"E-Mails? Nein Danke!"

Von Siegfried Lautenbacher 25.07.2012

Auf Spiegel Online tobt der digitale Kulturkampf. Der SPON Redakteur Ole Reißmann kann einem schon ein wenig leid tun. Seit Erscheinen seines kurzen Artikels „E-Mails? Nein danke!“ auf Spiegel Online wird er von teils beleidigenden Kommentatoren in der Luft zerrissen. Allein direkt auf SPON provozierte er seit dem Veröffentlichungsdatum am 22.07. innerhalb von 48 Stunden über 250 zum Teil ausführlichste Kommentare. Was hat er verbrochen? Nichts! Er hat einen harmlosen Artikel geschrieben, dass es mit der E-Mail als Killerapplikation des Internetzeitalters vorbei sei.  Er hat geschildert, wie es ihn nervt, dass all seine Organisationsversuche, die Inbox in den Griff zu bekommen, scheitern. Teils aus eigenem Unvermögen, teils weil das Medium für alles genutzt wird außer dem, wofür es gedacht ist: der asynchronen Kommunikation zwischen Sender und Empfänger. Warum dann diese wütenden Proteste? Er hat  - Gott steh uns bei! - das WORT benutzt. „Facebook“ – und dann auch noch „“Twitter sowie „Cloud“. Das gesammelte Böse wird bei Reißmann zum Exempel einer neuen Kommunikations- und Kollaborationskultur, die je nach Zweck der Kommunikation unterschiedliche Medien nutzt und somit die Schwerfälligkeit der alten E-Mail-Welt ablösen kann. Was lernen wir daraus? So plakativ und eingängig der Slogan „Facebook für Firmen“ daherkommt: vermeiden sie ihn, wenn sie über Inhalte reden wollen. Er ruft zumindest in Deutschland anscheinend Ressentiments hervor, die es so gut wie unmöglich machen, über sinnvolle Alternativen oder Ergänzungen zur E-Mail zu sprechen. Ich jedenfalls werde nie wieder über Facebook reden, wenn ich Social Business Collaboration vorstellen möchte. Gut. Der junge Kollege von SPON hat es sich vielleicht auch ein wenig zu leicht gemacht. Etwas mehr seiner Sachkenntnis hätte durchaus verdient gehabt, den Weg in den Artikel zu finden. Seinen Ansatz, das isolierte Arbeiten in der Inbox in Frage zu stellen, kann ich nur unterstützen. Für mich ist - ganz frei nach Kant – Social Business Collaboration der Ausgang des Büromenschen aus der selbstverschuldeten Isolation seiner E-Mail Inbox, seiner unflexiblen Applikationen und seiner nicht auf Kollaboration ausgerichteten Sender-Empfänger Mentalität. Wie immer wird das „Alte“ – also die Mailbox – nicht einfach verschwinden. Sie bleibt ein wichtiger Hub im Arbeitsalltag.

Über den Autor

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance