Nicht ohne meinen Chef (Teil 3)

Von Sebastian Thielke 08.06.2015
Nicht ohne meinen Chef (Teil 3)

English Version

Dass sich etwas ändert, spüren wir alle. Die Mitarbeiter, die sich im Unternehmen vernetzen und das Miteinander als freien und vor allem effizienten Teil der täglichen Arbeit wahrnehmen. Die Organisation, weil sie agiler, innovativer und vor allem flexibler wird in ihren Prozessen und Projekten. Und nicht zuletzt ist es die Unternehmensführung, die sich den neuen Herausforderungen stellen muss. Heißt dies nun, dass radikal alle Manager keine Manager mehr sind, dass die Unternehmensführung ihre Führung abgibt und ALLEN überlässt? Nein, es bedeutet vor allem sich mit den neuen Möglichkeiten  von den überholten Prinzipien zu befreien. Wie sich Führung durch Netzwerke in Schritten ändert

Die Herausforderungen der Führung, Management und auch die Organisation selbst gegenüberstehen, sind eigentlich die der althergebrachten Denkweisen und Prinzipien. In einem vernetzten Unternehmen gilt nicht mehr die Sicherung von Wissen als Machtbasis, sondern das Befähigen dieses Wissens als Wertbestandteil des Unternehmens. Es muss sowohl außerhalb wie innerhalb des Unternehmens zum Fließen gebracht werden.

Schritt 1 Management und Führung müssen als ersten Schritt in diesem Umdenken begreifen, dass Wissen nicht in Silos, Dateien oder Wikis dokumentiert werden kann. Das Wissen besteht in den Erfahrungen, der Kommunikation und dem Austausch der Wissensträger - den Mitarbeitern. Also müssen Manager und Führungskräfte eben ihre Mitarbeiter befähigen, dieses Wissen zu teilen, es preiszugeben und vor allem ihnen aufzeigen, dass dieses Preisgeben gewollt und gewünscht ist.

Schritt 2 Der zweite radikale Schritt ist, dass Management ebenfalls fließen muss und flüssig sein wird. Wenn Mitarbeiter befähigt sind, sich auszutauschen, gemeinsam zu arbeiten und vor allem selbstbestimmt zu handeln, dann wird die Rolle von Management in dieser Umgebung zu einer Flüssigkeit, die sich nach den Schwerpunkt ausrichtet, nach dem Aufgaben-, Projekt- oder auch Herausforderungsschwerpunkt der entsprechenden Community. Das Management und das gemeinsame Arbeiten organisiert sich entlang der Communities und werden sich immer wieder neu zusammenstellen bzw. organisieren. Heißt dies nun, dass Manager überflüssig werden? Nein, aber sie werden wieder Teil der Wertschöpfung und sind nicht mehr die Sonder- und Kontrollinstanz, die sie in den vergangenen Jahren waren.

Schritt 3 Der dritte Schritt ist nicht besonders radikal aber er bewegt die Unternehmensführung zu ihren Ursprüngen zurück - Unternehmensentwicklung, Vordenken und Innovieren. Die Unternehmensführung wird durch den vernetzten Mitarbeiter und das flüssige Management befähigt, das Unternehmen weiterzuentwickeln und das Geschäftsmodell immer wieder herauszufordern oder sogar in Frage zu stellen. Revolution Zappos Natürlich kann das vernetzte Unternehmen auch wesentlich radikaler und weiter gedacht werden. Hierfür bietet das wieder aktuelle Beispiel von Zappos eine gute Grundlage, um aufzuzeigen, dass der Wandel auch immer eine Revolution gleichkommt. Veränderungen müssen Bestandteil des Unternehmens sein und vor allem muss die Unternehmensführung zu Hundert Prozent dahinter stehen und den Wandel auch bewegen. Change Management hat in diesem Zusammenhang keine Erfolg, wenn es bei der Verankerung der Veränderungen versagt. Auf Wiedersehen, Boss! bei Zappos Keine Stellenbezeichnungen, keine Manager und keine Hierarchie mehr. Nicht allzu viele Unternehmen werden Zappos dabei folgen, eine Netzwerkorganisation radikal zu Ende zu führen. Das müssen sie auch nicht. Was man aber von Zappos lernen kann ist, dass die Übertragung von Kompetenzen auf die Mitarbeiter Folgen für den "Bauplan" der Organisation haben muss. Oder es wird nicht funktionieren. Bei Zappos führt die Transformation zu einem völlig neuen Modell von Mitarbeiterführung. Genauer eigentlich zu einer "Selbstführung" im Rahmen der jeweiligen Communities des Netzwerks. Dass dies funktionieren kann, das haben bereits ähnlich organisierte Firmen vorher zeigen können. Gleichwohl ist eine solche Organisation nicht führungslos oder ohne Hierarchie. Sie ist nur sehr anders aufgebaut. Dynamisch, flexibel und vor allem nicht fest gebunden an Funktionen, Personen und Organisationsformen.

Das fragile System des Wandels Was aktuell immer wieder zum Thema Zappos die Runde macht, ist die Tatsache, dass knapp 250 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen haben, weil sie das System der Holokratie für sich nicht als richtig empfunden haben. Wenn man so will befindet sich Zappos tatsächlich am schwierigsten Punkt des Wandels: Die Veränderung durchhalten und verankern. Kritik und Untergangsstimmung hin oder her, Zappos geht mit seinem Ansatz einen neue, radikalen und revolutionären Weg in der Unternehmensführung und in der Organisation und solch ein Weg, der das Normale durchbricht, wird immer Menschen und Gewohntes zurücklassen. Das Management und die Führung die Zappos durch die Vernetzung und durch sein neues Organisationsprinzip anstrebt, ist neu und muss sich durch Fehler und Versuche bewähren. Niemand sagt, dass es perfekt ist. Es muss sich entwickeln. So ist es auch mit der Führung und der Organisation in einem vernetzten Unternehmen - es muss sich entwickeln. Wir können nicht die Blaupause von Zappos nehmen und jedem Unternehmen überstülpen. Es ist vielmehr der Ansatz und das Wagen, was zum Vorbild gereichen muss. Alles weitere muss jedes Unternehmen für sich und aus sich entwickeln sowie ausprobieren.

Loslassen und Managen Was kann nun das Management und die Unternehmensführung im Wandel des vernetzten Unternehmens tun?

  • Die Chance im vernetzten Unternehmen sehen und nicht über den eigenen Nutzen nachdenken
  • Menschen und Mitarbeiter anhand von Wissen, Offenheit und Partizipation führen
  • Wissen als ständig wachsenden und flüssigen Wert des Unternehmens ansehen und diesen befähigen
  • Führung als Anleiten und Vorleben leben
  • Das eigene Geschäftsmodell und alle Prozesse, Methoden und Bereiche immer wieder herausfordern und neudenken

Schließlich ist der Wandel des Unternehmens zu einer vernetzten Organisation nur ein weiterer Schritt im beständigen Umgestalten des Unternehmens selbst. Gibt es keine Wandel mehr, steht das Unternehmen still und handelt nicht mehr im betriebswirtschaftlichen Sinne. Hier gibt es Tipps zur Führungspraxis. Hier geht es zum vorherigen Artikel, hier geht es zum Artikel danach.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.