Digital Business: Daten sind das neues Saatgut der Agrarwirtschaft

Von Sebastian Thielke 25.01.2017
Digital Business: Daten sind das neues Saatgut der Agrarwirtschaft

Wodurch konnten die Riesen der Agrarwirtschaft in den letzten Jahren die eigene Markstellung ausbauen und weiterentwickeln – durch Wissen. Dieses Wissen sind strukturierte Informationen, die die die Agrarunternehmen in vielen Jahren Erfahrungen und mit ihren Experten gesammelt und erstellt haben.

Informationen, Wissen, Digitalisierung

Eines der Ziele einer umfangreichen Digitalisierung der Produkt- und Servicelandschaft für Agrarunternehmen sollte es sein, die brachen Informationen, die sie besitzen, zu sammeln, sie zu strukturieren und aus den Mustern Erkenntnisse für den Kunden und die eigenen Produkte zu gewinnen oder sogar neue Produkte daraus zu entwickeln. Daten sind das neue Saatgut der Agrarwirtschaft.

Heute schon den Boden von Morgen kennen

Das Wissen, welches in diesen Unternehmen schlummert, kann für die Partner und Kunden eine Win-Win-Situation herstellen. Das Know-How über Böden, Saatgut, Bedingungen und andere Parameter hilft dem Kunden, bessere Ergebnisse zu erzielen. Bessere Ergebnisse und vor allem der Produktservice sowie die Konversation und Kommunikation verbinden diese Verbesserung mit den Agrarunternehmen und lässt eine Win Situation für Bestandsloyalität wachsen.

Kundespezifisches Saatgut für kundenspezifische Lokation

Sie kennen Ihren Kunden bevor er Kunde wird. Das ist die ideale Welt des Verkaufens. Strukturierung, Muster und Kommunikation können mit diesen Daten und Informationen genau auf diesen Weg führen. Daten über Lokation, Bodenbeschaffenheit, Servicedichte, Klima und vieles mehr lassen sich über anonyme Datenquellen erschließen. Sobald sich die potentiellen Kunden dem Unternehmen zuwenden, können sofort die strukturierten Daten für den Kunden aufgerufen werden. Verbunden mit dem Service- und Saatgutkatalog kann sogar eine Empfehlung ausgesprochen werden.

  • Bodenbeschaffenheit
  • Region
  • Wetter
  • Wirtschaft
  • Servicedichte

Mit diesem Grundsatz an Daten kann also sehr schnell auf die individuellen und lokalen Bedürfnisse eingegangen werden. Stellen Sie sich mal die Überraschung eines Kontaktes vor, wenn man ihm zu seinem Gebiet schon passende Services, Saatgut und Wissen anbieten kann.

Agrarplattform für Europa

Wieso nicht. Agrarunternehmen können die Agrarplattformen für Europa werden. Stellen Sie sich vor, ein Bauer in Portugal will seine Felder bestellen. Er ist Teil Ihres Netzwerkes, egal wie, schaut sich nach geeignetem Saatgut um, fragt seine Mitbauern nach Erfahrungen, Empfehlungen und Entwicklungen. Die Konversation hierzu entspinnt eine Kooperation im lokalen Umfeld. Und die Agrarunternehmen liefern die notwendigen Geo-Daten, kennen die Böden und können individualisiertes Saatgut vermitteln. Und es ist egal ob es das eigene Produkt ist, oder das eines Mitbewerbers. Die Daten, die Konversation, die Erkenntnisse sind das eigentliche Gut, der eigentliche Ertrag, denn sie reichern den Wissenspool an. Produkte und Services können so direkt am Kunden entwickelt werden. Produkte, die für den Kunden passen, werden über die Plattform angeboten.

Die Vernetzung, die Kunden und somit die Erfahrungen sind Bestandteil eines sich engagierenden Ökosystems. Stellen Sie sich vor, dass eine hoch individualisierte Saatgut- und Bodenpraxis direkt am Kunden möglich ist. Kein hoher Marktanalyseaufwand aber dennoch hochindividualisierte und erfolgreiche Saatgüter und Services. Die Partner und Vertreter vor Ort sind Informationsquellen. Die Beteiligung der Kunden und Partner im Netzwerk generiert Wissen. Die Quellen müssen hierfür sinnvoll und vor allem geschäftsorientiert eingesetzt werden.

Mögliche Daten und Informationen:

  • Geo-Location
  • Kaufverhalten
  • Bedürfnisse
  • Bodenbeschaffenheit
  • Wetterlagen
  • Wirtschaftliche Lage der Regionen

Grundlagen schaffen, verbinden und vor allem anwenden

Die hier aufgeführten Chancen sind natürlich nicht ohne Aufwand zu generieren. Es bedarf einer umfangreichen und vor allem sehr klar ausgerichteten digitalen Strategie, Umsetzung und auch Befähigung. Erst das Zusammenspiel macht aus diesen Szenarien ein wirkliches und funktionierendes Digital Business, also ein Ansatz eines digitalen Geschäftsmodells.

Dafür müssen aber auch Grundlagen geschaffen werden. Es reicht nicht die Technologie einzusetzen. Vor allem geht es darum, die Technologie mit Methode und Wozu einzusetzen. Was nützt der digitalisierte Arbeitsschritt oder die durchdachte Datenerhebung, wenn am Ende kein Nutzen steht. Ganz frei nach der Äußerung: Ein schlechter Prozess, der digitalisiert wird, ist immer noch ein schlechter Prozess. Daher braucht die Digitalisierung von Geschäftsmodellen auch immer das Lernen der Menschen der Organisation sowie das Verständnis für die Chancen der Digitalisierung.  

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.