Die Digitale Verwerfung - Die menschliche Ressource und die digitale

Von Sebastian Thielke 06.05.2015
Die Digitale Verwerfung - Die menschliche Ressource und die digitale

English Version

Ein Graben ist entweder die Verwerfung, die sich aufgrund von Plattentektonik erschafft, durch Erosion in der Eiszeit entstanden ist oder durch den Menschen künstlich ausgehoben wurde. Er ist in seiner Beschaffenheit aber immer der Grad einer Verwerfung zwischen zwei Zusammenhängen - die eine und die andere Seite des Grabens. Was also einmal eins war, wird durch den Graben getrennt. Im digitalen Wandel, im Umgang mit neuen Technologien und auch im Neugestalten der Arbeitswelt schaffen wir solche Gräben mehr und mehr. Doch wir als Treiber und Gestalter des Wandels haben die Schaufeln, die Erden und das Füllmaterial, diese Gräben wieder zuzuschütten und das Getrennte wieder auf eine Ebene zu bringen. Das heißt konkret: Wir müssen zeigen, dass die Technik und Technologie nicht ohne die Kultur, das Verhalten und den Menschen kann wie auch umgekehrt. Es gilt diesen Graben auch im Kopf aufzuschütten. 

Grabenkämpfe

Es ist immer wieder verwunderlich wie schnell Technologie Fuß fassen kann und wie wenig darauf geachtet wird, dass der Mensch, der sie nutzen soll auch mit ihr umgehen kann. Gerade in dieser großen Zeit des Aufbruchs, ruft es immer wieder: "Der digitale Wandel ist unaufhaltsam" und "Wer sich nicht die digitale Wertschöpfung erkennt, der bleibt zurück und verliert." Dabei fällt aber schnell auf, dass man an vielen Stellen schon verloren hat - den Menschen und seine Fähigkeit mit dem "neuen" digitalen umzugehen, es zu kennen, anzuwenden und für sich einsetzbar zu machen. Natürlich ist die Technologie immer im Fortschritt zu den Umsetzungen und natürlich ist es immer leichter die Technik hinzustellen und zu sagen: Die macht das schon. Doch was dabei verfehlt ist, dass der Mensch in der Lage sein muss, sich mit der Technologie zu entwickeln, das er lernen muss, wie sie funktioniert, warum und wie sie vor allem für ihn funktioniert. Wenn dieser Erkenntnis nicht greift, dann können wir unsere Unternehmen noch sehr Digital transformieren, aber mehr als eine Automatisierung wird von der Transformation nicht übrig bleiben. Wie sollen denn die Mitarbeiter im Kundenkontakt erkennen, dass das Verknüpfen von Daten und ihren Erkenntnissen zur Erweiterung und eben zu den Ergebnissen von Big Data Analysen kommen, wenn sie selber das Bewusstsein für diese Verknüpfung nicht haben? Wie sollen Mitarbeiter erkennen, dass die Vernetzung im Unternehmen und ihr Wissen eine umfassende Wertschöpfung ist, wenn sie nicht wissen, was wie und warum bei Teilen von Wissen funktioniert?

Digitale Nichtbildung und falsche digitale Nativität Wir schaffen unsere Gräben auf unterschiedlichen Ebenen. Wir schaffen sie in unseren Unternehmen durch Silos und wir schaffen sie durch klassische Klassifizierungsverfahren. Ein aktuelles Beispiel ist die immer wieder aufkommende Debatte zu Generation Y und Z - den Jugendlichen unserer Zeit und der kommenden Jahre. Es scheint eine Grundannahme zu sein, dass wer in einer digital-geprägten Gesellschaft und Arbeitswelt aufwächst automatisch ein sogenannter Digital Native ist - der Digitale Ureinwohner. Mittlerweile zeigen Studien, Interviews und Erfahrungen, dass es aber gar nicht so klar ist. Nur weil die Jugend heute mit Smartphone, sozialen Netzwerken und anderen Digitalen Elementen aufwachsen bedeutet dies nicht, dass sie sie auch beherrschen. Wobei das Beherrschen hier im Zusammenhang mit Kennen, Umgang und Abstraktion bzw. Projektion gleichzusetzen ist. Fragestellen wie: “Are today’s youth digital natives?” zeigen, dass Wahrnehmung und Mutmaßung nicht übereinstimmen. Zwar wachsen die Jugendlichen mit dem Digitalen auf, aber beherrschen es nicht wie man es vermutet. Es mangelt an der digitalen Bildung. Im Gegenzug dazu fällt auf, dass Generation in Unternehmen und Organisationen mit mehr Erfahrungen und Arbeitszeit, einen höheren Abstraktions- und Projektionsgrad hinsichtlich Einsatz und Möglichkeiten von Digital haben. Man hat fast den Eindruck, dass die Erkenntnis bezüglich Vorteile und Gewinn im Einsatz wesentlich besser verstanden werden. als dies durch die Digital Natives passiert. Erfahrung und Fähigkeiten machen es demnach wahrscheinlicher, dass Adaption und Integration stattfinden.

Ressource - Mensch vs. Digital Wir müssen also mehrere Gräben schließen:

  • Bildung und Anwendung
  • Befähigung und Möglichkeit
  • Kultur und Technologie

Gerade im Zusammenhang mit der rasanten Entwicklung dürfen eben die Bildung, das Lernen und das Befähigen des Menschen nicht hinter dem Digitalen hinterherhängen. Vielmehr müssen wir als Beteiligte und Beschleuniger die Zusammenhänge schaffen. Nicht Digital einführen und dann die Menschen dazu befähigen, sondern Menschen und Digital zusammenführen, sowie die Verbindungen deutlich machen. Wir müssen aufhören, die Veränderungen auseinander zugraben. Das heißt, dass wir Menschen anhand der Technologie zeigen, wie es geht, was es bringt und wie man es beherrscht. Digital Transformieren heißt also auch die Menschen ausbilden, befähigen und voranzubringen und das ohne, die üblichen Gräben.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.