Das Sommerloch in der Inbox

Von Siegfried Lautenbacher 19.08.2014
Das Sommerloch in der Inbox

Viel Aufregung und Geschnatter auf Twitter und Facebook, in Blogs und Online News. Was ist geschehen? Daimler kündigt an, dass urlaubende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Funktion "Mail on Holiday" aktivieren können, die dazu führt, dass eingehende E-mails automatisch gelöscht werden und die Sender eine Nachricht bekommen, dass Ihre Nachricht nicht zugestellt wurde.  Das System wurde im letzten Jahr schon getestet und für diesen Sommer zur Verfügung gestellt. Abgesehen davon, was passiert, wenn der Sender in der Zwischenzeit auch im Urlaub ist und ebenfalls auf "Mail on Holiday", finde ich die öffentliche Diskussion dazu interessant. Da gibt es die Enterprise 2.0 Missionare, die sofort Enterprise Social Networks ins Spiel bringen und die Aktion als nicht zielführend abtun: es werde an Symptomen "gedoktort" und nicht die Ursache angegangen. Und da gibt es die Work-Life Balancierer, die den HR Vorstand Daimlers preisen, weil er den Beschäftigten eine stressfreie Rückkehr in den Job ermögliche. Eine Beurteilung oder Einschätzung der Aktion erlaube ich mir nicht. Interessieren würde mich, wie viele Mailboxinhaber bei Daimler diese Funktion in Anspruch nehmen (und ob es beim Vorstandsassistenten auch erlaubt wurde) und wie deren Erfahrungen damit sind. Hier hoffe ich auf substantielle Artikel und Informationen nach der Urlaubszeit. 

Ich habe mich zu diesem kurzen Blogbeitrag entschieden, als ich heute morgen einen Artikel von Michael Silverberg (@mbd_s) gelesen habe, der dazu schreibt: "The goal of those initiatives and Daimler’s new policy is the same: to reduce stress on German workers, who already work, on average, 400 hours less annually than Americans".  Haha. Das sitzt. Meine Erfahrung und Erkenntnis dazu: Gegen den Stress mit E-mail hilft nur eins: ein souveräner Umgang und die Befähigung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nicht technische Systeme bringen eine Lösung - sondern der Fokus auf unser Verhalten.

  • Das Wissen darüber, wann welches Medium das richtige ist und das richtige Angebot an Werkzeugen seitens der Unternehmen.
  • Newsletter regelmässig abbestellen
  • Der richtige Umgang mit "out-of-office" -Meldungen und Delegationsregeln.
  • Selbst entscheiden können, wann welche Mails bearbeitet werden und welche Mails nicht gelesen werden. Methoden dazu lernen.
  • Sein Smartphone einfach ausschalten. (Es ist wie mit dem Rauchen... man muss es einfach sein lassen.)

Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass unsere Unternehmen lieber technische Regelungen überstülpen und zu wenig in die Kraft des Vertrauens investieren. Ist vielleicht ein Übergangsphänomen. Schließlich ist die E-mail ja noch gar nicht so alt! PS: Ich hab ab nächste Woche Urlaub. Drei Wochen. Schreiben Sie mir doch ne Mail!

Über den Autor

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance