Exzellente Social Collaboration

Von Alexander Klier 15.02.2016

Im Rahmen dieses Blogs beschäftige ich mich mal wieder mit Worten. Aber nicht nur mit Worten, sondern eigentlich mit ihrer Bedeutung, also mit den Ideen, die dahinter stecken. Auch was Exzellenz bedeutet, muss schließlich mal ausbuchstabiert werden. Wir wissen, wovon wir reden.

Bild: Thierry Draus - Good enough is not an option stay focused on excellence auf Flickr hier. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons - Namensnennung (BY).

 

Exzellenz stammt vom lateinischen excellere ab und bedeutet "hervorragen". Man könnte auch von excellentia ableiten, was so viel wie "Vortrefflichkeit" heißt. So gibt es Exzellenzinitiativen, die für eine besondere Zukunftsfähigkeit von Organisationen sorgen sollen und entsprechende strategische Diskussionen verursachen. Und eine Anerkennung für Exzellenz (commited to bzw. recognized for excellence) im Bereich des Qualitätsmanagements (EFQM Modell) ist hier ein wichtiges Gütekriterium und -sigel, um das sich Unternehmen bewerben können. Hervorragen und vortrefflich sein: mit einer Exzellenz heben sich Unternehmen deutlich vom Umfeld ab. Warum sollte das nur für die Prozesse, Strukturen oder auch Produkte gelten? Qualitativ hochwertig kann man sicher auch die Arbeit gestalten. Genauer eigentlich die gemeinsame Zusammenarbeit. Das ist noch nicht zwingend digital zu denken, aber doch im Sinne einer Exzellenz eine spannende Erfahrung. Insbesondere dann, wenn man die massenhaft verwendete Hintergrundfolie der bisherigen Arbeitsorganisation, den Taylorismus, betrachtet.

 

Arete

Die alten Griechen hatten für Vortrefflichkeit (Exzellenz) ein eigenes Wort: Arete (altgriechisch = ἀρετή = aretḗ). Allerdings bedeutet(e) dieses Wort noch mehr. Vortrefflich war als Eigenschaft von Menschen unmittelbar mit der Tugend und einer gelungenen Lebensführung verknüpft. Der damit verbundene Gemütszustand einer Eudämonie (altgriechisch = εὐδαιμονία = eudaimonía) als "gelingende Lebensführung" setzte den Besitz von Arete quasi voraus. In Erscheinung trat die Arete dabei nicht nur bezüglich der Tauglichkeit einer Sache, sondern vor allem bei der Erfüllung von Aufgaben in Bezug auf den Zweck, dem sie dienen sollen. Zu etwas gut sein, im Sinne eines hohen Maßes an Tauglichkeit für ein bestimmtes Ziel, würde man als Maßstab sicher auch für eine gute Zusammenarbeit zu Grunde legen. Umso verwunderlicher ist es, dass diese Frage bei der Organisation von Arbeitsprozessen bis heute eher selten, wenn überhaupt, gestellt wird. Auch das ist noch ziemlich spektakulär undigital. Aber eben auch eine spannende Erfahrung.

 

Arbeit besonderer Güte

Am interessantesten aber ist wahrscheinlich die Erfahrung, dass mit den Möglichkeiten der Zusammenarbeit im digitalen Handlungsraum all diese Fragen rund um die Exzellenz plötzlich wieder eine Rolle spielen. Und zwar sowohl auf Seiten der Beschäftigten, und tatsächlich auch im Sinne einer gelungenen Lebensführung, als auch im Sinne der Organisation und einer Tauglichkeit auf ihren Zweck hin, beispielsweise der Herstellung innovativer Produkte oder des Anbietens hervorragender Dienstleistungen. Eine soziale Kollaboration mit digitalen Plattformen, so könnte man sagen, ermöglicht Exzellenz für alle Beteiligten, denn schließlich werden auch die Kunden und Stakeholder in die Zusammenarbeit integriert. Sie sind es letztlich, welche die Arete im Sinne einer Tauglichkeit der Organisation zur Befriedigung der Bedürfnisse beurteilen können und werden. Nicht zuletzt auch unter dem Aspekt, ob das Produkt oder die Dienstleistung der eigenen gelingenden Lebensführung zuträglich ist. Eine weitere spannende Erfahrung ist also, dass eine gelingende soziale Kollaboration durch Arete als Arbeit besonderer Güte ausgezeichnet ist.

 

Ein exzellentes Gegenmodell

So sehr eine exzellente soziale Kollaboration erst über digitale Plattformen möglich wird, so wenig ist sie auf der anderen Seite ein (rein) technisches Thema. Die Differenz, die sich normalerweise ergibt, besteht darin, dass man Zusammenarbeit im betrieblichen Kontext unterschiedlich organisieren kann. Was wiederum davon abhängt, wie man sich die Menschen, die die Arbeitsleistung im Rahmen der Zusammenarbeit erbringen, vorstellt. Die bis heute gültige Blaupause ist die, welche eine "vereinzelnde", oder besser eigentlich eine hierarchisch vermittelte Zusammenarbeit a-personaler Individualisten im Unternehmen organisiert. Hier muss man über allerlei Tricks, beispielsweise durch extrinsische Anreize (Belohnung) oder auch harte Bestrafung, die Tauglichkeit der Menschen zu einer Kooperation herstellen. Sonst droht das Chaos. So charakterisierte Menschen haben weder außerhalb der Arbeit ein gesondertes Interesse am Arbeitsprozess oder den Produkten, die sie herstellen, noch weist die Arbeit für sie einen Beitrag zum gelingenden Leben auf. Das exzellente Gegenmodell ist das einer sozialen Kollaboration real existierender Menschen.

 

Praktische Exzellenz

Eine exzellente Kollaboration bedeutet, dass die Beschäftigten als Personen im Rahmen einer Community (in ihren Profilen und Aktivitäten) sichtbar werden und sich als solche mit ihren Fähigkeiten und Kompetenzen in den Entstehungs- und Gestaltungsprozess einbringen. Sie kollaborieren digital auf Augenhöhe als Peers. Sie sind dabei, verbunden über die Gruppe, an der Entstehung aller Teile des Ergebnissen beteiligt. Um dies zu gewährleisten, werden sie mit personalen Kompetenzen ausgestatten. Weiter entscheiden sie im Gruppenprozess, wie die Kompetenzen der anderen beteiligten Personen am besten zu verteilen und zu nutzen sind, um die Aufgaben zu erledigen. Am Ende stellt das Ergebnis mehr dar, als die Summe der Einzelbeiträge. Insofern bedeutet erst eine Social Collaboration eine echte Arete: erst sie ist tauglich sowohl auf den Zweck der Herstellung qualitativ hochwertiger Produkte und Dienstleistungen, als auch in Bezug auf ein gelingendes Leben (Eudämonie) der daran beteiligten Beschäftigten. Genau dieser Umstand macht sie auch ökonomisch zur effizienteren und vortrefflichen Form der Zusammenarbeit (siehe hierzu auch unser Essay "Höchstleistung durch kollaborative Zusammenarbeit" hier). Und damit für Unternehmen zu einer echten Erfahrung von praktischer Exzellenz. Wir helfen gerne und aus Überzeugung dabei, diese exzellente Erfahrung machen zu können.

Über den Autor

Alexander Klier Social Learning Consultant
Social Collaboration und Social Learning gehören zusammen. Gemeinsam denkt man weiter.

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