Das Ende der Hierarchie? (3)

Von Sebastian Thielke 15.04.2016

Unter Wirearchy werden im Moment einige unterschiedliche Stränge diskutiert. Das einigende Element ist die Feststellung, dass Entscheidungen an den richtigen Stellen getroffen werden müssen. Und dass dies, aus nachvollziehbaren Gründen, eher selten im Rahmen der Hierarchie stattfinden wird.

Bild: Oliver Tacke - Think-Pair-Share auf Flickr. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons - BY (Namensnennung).

 

Am Donnerstag, 21. April 2016 findet in Berlin, im "St. Oberholz Zehdenicker" unter dem Titel "Das Ende der Hierarchie? Neue Organisationsmodell­e der Zukunft" ein Digital Workplace Meetup statt, das von uns unterstützt wird. Hier sind nähere Informationen dazu.

Wir wollen mit vier kurzen Beiträgen inhaltliche Aspekte und Diskussionsanlässe liefern. Folgende vier kurze Blogposts wird es geben:

  1. Warum es zum Ende der Hierarchie kommen wird.
  2. Das Zeitalter der Unternehmensdemokratie oder: wie Andreas Zeuch das sieht.
  3. Wirearchy - Damit an den richtigen Stellen entschieden wird.
  4. Next Organization: Welche Organisationsmodelle derzeit on vogue sind.

Im Nachgang des Meetups wird es noch einmal eine Positionierung und Zusammenfassung von uns als Beck et al. Services geben.

 

Wirearchy ...

Geprägt und ins Spiel gebracht wurde der Begriff Wirearchy 1999 von Jon Husband. Seine Überlegungen dabei sind einfach nachzuvollziehen: die digitale Revolution führt über kurz oder lang zu vernetzten Organisationen. Diesem Umbau der Strukturen können sich Unternehmen nicht verweigern. Zugleich stellt sich dabei heraus, dass die Informationen in der Regel ohnehin andere Wege genommen haben, als in hierarchischen Organisationen vorgesehen war. Geradezu legendär sind die Erkenntnisse über informelle Pfade und virtuelle sowie reale Communities of Practice gerade jenseits der Hierarchie. Aus diesen Entwicklungen heraus schlägt Jon Husband vor, das Design von vornherein vernetzt anzulegen, was er – in Abgrenzung und einer Gegenübersetzung zur Hierarchie – eben Wirearchy nennt. Entsprechend beschreibt er Wirearchy als "dynamischen Fluss der Macht", die sich nun nicht mehr hierarchisch ergibt, sondern auf den Prinzipien von Information, Vertrauen und Glaubwürdigkeit erworben werden muss.

Jon Husband prägte den Begriff Wirerarchy und löste damit die Diskussion um das Ziel der digitalen Transformation aus. Er wird im Rahmen der Veranstaltung live zugeschaltet werden.

Bild: kris krüg - BlogWalk Seattle 2005 - Jon Husband auf Flickr. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons - BY-SA (Namensnennung-Verwendung unter gleichen Bedingungen).

 

Hierachie vs. Rollen

"If anything, wirearchy is about the power and effectiveness of people working together through connection and collaboration … taking responsibility individually and collectively rather than relying on traditional hierarchical status."

 

Wirearchy stellt in meinen Augen mehr ein Transformationsmodell, denn eine Vorstellung über den Aufbau einer digitalen Organisation dar. Ein Modell, bei dem Managementformen, Verhalten und Handeln sowie Organisationsstrukturen den digitalen Anforderungen angepasst und durchaus disruptiv neu ausgerichtet werden. Um noch einmal an Teil 2 anzuschließen: In den für die Aufgabenabwicklung zuständigen Projekte und Teams werden Rollen definiert, die dann von je unterschiedlichen Personen, und vor allem zeitlich begrenzt, ausgefüllt werden können und müssen. Treiber dieses Modells ist das offene Internet, das sowohl global, als auch intern Modelle des sozialen Zusammenhalts sowie vor allem von sozialer Kollaboration erlaubt.

 

... damit an den richtigen Stellen entschieden wird

Ermöglicht wird eine Wirearchy durch die enge digitale Verbindung von Mensch und Technologie. Die digitale Revolution befähigt also dazu, dass die Projekte und Teams eigenständig und demokratisch, nämlich durch Wahlen, die Personen bestimmen, die beispielsweise die jeweilige Führungsfunktionen als Rolleninhaber ausfüllen. Digital disruptiv wird es möglich, dort die Entscheidungen anzusiedeln, wo sie sinnvollerweise auch getroffen werden müssen. Was man aus der Diskussion um eine Wirearchy als Transformationsmodell lernen kann, ist, dass die Übertragung von Kompetenzen auf die Mitarbeiter Folgen für den "Bauplan" der Organisation haben muss. Im Teil 4 dieser kleinen Reihe schließt sich nun der Kreis und ergibt die Erkenntnis, dass die Diskussion um demokratische Unternehmen kein Selbstzweck ist.

Wir freuen uns auf eine Diskussion - virtuell oder am 21. April in Berlin

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.