Das verändert die Kultur

Von Siegfried Lautenbacher 12.09.2012
Das verändert die Kultur

Ein Interview in der SZ, Wirtschaft in Bayern mit Siegfried Lautenbacher über Social Business Collaboration vom 11.09.2012

SZ: Warum verschicken ihre Mitarbeiter keine E-Mails mehr?
Siegfried Lautenbacher: Wir haben eine neue Plattform eingeführt, die den elektronischen Informationsaustausch und die Zusammenarbeit fördert. Seitdem ist die Notwendigkeit, interne E-Mails zu versenden stark zurückgegangen. Weil es jetzt schneller geht, weil es gemeinsam läuft und weil man viel mehr Möglichkeiten hat, sich mit seinen Kollegen auszutauschen als mit der klassischen E-Mail.

SZ: Eine Art Facebook für die Firma?
SL: Vergleiche mit Facebook sind in Deutschland immer schwierig. Die Plattform nimmt viele Elemente von Facebook auf, die für die Arbeit wichtig sind. Die größte Gemeinsamkeit ist, dass jeder Mitarbeiter ein eigenes Profil hat, wo er seine gesamten Kontaktdaten, seine Interessen, beruflichen Schwerpunkte und Fähigkeiten öffentlich macht und wo man sehen kann, zu welchen Themen und Projekten der Mitarbeiter in der Firma beiträgt. So können die Kollegen an anderen Standorten schnell sehen: Kollegin A ist im Projekt für den Kunden B und ist besonders spezialisiert auf Thema C. Und vielleicht sollte man mit ihr sprechen, wenn man bei einem anderen Kunden ein ähnliches Problem hat. Die Suche nach Experten für bestimmte Themen wird einfacher.

SZ: Wo sind die Unterschiede?
SL: Die Plattform bietet deutlich mehr Möglichkeiten als Facebook. Zum Beispiel eine Blogfunktion. Jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, Themen, die ihm wichtig sind, mit der Gemeinschaft zu teilen. Es gibt Foren, in denen wir diskutieren können. Wir können – so ähnlich wie bei Wikipedia – gemeinschaftlich Wissen erarbeiten. Es gibt die Möglichkeit, Dokumente so abzuspeichern, dass man sie gemeinsam bearbeiten kann. Nicht mehr wie in der E-Mail, wo 25 verschiedene Versionen im Umlauf sind und niemand weiß, welche die neueste ist.

SZ: Muss man so etwas heutzutage als mittelständisches Unternehmen haben?
SL: Es gibt sicher mittelständische Unternehmen, für die so eine Social-Business-Plattform noch nicht oder gar nicht notwendig ist. Zum Beispiel wenn man alle Mitarbeiter an einem Standort hat, oder wenn man schon klare Regeln zur Kommunikation hat, die man nicht verändern möchte. So eine Plattform lebt nur dann, wenn sie auch von der Mehrzahl der Mitarbeiter genutzt wird. Wenn es keinen Bedarf gibt, oder die Mitarbeiter den Bedarf nicht spüren, dann würde ich das auch nicht einführen.

SZ: Wie haben ihre Mitarbeiter die Plattform angenommen?
SL: Ich sage mal als Analogie: Es gibt auf der einen Seite die Scouts und Trapper und auf der anderen Seite die Siedler. Die Scouts und Trapper sind die, die ohnehin schon längst mit Wikis gearbeitet haben, die für ihre Projekte bereits ähnliche Programme eingesetzt haben und die deswegen begeistert waren. Und es gibt die Siedler, die sagen: Das ist doch nichts für mich, was bringt mir das, wenn ich das mache? Die überzeugt man am besten, wenn man die Scouts an den Treck voranstellt und den richtigen Platz zum Siedeln findet.

SZ: Und den haben sie gefunden?
SL: Jeder Mitarbeiter kann mit der Plattform so umgehen, wie er möchte. Es gibt nicht mehr die einzig richtige Benutzung. Niemandem wird vorgeschrieben, wie man so etwas nutzen muss. Man sollte aber ein paar Regeln aufstellen, was nicht gemacht werden darf. Zum Beispiel in keinem Fall negative Beiträge auf Profilen posten, und die Themen auf das Geschäftliche beschränken.

SZ: Was bedeutet das für die Firma?
SL: Die Mitarbeiter haben mehr Freiheit. Information und Kommunikation werden nicht mehr hierarchisch verantwortet, sondern vom Einzelnen. Und können dann auch nicht mehr so gesteuert werden. Das verändert die Kultur im Unternehmen.

SZ: Wird sich das Konzept durchsetzen?
SL: Ich glaube das ist ein Trend, der mehr ist als eine Mode. Ich glaube, die Plattformen zur Social-Business-Kollaboration sind eine sehr starke Weiterentwicklung dessen, was wir im letzten Jahrhundert schon unter dem Namen Groupware gelernt haben. Es gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, den Informationsfluss und Wissensaustausch auf ganz andere Beine zu stellen. Ich bin überzeugt, dass sich das in den nächsten Jahren durchsetzen wird.

Über den Autor

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance