Ein Blick in die rosa Zukunft - IBM Connections Pink

Von Michael Domke 29.05.2017
Ein Blick in die rosa Zukunft - IBM Connections Pink

Alles anders, alles neu, alles besser versprach Jason Roy Gary, Director of Software Development for IBM Connections, bei der Ankündigung von Connections Pink vor einigen Monaten. Der alte Tech-Stack aus proprietärer IBM-Technologie (WebSphere, IBM HTTP Server, Cognos etc.) soll einem moderneren weichen: Node.js, Docker, Kubernetes, MongoDB etc. Ein erster Developer-Workshop in Dublin war unmittelbar nach der Ankündigung ausgebucht. Einige Wochen später hatten nun auch deutsche IBM Business-Partner in Böblingen Gelegenheit, sich Pink "hands-on" anzusehen und ihre brennendsten Fragen an IBM zu stellen.

Besonders interessant dürfte für die meisten der etwa 30 Teilnehmer die Session mit Andre Hagemaier gewesen sein. Nachdem in zwei Tagen Workshop Grundlagen im technischen Verständnis gelegt und die drängendsten Diskussionspunkte zumindest adressiert worden waren, stand der Chefentwickler von Connections Pink eine knappe Stunde lang für Fragen zur Verfügung. Mit Pink wächst die Infrastruktur je nach Größe um einen oder mehrere Server. Erklärtes Ziel sei es diesen Overhead schnell wieder loszuwerden - je nach Deployment soll eine Reduktion der Infrastruktur schon dieses Jahr möglich sein. Nicht nur die aktuelle Infrastruktur, auch manche aktuelle Prozesse werden bald der Vergangenheit angehören: Connections Pink soll nach dem Prinzip "Zero Downtime" funktionieren. Keine Datenmigrationen, keine iFix-Installationen. Stattdessen temporäre Migrationscontainer und automatische Updates für Applikationscontainer, die in Sekunden wieder hochgefahren sind. Damit verbunden ist auch eine Abkehr vom bisherigen Release-Modell mit großen Versionen, iFixes und expliziten Upgrade-Projekten. Features sollen dann ausgeliefert werden, wenn sie fertig sind, statt dass zwingend Deadlines für große zentral verwaltete Codestreams eingehalten werden müssen.

"Cloud oder on-prem" ist keine binäre Entscheidung mehr

Diese Entwicklung soll parallel bei Cloud und On-Premises verlaufen: spätestens wenn die erste Iteration der Pinkifizierung von Connections abgeschlossen ist, soll auch die Codebasis die gleiche sein - eine Migration in die eine oder andere Richtung dürfte dann deutlich weniger Kopfschmerzen bereiten als dies heute der Fall ist. Der Hauptunterschied zwischen den Umgebungen wird dann die Datenhaltung sein und diese soll granularer werden: Kunden können ihre Profiles-Daten im eigenen Datacenter behalten und den Rest z.B. bei IBM in der Cloud lagern. Für kognitive Features soll es ein abgestuftes Modell geben: Basisfunktionalitäten stehen allen zur Verfügung, erweiterte Funktionalitäten nutzen IBM Watson und setzen damit voraus, dass der Kunde grundsätzlich damit einverstanden ist, dass seine Daten (oder Teile davon) mit der IBM-Cloud interagieren.

Ein weiteres Ziel der neuen Architektur ist es, Connections zur Entwicklungsplattform auszubauen. Live Grid, der neueste Wurf von Domino-Designer-Erfindern Maureen Leland, soll auch Nicht-Programmierern das Entwickeln von Anwendungen auf Basis von Connections und dem neuen Tech-Stack erlauben. Auch als Hub für andere Systeme ist Connections denkbar: z.B. könnte der neue Kommentar-Dienst verwendet werden, um in anderen Anwendungen Kommentare zu erstellen, die dann wiederum im Activity Stream von Connections mitverfolgt werden könnten. Möglich macht dies der API-zentrierte Ansatz und die Strukturierung des Systems als Microservices. Dafür notwendige Änderungen am zentralen System könnten in Zukunft nicht mehr über Enhancement Requests gesteuert sondern gemeinsam mit der Community z.B. auf GitHub ausgearbeitet und bewertet werden.

Bis alle alten Connections Apps ersetzt sind und die Extension Points der neuen Services für Customizations genutzt werden können, bietet IBM mit Muse eine "taktische" Lösung an. Muse ist im Grunde ein Proxy-Server, mit dem man den Inhalt von Anfragen an den Server und die zugehörigen Antworten modifizieren und so z.B. das GUI komplett an Corporate-Design-Vorgaben anpassen kann - übrigens auch in der IBM Connections Cloud, wo dies bisher nicht möglich war. Muse ist übrigens auch eine wichtige Voraussetzung für den reibungslosen Übergang. Solange Daten und Applikationslogik auf neuen und alten Stack verteilt sind, übernimmt Muse die Verteilung der Client-Anfragen auf den passenden Service im Backend. Dauern soll dieser Übergang etwa 2 ½ Jahre. Doch auch danach wird Muse mit Sicherheit seine Daseinsberechtigung haben - allein als mächtiges Werkzeug zur Anpassung der Oberfläche.

Neues wagen, Altes bewahren

So viele, so große Neuerungen auf einmal lassen sich natürlich nicht ohne Reibung einführen und dementsprechend kontrovers geriet auch manche Diskussion. Besonders auf manchen anwesenden Domino/Notes-Veteranen schien die lange Liste an neuen Technologien (neu für IBM, für Connections, vielleicht für sie selbst) eher unausgegoren zu wirken. Bei einem derart radikalen Bruch mit Architektur, Basistechnologie und sogar Arbeitsweise von Entwicklern (und damit in Zukunft sicher auch von Betreibern, Supportern etc.) hatte IBM damit sicherlich gerechnet. Und so war der Tenor der Workshopleiter Andreas Schulte, Hagen Bauer und Matthias Schneider nach zwei Tagen relativ klar: niemand will "einfach so" die alte Welt (Domino, WebSphere, bestehende Notes-Applikationen etc.) abschalten, ohne eine Alternative zu haben. Aber die Trends in Software, Software-Entwicklung und -Deployment weisen in die Richtung, die Connections nun eingeschlagen hat, nicht in die neuer Applikations-Entwicklungen für Notes. Dass es trotzdem ein bisschen knirschen würde bei dieser Abwägung zwischen Bestands- und Neugeschäft, schien niemanden zu überraschen.

Viele Nachfragen zeigten aber auch, dass die meisten Anwesenden den Neuerungen mit konstruktivem Feedback begegneten und versuchten, möglichst viel über die konkrete Umsetzung der präsentierten Ideen herauszufinden. Jason Gary hat viel versprochen – und sein erstes Commitment eingehalten: die neue Connections-Homepage "Orient Me" ist als erstes Pink-Element zum angekündigten Termin ausgeliefert worden. Nicht nur die Teilnehmer in Böblingen dürften gespannt darauf warten, wie es weiter geht. Der Vorfreude geschadet hat der Workshop sicherlich nicht.

Als Service Provider für IBM Connections freuen wir uns, gemeinsam mit unseren Kunden die Reise in die pinke Zukunft anzutreten. Für Beck et al. Services nutzte Michael Domke (DevOps Engineer im Connections Team) den Workshop als Gelegenheit, IBM persönlich mit seinen Fragen zu löchern.