Eindrücke von der Social Business Arena CeBIT 2014

Von Siegfried Lautenbacher 14.03.2014

Die Social Business Arena der Kongress Media war das neue Format auf der diesjährigen CeBIT in Hannover. Das umfassende Event richtete sich sehr fokussiert auf die Themenlage von Social Business und Enterprise 2.0 Ansätze, Umsetzungen, Lösungen, Philosophien und Erkenntnisse aus. Zwei Tage lang wurden auf den unterschiedlichsten Panels Diskussionen um diese Kernthemen in Deutschland aber auch im internationalen Umfeld geführt. Dabei waren sehr differenzierte Sichtweisen, Erfahrungen und Ansatzpunkte immer wieder Dreh- und Angelpunkt von provokanten Thesen, klaren Statements und kondensierten Erkenntnissen. Eine eindeutige Aussage die man aus den vielen Meinungen und Erfahrungen herausfiltern kann ist: Social Business ist vor allem Business und das muss es schließlich und endlich liefern - Betriebsergebnisse. Das spiegelt sehr gut unseren Ansatz wieder. Wir bei Beck et al. nennen es High Performance Collaboration. Nun ist sie vorbei, die erste Social Business Arena der CeBIT 2014, organisiert von Kongress Media. Zeit für einige Schlussfolgerungen und Eindrücke aus der Sicht von Beck et al. Services. Wir waren als Sponsor aktiver Teil dieses Formats und haben daher Teilnehmer, Diskussionen und Stimmungen hautnah miterlebt. Die Social Business Arena trat mit dem Ziel an, alle namhaften Unternehmen dieser jungen Industrie an einen Ort zu bringen, um Klartext über den Status der Branche „Social Business“ oder „Enterprise 2.0“ zu sprechen, neue Ansätze zu diskutieren, Umsetzungen und technische Lösungen transparent zu machen und neue Impulse für das Business jedes Akteurs zu generieren. Dabei war der Kreativität in punkto Formaten keine Grenze gesetzt. So gab es beispielsweise den Social Technology Garden, den Fireside-Chat oder auch den Hackathon. Insgesamt zwei Tage wurden dafür angesetzt, um all das ausführlich und in unterschiedlichen Konstellationen im Rahmen bekannter Player aus Deutschland aber auch den USA  zu diskutieren. Woran kein Zweifel besteht, das Geschäft mit dem Social Business bietet auch Markt-Neulingen konkrete Chancen, neben Schwergewichten wie IBM, SAP oder T-Systems zu bestehen. Auch Gespräche mit potenziellen Kunden haben das bestätigt: man setzt schon mal lieber auf den jungen Anbieter mit hohem Innovationstempo als den namhaften Software-Dinosaurier. Diese Vielfalt an Anbietern unterschiedlicher Couleur spiegelte sich auch in der Art und Weise der Diskussionen wider. Hier herrschte eine neue Offenheit.

Streicht Social und macht Business!

Viele der angesprochenen Hürden ließen sich sehr schnell beseitigen bzw. würden erst gar nicht entstehen, wenn man die Anwendungen, Strategien und Konzepte grundlegend an den Prozessen und Herausforderungen der Arbeit anlegen würde. Es wurde sich in der letzten Zeit stark auf die Kommunikation und den Austausch konzentriert, den so genannten Soft Outcomes. Dies ist grundsätzlich nicht falsch, überführt aber die soziale Anwendung keinesfalls in eine produktive und vor allem nicht in eine wertschaffende Umgebung. Natürlich lässt sich hier argumentieren, dass die Kommunikation selbst Wertschöpfung ist, denn sie etabliert Wissen und Innovation. In der klassischen Betrachtung sieht das jedoch kein Manager und auch kein Mitarbeiter, es schlägt sich nicht in Zahlen und Ergebnissen nieder.

Social gilt als Schimpfwort

Klarer kann eine Aussage nicht sein. Das Spektrum der Diskussionen, Panels, Fahrstuhlbewerbungen und Kamingespräche reichte von der Status Quo Analyse, über Erfolgsmessung, Einführungs- und Adoptionsstrategien bis hin zur technischen Präsentation und Betrachtung unterschiedlicher Softwarelösungen. Der Tenor zog sich durch viele der Diskussionen. Ob nun die Optimierung der Geschäftsprozesse oder der Arbeitsplatz der Zukunft betrachtet wurde, die Integration jedweder Lösungen, Ansätze und Strategien in die betriebliche Wertschöpfung und in die Arbeitsprozesse wurde als essentiell identifiziert. In erster Linie entsteht der betriebliche Wert dadurch, dass etwas geschaffen und geschafft wird. Aufgaben werden schneller bewältigt, bessere Lösungsansätze lassen sich finden, Prozesse die vorher vier Schritte benötigten, brauchen jetzt nur noch drei oder sogar nur noch zwei, neue Mitarbeiter gelangen schneller in ihren Produktivitätskreislauf, weil das Onboarding weniger Zeit kostet und dennoch intensiver stattfinden kann. Diese und viele ähnliche Einsatzszenarien sind die Stärken, die Business Cases für Enterprise 2.0. Sie sind das Business und sie sind die Erfolgsfaktoren für das künstliche Konstrukt des Social Business. Die Künstlichkeit des Wortes Social Business war ein weiterer Erkenntnisdorn im Fleisch der Experten. Natürlich mussten wir dem Kind einen Namen geben, damit man damit arbeiten, es definieren und in die unterschiedlichsten Szenarien und Situationen einbauen kann. Doch auch hier zeigt die Erfahrung der Teilnehmer, Analysten und Praktiker ein sehr eindeutiges Bild: Das Wort "Social" scheint einen großen Schrecken in die Glieder der Verantwortlichen und Entscheider zu jagen. Viele stellten sich die Frage, warum diese Angst entsteht. Interpretation, unpassenden Definitionsverknüpfung und Abstraktion könnten die Ursachen sein. Eines wurde jedoch von den Teilnehmer und Experten klar herausgestellt: Wer den Begriff Social im Erstkontakt mit Verantwortlichen und Entscheidern auf der Unternehmensebene nutzt, gerät sehr schnell in einen Strudel der Ablehnung und Dissonanz. Es hat sich gezeigt, dass in den Köpfen der Begriff Social als störend wahrgenommen wird und die Entscheider auf eine falsche Fährte lenkt. Zudem gibt es schon viele Anwendungsszenarien, die genau das beweisen: kollaborative Arbeitsweisen über leichtgewichtige Technologien beschleunigen Wissensaustausch und ersparen Zeit. Hausaufgabe für alle Beteiligten ist es also, das Spannungsfeld zwischen den Potenzialen von Social Business und der Sichtweise der Unternehmensentscheider endlich aufzulösen. Und: im internationalen Vergleich machen wir unsere Sache ganz gut. Denn von Experten wie Dion Hinchcliffe und Sameer Partel wird die deutsche Wirtschaft in Nutzung, Umsetzung und Transformation mindestens auf Platz zwei gesehen. Und das ist doch schon was.

Über den Autor

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance