Das Prinzip der praktischen Herausforderung – SocialNow! als Aufforderung

Von Sebastian Thielke 14.04.2016
Das Prinzip der praktischen Herausforderung – SocialNow! als Aufforderung

Endlich habe ich es geschafft. Drei Jahre hat es gebraucht, um zu einem Eventformat zu kommen, dass von Anfang an wundervoll, wertvoll und ausgesprochen innovativ ist - SocialNow! Was macht dieses Event aber so besonders im Vergleich zu größeren und breiteren Veranstaltungen, Messe oder BarCamps? Es ist das Format, welches Marketing ausblendet, Praktikabilität aufzeigt und kritisches Hinterfragen von Features, Produkten und Services ermöglicht. Es sind zwei Tage in Lissabon die ein sehr breitgefächertes Publikum aus Anbietern, Umsetzern und Begleitern die Möglichkeit gibt, ganz praktisch an einem fiktiven Unternehmen die bodenständigen Lösungen für alltägliche Herausforderungen der digitalen Zusammenarbeit zu erleben aber eben auch in Frage zu stellen.

Das Teilnehmerfeld ist wundervoll vielfältig. So sind die großen Anbieter und Berater vertreten wie auch Lösungssuchende und praktische Umsetzer. Dabei hilft das kleine geschlossenen Umfelder der Veranstaltung allen, eine wohlwollende Atmosphäre des Vertrauens und der Ehrlichkeit aufzubauen, die bei großen Marketingveranstaltungen, Inhouse-Messen oder globalen Megamessen nicht vorhanden sein kann. Die Veranstalterin Ana Neves setzt dabei bewusst auf die geschlossene Intimität des Austausches, der Diskussionen und eben der offenen Kritik.

Die Herausforderung

Eigentlich sollten sich diesem Format, wirklich alle Anbieter im Segment der digitalen Zusammenarbeit stellen, denn was sie hier lernen können, finden sie in keiner der eigenen Silo-Denkfabriken ihrer eigenen vier Wände - kritisches Hinterfragen und Einbetten in eine typische Organisationssituation. Die Veranstalterin hat eine symbolische Firma entworfen Cablinc, die wunderbar in den klassischen Mittelstand passt. Dabei werden aber auch nicht die Herausforderungen der großen Konzerne wie auch kleinere Unternehmen außer Acht gelassen. Die Anbieter werden nicht nur mit dieser imaginären Firma, sondern auch mit den unterschiedlichen Menschen und deren Rollen bzw. Funktionen konfrontiert.

Die wichtigsten Punkte bei der Präsentation der Anbieter sind dabei nicht die Features, Funktionen und die Vermarktungsversprechen. Vielmehr stehen im Vordergrund, wie die Anbietervertreter die unterschiedlichen Herausforderungen des Unternehmens Cablinc angehen. Hier sind die Szenarien, denen sich die Anbieter stellen mussten:

  • Ein kaputte Maschine in der Produktion und der einzige, der weiß wie es zu reparieren ist, hat Cablinc vor zwei Jahren verlassen
  • Eine Mitarbeiterin kommt nach längerer Krankheit wieder an ihre Arbeit und muss sowohl die bestehende Email-Flut wie auch die unterschiedlichen Dringlichkeiten während ihrer Abwesenheit regeln. Sie ist eine Flaschenhals in Entscheidungen und Projekten
  • Es wird eine neue Fabrik in der Türkei aufgebaut, aber niemand weiß so recht was da vor sich geht.
  • Die Rechtsabteilung muss die Angelegenheiten klären, die durch einen Brand in der eigenen Fabriken entstanden sind. Dabei stehen sie vor der Herausforderung, dass sie auf die meisten Dokumente und Dateien einfach nicht zugreifen können
  • Der große Konferenzraum im Büro ist immer chaotisch und niemand kümmert sich um die Organisation der Meetings, der Agenden und der Inhalte. Es ist immer eine frustrierende Angelegenheit, die Meetings dort abzuhalten.

Da das Konzept in der Herangehensweise ergebnisoffen ist, konnten sich die Anbieter eines oder mehrere Szenarien aussuchen. Sie präsentierten ihre Herangehensweise vor den Teilnehmern und einer deklarierten Gruppe bestehen aus dem CIO, dem CEO und der Unternehmenskommunikation.

Die Herausgeforderten

Wer stellt sich nun diesem ungewohnten Konzept? Schließlich geht es hier nur um gutes Aussehen und perfekt abgestimmte Demos. Vielmehr im Vordergrund stand, wie sehr sich die Anbieter wirklich der Herausforderung genähert hatten und vor allem welche Geschichte sie erzählen.

Es ist interessant zu sehen, dass ein sehr heterogenes Feld an Anwendungen und Lösungen präsentiert haben. Das Gute ist, dass die Größe des Anbieters und seine Marketing-Macht vollkommen negiert wurden. Selbstverständlich konnten die Großen auf die Marke zählen, aber das hilft in der Problemlösungssituation herzlich wenig.

Mit IBM stand natürlich einer der Marktführer auf der Präsentationmatte. Dennoch sah sich selbst das große Unternehmen Auge in Auge mit weiteren Anbietern:

Man sieht schon hier, dass der Markt unglaublich viel Vielfalt bietet. Doch wie geht man mit dieser Vielfalt um? Wählt man wirklich einen Marktführer aus und versucht dann daran alles auszurichten? Genau in diesem Zusammenhang steht ein weiterer inhaltlicher Aspekt der SocialNow! Die Präsentationen der Anbieter wurden eingerahmt durch unterschiedliche Themen aus Implementierung, Akzeptanz, Vorgehensmodell bis hin zu den neuen Wegen und Weisen der Arbeit innerhalb er Anwendungen.

Das Publikum wie auch die Repräsentanten von Cablinc haben somit die Möglichkeit, nicht nur die Funktionen und die Anwendung als solches zu sehen, sondern den Blickwinkel und die Verbindungen zu den genannten Themen aufzubauen und diese eben auch zu berücksichtigen. Es entsteht ein ganzheitliches Bild für die mögliche digitale Zusammenarbeit.

Herausforderung akzeptiert

Der erste Aufschlag kommt dann von IBM. Mit dem Team wird die Gesamtheit der IBM Welt und des Ökosystems dargestellt. So finden sich in der dargestellten Präsentation die Themen Meeting, Mitarbeiterin und ihre Projekte wie auch die grundlegende Zusammenarbeit wieder. Dabei greift das IBM Team auf das volle Spektrum der Anwendungen zu. IBM Connections steht als Basis im Vordergrund. Zudem wird gezeigt wie die Applikation IBM Docs nahtlos mit der Plattform funktioniert. Die mobile Anwendung findet genauso ihren Einsatz wie auch die neue Version von IBM SameTime. Dabei springt das Team zwischen der Instanz Connections und der Email Alternative Verse relativ problemlos hin und her. Einen Marketing Stunt lässt sich IBM dabei nicht nehmen und zeigen die Beta-Einbindung ihres intelligenten Assistenten und kognitiven System Watson. Das sorgt ordentlich für Aha und Wirbel.

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Frische Früchte

Also zweiter Herausgeforderter stellt sich dann nach thematischen Ausflügen in das Wissensmanagement und ISO Standards MangoApps dem Unternehmen Cablinc. Dabei steht in der erzählten Geschichte der Mensch im Mittelpunkt und man zeigt eben einen Tag im Leben dieses Menschen und Mitarbeiters. Er hat an unterschiedlichen Stellen Berührungspunkte mit den genannten Herausforderungen. MangoApps zeigt hier wie gut integriert und auch aus der Anwendersicht einfach und zugänglich die tägliche Arbeit innerhalb einer solchen Plattform sein kann. Die Einbindung von Mobilität ist dabei selbstverständlich.

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Brücken bauend

Mit Brikit zeigt das Team, was sich auf dem bestehenden Ökosystem zu Confluence, Jiira und HipChat alles machen lässt. Auf der optischen Basis entsteht ein wundervolles Netzwerk, das die Inhalte und vorhandenen Werte der Wikis sehr gut weiternutzt bzw. die Möglichkeit bietet, Team-orientierte smarte Mobilapplikation sinnvoll in ein übergeordnetes, gemeinsames Netzwerk einzubinden.

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Digitale Zusammenarbeit machbar

Der Tag wird durch Sitrion und der Möglichkeit, SharePoint in eine nutzbare Kollaborationsumgebung umzugestalten, abgeschlossen. Das Team zeigt hier, was alles möglich ist, wenn die entsprechende Ebene der Zusammenarbeit als Oberfläche in den Vordergrund von SharePoint rückt. Gamification bzw. die Belohnung von Handlungen auf der Plattform wird hier besonders hervorgehoben.

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Platz des Wissens

Knowledge Plaza eröffnet den zweiten Tag und zeigt, wie gut sich Wissen, Tagging und Suche miteinander verbinden lassen. Die solide Anwendung ist einfach verständlich und zeigt auch hier den Grad der unterschiedlichen Herangehensweisen an die Herausforderungen der täglichen Arbeit nachvollziehbar auf. Besonders Interesse gilt hier dem Umgang mit dem geteilten Wissen.

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Mobil steht im Vordergrund

Spannend wird es mit TOPDOX. Das Team zeigt eindrucksvoll wie ein verbindendes Modul eben auch die digitale Zusammenarbeit fördert bzw. umsetzt. TOPDOX schafft Verbindungen und Durchsuchbarkeit zu bestehenden vor allem populären Anwendungen und integriert sie effektiv miteinander. Man legt hier besonderen Wert auf die Mobilität der Anwendung und hat das Ziel einer über alle Anwendungen verteilten Suche im Unternehmen. Das TOPDOX Team hat ein klares Statement: Entweder man akzeptiert, dass die Mitarbeiter mit Dropbox und Co. arbeiten man ignoriert es weiterhin und verliert den Anschluss.

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Es kann so schön sein

NooQ schließt als letzter der Herausgeforderten den Reigen der Präsentationen. Hier sorgen die Darstellung und eben die Optik für den großen Aha-Effekt bei allen Anwesenden. Das sich Newsstreams und Informationen auch sehr gut und vor allem zugänglich in Kreisen darstellen lassen, bricht mit dem klassischen Bild der Liste von Informationen und Nachrichten. Durch die eigene Wahl und den Algorithmen der Anwendungen werden die Informationskreise und das Wissen in der Größe und der individuellen Wahrnehmung angepasst. Es ist eben für den Anwender einfach, seine relevanten Themen einzukreisen. Mit der Aussage, dass das auch auf Connections funktioniert, ging ein kleiner Sympathieseufzer durch den Raum.

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Die Wertung und Bewertung

Nun stellt man sich diesen Präsentationen und wertet bzw. bewertet sie für sich und eben auch unter den vielen Aspekten der erweiternden Themen der SocialNow! Am Ende wird ganz klassisch nach dem demokratischen Prinzip eine Wahl gehalten. Es werden die Präsentation nach ihrem Art und Weise, nach der Passung für die Organisation sowie nach bemerkenswerten Funktionen und eben das coolste Werkzeug bewertet.

 MangoApps hat alle Anwesenden in den Kategorien Präsentation und Organisationspassung am besten gefallen. Dabei kam Nooq in beiden Cool-Kategorien auf Platz eins. Es sind am Ende des Tages also zwei Sieger auf dem Treppchen und eine Menge von Teilnehmern, die wie ich finde, einen sinnvollen Blick auf einen Ausschnitt des Marktes werfen können. Denn die Features und Funktionen konnten nicht über die Nützlichkeit und das Wozu hinwegblenden. So manches Team musste sich auch der einen oder anderen kritischen Auseinandersetzung stellen.

Näher an der Realität

Eines bleibt mir dennoch zu bemerken. Auch wenn dieses Format näher an dem eigentliche Business und den Herausforderungen von Unternehmen dran ist, so ist es dennoch immer noch eine bestimmte und sehr spezielle Realität von Spezialisten, Vor- und Querdenkern, die hier ihre Sichtweisen und Erfahrungen einbringen.

Es wäre wünschenswert, wenn man sich noch genauer dem täglichen und vor allem realen Business stellt. Cablinc produziert Kabel. Was sind die Herausforderungen von Gruppen wie Ingenieuren. Wozu sollten sie sich mit einer solchen digitalen Zusammenarbeit auseinandersetzen? Wie sieht denn die Welt der Routine-Arbeiter hinsichtlich der möglichen Zusammenarbeit aus? Sind es wirklich nur die Wissensarbeiter, die sich in einer solchen Plattform beteiligen und wie sieht es mit Leuten aus, die einfach gar keine Zeit für das Lernen, Neuausrichten und einfinden haben? Diese Nähe würde ich mir zusätzlich wünschen in diesem sehr guten Format.

Der Wunsch

Und eine Sache noch: Traut Euch Ihr Marktführer und Vordenker, stellt Euch den realen Bedingungen und versucht sie zu lösen. Dieses Format ist ein Gewinn für alle Seiten. Nutzt den Input und das Feedback um Euer Produkt nicht nur außerhalb der vier Wände zu testen und nicht nur im Nebel des Wohlwollens, sondern eben entwickelt und vorangebracht durch unterschiedliche Perspektiven, die Ihr gar nicht haben könnt. Traut Euch. Geht zur SocialNow. Ihr gewinnt immer.

Auch wenn dies ein langer Blogeintrag ist, möchte ich Sie gerne ermutigen auch die folgenden zu lesen, denn sie werden sich noch einmal in Detail mit den Anwendungen auseinandersetzen und ihnen ein Schlaglicht geben. 

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.