Die digitale Zukunft gehört den Netzwerken (Teil 1)

Von Alexander Klier 06.07.2015
Die digitale Zukunft gehört den Netzwerken (Teil 1)

English Version

Wie? Wo? Was? Die derzeitige Situation bezüglich der Einführung einer Social Collaboration ist ausgesprochen widersprüchlich. Immer deutlicher jedoch wird, dass strikt hierarchische Organisationsformen Zug um Zug aufgelöst werden. Beginnen kann man damit an vielen Stellen, wenn der Rückbezug zu den Arbeitsprozessen gewährleistet ist.
Bild: Ralf Appelt - Collaboration Arena auf Flickr (hier). Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons (BY-SA).

 

Die hierarchische Arbeitsweise, in der alles von oben nach unten durchgebetet wird, ist endgültig passé. Zumindest dann, wenn man die neuesten empirischen Erkenntnisse über vernetztes Arbeiten kennt und als ernstes Unternehmensziel betrachtet. Das beteuern aktuell auch viele Unternehmen. Und schlagen dennoch nur in Tippelschritten ihren Weg Richtung kollaborative Zusammenarbeit ein. Ein guter Anlass für uns, genauer zu analysieren, aus welchen "Unternehmensecken" die wahren Impulse für das Netzwerken mit Produktivitätsgewinn kommen. Wir machen das in acht Beiträgen und begleiten damit den Expertenblog in der Computerwoche. Begonnen hat Sebastian Thielke mit dem Beitrag zum Thema Führung, Management und Organisation hier. Dieser Blogbeitrag beschäftigt sich mit der wahren Herausforderung, die für Unternehmen hinter dem Netzwerken steckt.

 

Die wahre Herausforderung

Viele Firmen haben sich bereits in Richtung "Enterprise 2.0“ aufgemacht. Enterprise 2.0 - das ist einer der Begriffe, der in den Marketingbroschüren ganz vorne, bei der Umsetzung aber ganz hinten stehen. Viele Unternehmen lernen mittlerweile dennoch – by doing – zu verstehen, dass es bei der digitalen Transformation nicht um eine technische Lösung, sondern vor allem um den veränderten Umgang mit Verhaltensweisen und Haltungen, welche die digitalen Tools mit sich bringen, geht. Das ist jedenfalls die wesentliche Erkenntnis unserer eigenen Erfahrungen mit vernetzten Arbeitsumgebungen. Am Beispiel von Entscheidungsprozessen lässt sich zeigen, dass Netzwerkstrukturen in Unternehmen deshalb so gut funktionieren, weil beispielsweise die Komplexität von Entscheidungen in Unternehmen für Einzelne gar nicht mehr zu handhaben ist. Wird dagegen eine Entscheidung von Anfang an auf mehrere Schultern verteilt, dann kommen die Vorteile einer Vernetzung voll zum Tragen. Auch insgesamt werden Unternehmen nur noch gemeinsam und vernetzt zu einem besseren Wissensmanagement und zu produktiveren Arbeitsweisen gelangen. Folgt man Tom Malone vom MIT, dann entstehen auch die wichtigsten Innovationen nicht durch neue Technologien, sondern durch eine vernetzte bzw. andere Art der (kollaborativen) Zusammenarbeit. Eine zentrale Rolle spielden dabei Communities.

 

Communities und Arbeitsprozesse

Während es beim Wissensmanagement mehr darum ging, Transparenz über das Wissen der schlauen Köpfe im Unternehmen zu bekommen, hat die Diskussion um das Mit-Teilen von Wissen eine ganz andere Tragweite. Das beginnt bereits damit, wie das Wissen entsteht, ob also über einen kollaborativen Prozess die Kreativität der Beschäftigten aktiv genutzt werden kann. Wenn dann die Beschäftigten ihr Wissen in Communities bereitwillig weitergeben, dabei kommunizieren und sich austauschen, führt auch das in den meisten Fällen zu besseren und vor allem auch schnelleren Ergebnissen. Ein unschätzbarer Vorteil für Unternehmen. Und einer der Gründe, warum das Teilen von Wissen über Communities mittlerweile sogar zu einer strategisch entscheidenden Fragestellung geworden ist. Um das zu erreichen, sollte man wissen, wie man es am besten anstellt, Prozesse und Abläufe rund um das Wissen der Mitarbeiter zu organisieren. Digitale Plattformen, wie etwa Social Enterprise Networks mit ihren Communities, aber auch einzelne Tools wie Wikis oder Blogs, auch auf mobilen Apps, unterstützen diese Veränderung der Prozesse aber nur. Es bleiben digitale Werkzeuge, die real erst einmal gebraucht werden müssen. Aus unseren Projekten wissen wir ebenfalls, dass die Arbeit über Communities, in denen das eigene Wissen mit den Kollegen geteilt wird, andere Fähigkeiten als das Abarbeiten zugewiesener Aufgaben verlangt. Das Teilen noch unfertiger Gedanken erfordert einen selbstreflektierten Umgang mit Unsicherheit und die Einführung von Communities auf breiter Ebene im Unternehmen den treffsicheren Umgang mit Unplanbarkeit. Was vielen bei der konsequenten Umsetzung kollaborativer Zusammenarbeit (noch) nicht klar ist: Veränderung in einer Unternehmensecke, um im Bild zu bleiben, werden organisatorische Folgen für alle anderen Unternehmensecken haben, weil beispielsweise das kollaborative Arbeiten in Communities eine grundsätzlich neue Art von Führung bedingt, um wirklich fruchtbar zu werden.

 

Macht doch mal!

Zwar wissen die meisten Unternehmen heute, dass sie eine Netzwerkorganisation und Communities brauchen, um Höchstleistungen erbringen zu können. Sie wissen auch, dass die Kommunikation nur innerhalb von Gruppen richtig gut wird und Wissen am besten dann entstehen und fließen kann, wenn Menschen in einer Community zusammenarbeiten. Dennoch fehlt ihnen häufig noch das richtige Gespür für das, was "Social" tatsächlich bedeutet. Wir wollen mit unseren Blogbeiträgen unseren Ansatz vertiefen, dass man durchaus erst einmal in einem spezifischen Bereich mit einer fruchtbaren Kollaboration beginnen kann. Wenn man dabei nicht aus den Augen verliert - und ohne es exakt planen zu können - dass die neue Arbeitsorganisation auf alle Unternehmensecken Einfluss hat bzw. haben wird. Informationen zum "Machen" im Sinne von Beginnen haben wir bereits für die Social Business Arena im Rahmen der CeBit 2015 hier gegeben. Folgende Blogbeiträge gehören zu dieser Reihe:

  1. Warum Mitarbeit im Netzwerk zentral ist
  2. Das vernetzte Unternehmen – Führung, Management und Organisation
  3. Folgt in Kürze

Über den Autor

Alexander Klier Social Learning Consultant
Social Collaboration und Social Learning gehören zusammen. Gemeinsam denkt man weiter.

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