohl ein ganz wesentlicher Teil der Organisation eines so wichtigen Events in den Händen der Teilnehmer*innen liegt, nämlich der Aspekt, welche Inhalte wer auf einer solchen Konferenz beiträgt, bleibt die Gesamtorganisation des Rahmens durchaus ein nicht zu unterschätzender Kraftakt. Das fängt bei der Planung der Räumlichkeiten an, geht über die nach wie vor notwendige Ankündigung sowie den Ticketverkauf und die Begrüßung der Teilnehmer*innen weiter zu der Frage einer Dokumentation und Auswertung. In meinen Augen war die Organisation insgesamt, einschließlich der Verpflegung, sehr gut gelungen. Mein Dank gilt hier nicht nur Karl-Heinz Pape für die Moderation und der Corporate Learning Alliance für die Organisation, sondern gerade auch dem Team der zahlreichen Helfer*innen, die immer zugegen waren und für eine reibungslose Ablauf und eine angenehme Atmosphäre sorgten. Anhand von drei ausgewählten Aspekten des Ablaufs am ersten Tag möchte ich etwas tiefer in eine Reflexionen einsteigen.

 

Ich darf mich vorstellen!

Als ich schlussendlich am Tagungsort angekommen, eingetragen und soweit bereit war, kam ich in "unseren" Konferenzsaal. Nun kann ich ja nicht direkt einen Vorwurf daraus ableiten, dass es sich mit der Hochschule Frankfurt um eine Hochschule als Mitveranstalter handelt, die entsprechend einen hochschultypischen Saal für 300 Personen zur Verfügung gestellt hat. Für die Idee einer hochkommunikativen LearningCamp Veranstaltung fand ich ihn jedoch ziemlich unpassend. Gleichwohl war ich fasziniert davon, wie die obligatorische Vorstellungsrunde für besagte Teilnehmer*innen trotz dieses widrigen Umstandes funktioniert hat. Ich glaube, dass man daran gut sehen kann, wie wirksam das Prinzip der Augenhöhe tatsächlich ist. Bis zum Ende der Vorstellung der durchaus langen Runde war es meistenteils ziemlich ruhig und man konnte den einzelnen Vorstellungstags immer folgen. Das Ernst-nehmen und gegenseitige "Sehen" der Teilnehmer*innen - mit allen Konsequenzen - ist insofern von Anfang an notwendig und bereichernd.

Ein Beispiel dafür, wie das Prinzip Augenhöhe zur Wirkung kommt, ist die obligatorische Vorstellungsrunde im Rahmen von Camp Veranstaltungen.

 

Folgendes biete ich an ...

Der zweite Höhepunkt kam unmittelbar danach, denn nun ging es darum, die noch leere Tagesordnung in Form eines Sessionplanes mit Inhalten zu füllen. Prompt stand, in einer ersten Wahrnehmung meinerseits, fast der halbe Saal auf, um sich anzustellen, eine entsprechende Thematik anzubieten oder Diskussion zu ermöglichen. Das fand ich auf der einen Seite ziemlich cool, weil es dafür spricht, dass im Rahmen von BarCamps eine enorme Expertise vorhanden ist, die man auf diesem Weg abrufen kann. Als dann Zug um Zug die konkreten Themen angeboten worden sind, fand ich es dann doch wiederum nicht ganz so prickelnd, weil es sich meiner Meinung nach (zumindest am ersten Tag) oft um Diskussionen zu möglichen Einsätzen der Produkte oder Erfahrungsberichte der Sponsoren handelte. Die Vorschläge sind deshalb, jedenfalls oft genug, mit einem bereits fertigen Vortrag bzw. einer Präsentation angeboten worden. In jedem Fall aber war der Sessionplan bald prall gefüllt mit verschiedensten Aspekten (es kamen tatsächlich mehr Vorschläge, als Räume frei waren), die zuallermeist auch das Thema der digitalen Wende im Bereich des Corporate Learning als Inhalt hatten. Für mich ein Beleg dafür, wie virulent dieses Thema auch für die Personalentwicklungsabteilungen in den Unternehmen geworden ist.

Was im Rahmen des Corporate Learning Camp 2016 sehr gut gelungen ist, das ist, die Expertise der teilnehmenden sichtbar zu machen und zur Verfügung zu stellen.

 

Dann schreiben wir mal ins TitanPad

Im Sessionplan hinterlegt waren bereits Links auf ein entsprechendes TitanPad. Von der Idee her sollten entweder die Sessiongeber, oder aber Personen, die sich dazu berufen fühlten, diese mit Stichworten der Diskussionen füllen. Für meine eigene angebotene Session habe ich das hier auch gemacht. Beim Durchklicken durch die anderen Sessions fiel mir aber auf, dass nur ein kleinerer Teil davon echt dokumentiert worden ist. Das habe ich im Rahmen eines anderen Camps durchaus besser in Erinnerung gehabt: Hier war nämlich von vornherein jemand aus dem Veranstaltungsteam zuständig, entsprechende Notizen einzupflegen ("Protokollengel"). Beide Male immer mit dem ausdrücklichen Wunsch und natürlich der Möglichkeit, dass - im Anschluss daran - alle Beteiligten kollaborativ zu einem dokumentierten Ergebnis beitragen können.

 

Meine eigene Session

"Social Learning und Community haben zwar die digitale Transformation als Auslöser, handeln jedoch von einer anderen Art des Zusammenarbeitens und Lernens" (Gedankenfragment 1).

Ganz besonders spannend war für mich der zweite Tag des Camps. Insbesondere deshalb, weil ich mit dem Vorsatz auf das Corporate Learning gefahren bin, auch eine eigene Session zum Thema "Social Learning Community" anzubieten. Von der Intention her ging es mir darum, mich mit anderen auszutauschen, was gute Argumente für eine solche Community sind, welche Erfolgsfaktoren es gibt und worin die größten Schwierigkeiten bestehen, sie im Rahmen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung einzusetzen. Insofern hatte ich zwar meine eigenen Gedanken dazu mitgebracht, ansonsten aber nichts weiter organisiert. Erstaunt und erfreut war ich dann über die in meinen Augen doch sehr große Resonanz, welche diese Session schließlich gefunden hatte. Ich denke auch, dass es – ganz im Sinne des gemeinsamen Austauschs – gelungen ist, Erfahrungsberichte zu bekommen, Fragen zu klären und schließlich inhaltlich bereichert aus der Session zu gehen. Irgendwie habe ich aber dennoch das Gefühl, dass das nicht für alle so zufriedenstellend war wie für mich. Vielleicht gab es tatsächlich öfter die Erwartungshaltung, einfach mehr über dieses Thema im ganz klassischen Sinn zu lernen. Den Aufbau und meine inhaltlichen Impulse habe ich hier im TitanPad genauso dokumentiert (im Pad und hier in den Zitaten als Gedankenfragmente markiert), wie ich als Gedankenprotokoll die wesentlichen Impulse und Diskussionsstränge versucht habe aufzunehmen.

Bevor ich meine eigene Session angeboten habe, konnte ich als Teilnehmer die Vielfältigkeit und den kreativen Umgang mit Themen genießen.

 

Noch nicht (ganz) digital!

"Das Lernen über Social Learning Communities kann umfangreiche Methoden und sehr verschiedene Tools umfassen, das Lernen zu organisieren und durchzuführen" (Gedankenfragment 2).

Als Social Learning Community, in der die Teilnehmer*innen sich über die Sessions vernetzen, austauschen und gemeinsam Ergebnisse erarbeiten, funktioniert(e) das Corporate Learning ziemlich gut. Doch so vielversprechend einige der Sessions benannt worden sind, wie beispielsweise "Digitales Lernen im Corporate Learning", "Blended Learning in Kleinunternehmen und KMU", "Lerndesign für eine Agile Organisation", "Virtual 3D Classroom / Academy" und sogar "Social Learning mit Social Media": Digital im Sinne einer Möglichkeit, auch virtuell, beispielsweise über eine Telekonferenz oder auch eine Kollaborationsplattform dabei zu sein oder zu einer Session beizutragen, war das Corporate Learning Camp (noch) nicht. Es waren relativ ausschließlich, wiederum einschließlich meiner eigenen, sehr analoge Sessions. Das ist zum einen insofern schade, als die Hochschule Frankfurt beispielsweise mit ILIAS über eine Lernplattform verfügt, welche auch Adobe-Connect integriert hat, zum anderen deshalb, weil der Campgedanke gerade als Ausdruck der neuen digitalen Möglichkeiten gilt.

Es ist mir auch sonst aufgefallen, dass das Thema digitales Lernen als ureigenster Anwendungsfall eines solchen Camps noch deutlich ausbaufähig ist. So wurden beispielsweise für annähernd 300 Personen relativ wenig Tweets abgesetzt. "Walk the talk!" Ich glaube, dass tatsächlich nur das eigene beispielhafte Vorangehen im Einsatz der digitalen Medien eine entsprechende Erwartungshaltung gegenüber "normalen" Teilnehmer*innen, insbesondere in der betrieblichen Aus- und Fortbildung, rechtfertigt. Mein Wunsch bzw. meine Idee für das Corporate Learning 2017 wäre deshalb, die digitalen Möglichkeiten sowohl im Sinne einer Teilnahmemöglichkeit, als auch in den einzelnen Sessions deutlicher zum Tragen kommen zu lassen. Was aber nur dann sinnvoll und von Erfolg gekrönt sein dürfte, wenn es sich nicht nur um ein Add-on im Sinne der Präsentation von Produkten oder dem Vorstellen von digitalen Tools handelt. Für die Entwicklung entsprechender Anwendungsfälle stehen wir hier bei Beck et al. Services genauso zur Verfügung, wie für die möglicherweise notwendige Planung bezüglich des Einsatzes einer cloudbasierten Kollaborationsplattform. Dann würden in meinen Augen auch digitale Social Learning Communities entstehen und als praktische Beispiele vorhanden sein.

 

 

Über den Autor

Alexander Klier Social Learning Consultant
Social Collaboration und Social Learning gehören zusammen. Gemeinsam denkt man weiter.

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