Community Management und Hierarchien – Gegensätze oder anpassungsfähig?

Von Sebastian Thielke 13.03.2017

Vor kurzem hatte ich die Chance, mit Ellen Trude zur Enterprise Digital Arena auf der CeBIT 2017 ein kleines Gespräch in Form eines Interviews zu gestalten. Ausschlaggebend für das verbloggte Interview waren vier Fragen, die sich auf Community Management, Organisationsformen und Lernformen wie Working out Loud bezogen. Mir war es in diesem Zusammenhang sehr wichtig, dass diese Elemente sich verbinden und dass es hier kein schwarz und weiß gibt, sondern die sinnvolle Ergänzung der Themen untereinander.  Aber vor allem ist mir das Gespräch ein Thema des Menschenverstandes, der Augenhöhe und des Herzens.

Die Frage nach den Schlagworten, die ich als Person auf die CeBIT Enterprise Digital Arena 2017 mitnehme, finde ich sehr gut, denn hier muss ich klar sagen, was mir wichtig ist. Kein Geschwurbel, keine umständliche Fachbegriffe. Es ist meine Haltung, mit der ich auf diese Veranstaltung gehe und vor allem sind es die Punkte, die mir auch am Inhalt und dem Gespräch wichtig sind:

  • Ausprobieren: Wenn ich eine Idee, eine Inspiration oder eine Verbesserung für mich und mein Team sehe, dann sollte ich nicht davor zurückschrecken, es einfach auszuprobieren. Was kann schiefgehen? Nichts. Denn ich probiere es aus meiner Perspektive mit meinem Team aus und so, dass alle daran Spaß haben bzw. auf Augenhöhe entscheiden können.
  • Machen: Tja, der Punkt, an dem sich die Geister und Praktiker scheiden. Aus eigener Erfahrung heraus ist es selbstverständlich wichtig, dass es zumindest eine Planung und eine Strategie gibt. Aber man sollte sich darin nicht verlieren und dabei die Zeit sowie die Chancen auf der Strecke lassen. Machen heißt also, die Planung und Strategie nicht nur aufzuschreiben, sondern umzusetzen und in Taten, Methoden und handfesten Erfahrungen folgen lassen.
  • Verbinden: Der wohl wichtigste Aspekt bzgl. Communities, Organisationen und Lernen ist, dass sich die Bestandteile, Ideen, Inhalte und vor allem Menschen miteinander verbinden. Ob diese Verbindung sinnvoll ist, bestimmt immer der Mensch, der sie eingeht. Und dieses sinnvolle Miteinander, Verbinden und Vernetzen sollte eben durch den gesunden Menschenverstand gleitet werden.

Vom Pflichtenheft zum Aufforderungsheft

Bei der zweiten Frage musste ich schmunzeln, denn es kam ein Begriff vor, denn ich sonst nur aus klassischen und sagen wir mal konservativen Ausschreibungen zur technischen Umsetzung von Intranets oder anderen Technologien kenne – das Pflichtenheft. Ein sicherlich nicht ganz fairer Schachzug war da meine Antwort. Ich habe aus dem Pflichtenheft das Anforderungsheft gemacht und zwei Grundsätze darin festgehalten:

  • Haben den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen
  • Wenn Du nicht weißt, wie Du es machen sollst, frage Deine Community

Ich bin der festen Überzeugung, dass dies alles ist, was ich in das Anforderungsheft schreiben muss. Vielleicht ist es ja auch ein Kredo, dass sich jeder auf seinen Schreibtisch oder an die Wand hängen sollte.

Vor allem ist es eine Abkehr von den klassischen Weisungsmanagementlehren hin zu einer digitalen Kultur der Führung und von der Führung zum selbstbestimmten miteinander.

Organisation und Miteinander – von Hierarchie und Holacracy

Ich bin ein großer Freund davon, dass gemeinsame in unterschiedlichen Themen zu finden. Und mit der Frage hinsichtlich Hierarchie und Community Management hat Ellen mich natürlich sofort in der richtigen Welt gefunden.

Wenn man nun mal Hierarchien betrachtet, dann kommt einen zuerst sicherlich, dass Top-Down Prinzip in den Sinn. Da oben sitzen welche, die Entscheidungen, Aufgaben und Begünstigungen entscheiden. Jedoch muss man sich von dieser Ansicht erst einmal trennen. Im Grunde genommen ist die Hierarchie die Vereinfachung von Entscheidungskomplexität durch die Konzentration auf den Entscheidungsschnittpunkt. Ein Kern ist also mit anderen verbunden und kann über sich Inhalte und Entscheidungen teilen und weiterleiten. Folglich kann man die Hierarchie im Unternehmen auch als Hub-Modell betrachten.

Die Schwierigkeit besteht dann in der Macht, die mit der Hierarchie kommt. Die Menschen in der hierarchisch höher gestellten Position erhält mehr Freiheit, mehr Möglichkeiten und eben mehr Macht sich selber zu verwirklichen. Wieso sollen sie diese Macht nicht behalten, wenn es ihnen doch hilft. Wie auch im Interview ist das Prinzip nicht das Hindernis. Der Machtmissbrauch bzw. die Machtkonzentration, die das Organisationssystem behindert.

Von der Warte kann ich also ganz einfach sagen, was das Interview schon wiedergibt: Der Mensch macht die Macht und macht sie nutzbar oder nutzlos. Das Miteinander eben auch in einer Community braucht ein anderes Verständnis und Verhalten dieser Macht gegenüber:

  • Macht muss dort vorhanden sein, wo sie gebraucht wird
  • Macht ist nicht an Personen, sondern an Aufgaben und Sinnhaftigkeit geknüpft
  • Die Community ist ein Modell, in dem Macht sich zum Sinn und Aufgabe hinbewegen kann

Dementsprechend lautet mein Fazit auch, dass Community Management und erfolgreiche Communities in allen Organisationsformen funktionieren können. Die Voraussetzungen und das Miteinander müssen passen.

Working out Loud und die Zusammenarbeit

Die Frage nach WoL stellt sich als Methode sicherlich immer wieder. Doch weder löst die Methode das Community Management ab, noch kann eine Community ohne die WoL Erfahrungen gut funktionieren. Working out Loud bringt Menschen praktisch bei, wie die Zusammenarbeit in einer Community sinnvoll und zielführend funktionieren kann.

Working out Loud bietet sozusagen in der Selbsterfahrung das Lernen und Erkunden von Communities an. Working out Loud in einem Circle stellt die Basis einer Community dar:

  • Sinnvolles und gemeinsames zusammenarbeiten
  • Teilen von Wissen und Erfahrungen
  • Erfahrungen sammeln und machen
  • Die Hilfe der Gruppe in der Zusammenarbeit finden

Und das sind nur die Grundgedanken. Die Methode erlaubt also ein Lernen am lebenden Community Beispiel als eigene Community.

Vorfreude auf die Enterprise Digital Arena 2017

In diesem Sinne freuen wir uns als Community Beck et al. Services auf die kommende CeBIT und laden Sie gerne ein, die Ideen rund um Community Management, die Erfahrungen zu Hierarchien, Holokratien und Wirearchien zu vertiefen und einfach mal Practing out Loud des Erfahrungsaustausches zu betreiben.

 

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.