Fünf Menschen, denen Sie bei digitalen Transformation gegenüberstehen

Von Sebastian Thielke 21.06.2016
Fünf Menschen, denen Sie bei digitalen Transformation gegenüberstehen

Die digitale Transformation mit all ihren Bereichen, Berührungspunkten und Ebenen trifft vor allem den Menschen in seinen geliebten Gewöhnungszonen sehr - Der Mitarbeiter, Anwender, Chef, Verwalter egal wer unserer Mitmenschen und Kollegen - sieht sich einem Wandel gegenüber, denn niemand überblicken oder auch durchblicken kann. Der Wandel wird sich in alle Bereiche erstrecken, das ist unumstößlich. Ob dies nun die Veränderung von langjährig gelebten und gepflegten Prozessen ist, die Änderung von Produkten und Produktion oder eine komplett neue Ausrichtung auf den Märkten und zu den Kunden. Es ist etwas Neues, etwas, dass der Großteil der Betroffenen nicht überblicken kann. Dies führt zu Unsicherheit und Unsicherheit wird in den meisten Fällen als Angst angesehen. Unsicherheit ist eine Bedrohung, eine nicht reale Bedrohung, die aber zu realen Konsequenzen führt: Abwehr, Ignoranz, Angriff oder Flucht. Und das zeigen auch die Menschen in der digitalen Transformation. Sie zeigen Ihre Unsicherheit und Sie sollten diese sehen, ansprechen, einbinden und die Unsicherheit nehmen.

Schubladen sind nicht so mein Denken, dennoch machen wir dieses Kategorien von Einteilungen, Klassen, Unterklassen, Gruppen und vieles mehr. Wir reduzieren damit die Komplexität, die unsere Wahrnehmung uns bietet. Wir machen aus dem Vielen etwas Überschaubares und nehmen uns selbst die Unsicherheit.

Wenn ich also hier fünf Typen von Menschen in der digitalen Transformation betrachte, dann reduziere ich nur die Komplexität einer Vielzahl von Möglichkeiten der Unsicherheit und Angst. Ich mache es mit diesen Klassen für mich und Sie als Leser überschaubar. Sie können durch diese fünf Typen, anfangen zu handeln.

1.Der Innovationsmaurer

Tja vom Namen her würde man meinen, dass alles klar ist. Jedoch ist dieser Typ eher eine Mimikry. Sie würden ihn sicherlich in den die Kategorie der Befürworter und Mitspieler einsortieren und ihn wohlmöglich auch als Botschafter der digitalen Transformation einsetzen. Denn Sie erleben ihn als engagierten, aufgeschlossenen und wissbegierigen Typ Mensch, der alles mit seinen Kollegen teilt und ihnen auch zeigt, wo die Vorteile für sein Umfeld sind. Und dann sind wir auch schon beim Kern angekommen. Im Vordergrund dieses Typs steht das eigene Umfeld. Sicherlich ist der Innovationsmauerer auch an den Innovationen interessiert, jedoch plagt ihn in diesem Zusammenhang eine Urunsicherheit – Verlust von Kontrolle, Vorsprung und letztendlich Bedeutungs- und Deutungsverlust.

Innovation nur hinter meinen Mauern

Daher wird sich dieser Typ immer für das Neue, in diesem Fall für die digitalen Aspekte interessieren, dies aber nur bezogen auf sein eigenes Umfeld einsetzen. Das Verhängnis des Innovationssilos wiegt dabei schwer: Wenn das eigenen Silo sich den Innovationen stellt, dann entwickelt sich es weiter. Aber dieses Weiterentwickeln wird nicht übertragen oder sogar verhindert, wenn es um andere Bereiche oder Strukturen der gemeinsamen Organisation geht. Auf Nachfragen und Anfragen zur Unterstützung wird dieser Typ immer sagen: So gut ist das nicht. Wir testen noch. Also eigentlich bringt das Ganze nicht viel.

Konfrontation für Erkenntnis

Konfrontieren Sie diesen Typ ruhig mit seinem Verhalten. Vor allem muss dieser Typ Mensch verstehen, dass er als Person immer noch eine Rolle mit seinem Wissen und seiner Erfahrung spielt. Zeigen Sie diesem Menschen, dass viele unterschiedliche Perspektiven und Einsätze das Neue im Unternehmen ganzheitlich wirkt. Begleiten Sie ihn aktiv in seiner Rolle als Multiplikator. Lassen Sie ihn als Beweis für einen Erfolgreichen Einsatz dastehen. Machen Sie sein Silo zur gemeinschaftlichen Erfolgsgeschichte.

2.Der Macher

Ganz spannend ist dieser Menschentyp. Diese Person hat offensichtlich verstanden, wie das Gesamtbild der Transformation aussieht. Sie empfiehlt an allen Ecke und Enden der Organisation wie gut die digitale Neugestaltung des Unternehmens ist. Zusammenarbeit wird sich verbessern, wir werden die Organisation umkrempeln und das klassische Tayloristische Prinzip umwerfen. Silos müssen abgeschafft werden und überhaupt haben jetzt alle im Unternehmen endlich die Möglichkeit, die Organisation mitzugestalten. Sie werden diese Person sicherlich kennen und sie wird Ihnen immer wieder die Hilfe anbieten. Das Problem ist nur, wenn man dann die Arbeitsrealität dieses Typs betrachtet, dann stellt sich schnell Ernüchterung ein. Dieser Typ Mensch hat sich die Terminologie und Schlagworte der digitalen Transformation zu Eigen gemacht und nutzt diesen Wortschatz, um von seiner eigentliche Unsicherheit abzulenken. Die Unsicherheit, dass die eigenen Themen und Bedeutungen sich verlieren. Es ist die Unsicherheit, dass diese Person sich aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht in der digitalen Transformation widerfindet.

Biete Praxis für Meinung

Sie werden feststellen, dass dieser Personentyp keine praktische Erfahrung mit den Themen der digitalen Transformation hat. Der Typus vermeidet die digitalen Werkzeuge, deren Konsequenzen und Berührungspunkte. Interessanterweise wird sich eine solche Person immer auf seine Kollegen und sein Arbeitsumfeld berufen und auf klassische Werkzeuge zurückgreifen.

Hand und Fuß

Nehmen Sie den Macher an die Hand. Zeigen Sie wie die digitale Zusammenarbeit geht. Machen Sie ihm an aktiven Anwendungen die unterschiedlichen Aspekte von Digital klar. Zeigen Sie ihm wie Bots funktionieren, was eine Blockchain ausmacht, wie Automatisierung Einfluss auf das Marketing hat und wie Maschinen zu Maschinen Kommunikation funktioniert. Nehmen Sie ihm die Unsicherheit und machen Sie ihm zum Praktiker.

3.Der Strukturalist

Wir kennen diesen Typen alle: Das muss doch nicht verändert werden. „Wir sind eine effektive Organisation, fragen Sie doch die Kollegen. Außerdem hat keiner Zeit, sich mit den Veränderungen zu befassen, denn schließlich müssen wir hier arbeiten und nicht so ein Spielkram hier machen.“ Dieser Typus wird ihnen mit sehr vielen Gegenbeispielen gegenüberstehen, denn er wird diese sehr fleißig sammeln. Die anstehende Veränderung muss aus seinen Augen beendet werden, denn sie kosten nur Zeit und bringt zahlenmäßig gar nichts. Wohlmöglich ist dies dieser Typus, der gerne eine ROI haben möchte. Dem spricht ja nicht entgegen, dafür muss mach sich dann aber auch anstrengen. Dieser Mensch tut sich schwer, dass Neue als hilfreich anzusehen. Eher sieht er die weitere Aufwände und Notwendigkeiten, als das er im Gesamtbild oder anhand einer Entwicklung die Auswirken erkennen kann.

Nicht mit mir

Der Strukturalist wird jede Iterationsschleife nutzen, um Änderungen in die klassische Formate zu überführen. Seien Sie hier besonders vorsichtig, diesen Ideen und Ansätzen zu viel Spielraum einzuräumen. Schnell schleicht sich hier die Idee der Verbindung von alter und neuer Welt ein. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Veränderung eben kein Kompromiss ist, sondern eben mit allen Konsequenzen existiert - wohl oder übel.

Erkenne Dich, dann erkennst Du das Gesamte

Dieser Typus Mensch ist eine Herausforderung. In seinem Kern weiß er, dass die Veränderung kommt. Aber er hat tatsächlich Angst, dass die Organisation scheitern wird. Die Veränderungen für die Organisationsform sind für ihn nicht begreiflich. Seine Erfahrungen und sein Wissen sind stark in den klassischen Verfahren, Denkmodellen und Organisationsformen etabliert. Er schafft es vermutlich nicht einmal für sich selbst die unterschiedlichen Vorteile zu entdecken. Diesen Menschen sollte man entsprechend aufmerksam in den Kontakt mit den digitalen Themen bringen. Vermeiden Sie bei diesem Menschen Schlagworte oder Fachtermini. Sie sind rote Tücher. Vielmehr können Sie diesem Menschen zeigen, dass die Prinzipien von zum Beispiel digitaler Zusammenarbeit, Teilen und Gemeinsam einen größeren Mehrwert bringen, wenn man sie selbst erfährt. Ich sehe in diesem Typus den typischen Kandidaten für Working Out Loud Kreise. Hier lernt er die Grundlagen und kann dann das Gelernte auf das Organisationsumfeld abstrahieren.

4.Gen-Y-Brecher

Sie werden schnell feststellen, dass sich diese Gruppe/Schublade auf die junge Generation beschränkt. Sie sind diejenigen, die der Hype in der treibende Rolle für den Anspruch an einen digitalen Arbeitsplatz setzt. Sie wollen Vernetzung, digitaler Zusammenarbeit und ständigen Austausch und vor allem alles Mobil. Sie werden aber schnell feststellen, dass der Großteil dieser jungen Generation zwar unglaublich behände im Umgang mit den Social Media sind. Aber, und das ist die Misere, von ihrem persönlichen und privaten Umfeld die Verbindung und Vernetzung zum Nutzen in der Arbeit nicht schaffen.

Theorie und Wirklichkeit

Die Erfahrung zeigt, dass sich dieser Typus eher auf sehr klassische wie auch konservative Methoden, Werkzeuge und Prozesse verlässt, als seine Erfahrung aus dem privaten Umfeld auf die Arbeitswelt zu übertragen. Die Ursachen können unterschiedlich sein. Die einen sehen einfach keine Verbindung zwischen dem was sie wie mit Social Media privat machen und wie das ihrer Arbeitswelt helfen kann. Die anderen wissen zwar um die Möglichkeiten, empfinden aber ihr Arbeitsumfeld als nicht entsprechend bereit für eine solche Arbeitsweise.

Erfahrungen schaffen

Diesen Typus sollten Sie niemals in Ihren Vorhaben unterschätzen. Wenn Sie davon ausgehen, dass die junge Generation mit den digitalen Werkzeugen und Methoden schon klar kommt, dann laufen Sie Gefahr eben wieder eine Lücke zu schaffen. Viele der jungen Leute müssen eben erst noch die Erfahrungen sammeln und erkennen wie eine Organisation funktioniert. Sie müssen erleben, dass sie als Neue einen enormen Wissensvorsprung haben aber dieser Wissensvorsprung muss eben auch entsprechend eingebunden werden. Schließlich und endlich müssen Sie als Treiber der gesamten digitalen Transformation eben dieses Wissen wertschätzen und vor allem aufnehmen. Zeigen Sie den jungen Leuten, was ihr Wissen, ihre Erfahrungen im Privaten sich sehr leicht auch in die Arbeit im Unternehmen übertragen lässt. Schaffen Sie eine entsprechende Arbeitsumgebung und nehmen Sie den jungen Leuten die Unsicherheit.

5.Der Arbeitende

Tja und hier treffen Sie den Menschen, der mit all dem Neuen in seiner täglichen Arbeit zurechtkommen muss. Wir haben für ihn alles Mögliche geplant: Trainings, Change Kommunikation, Motivation. Wir haben ihm sogar zugehört und uns seine Wünsche und auch seine Sorgen aufgeschrieben. Doch leider haben wir seine Wünsche eigentlich nie berücksichtigt. Sie sind nur ein Muster welches wir nach Wiederholung durchsucht haben. Wir haben jedoch nicht nach seiner Unsicherheit geschaut, ihn nicht gefragt, ob er Angst hat. Wir haben ihn aber damit konfrontiert, dass etwas Neues kommt. Etwas das verändern wird. Alles verändern wird. In seiner ohnehin begrenzten Zeit muss nun der Arbeitende das Neue lernen und die ganzen Informationen verarbeiten, die die Change Kommunikation so auf ihn wirft. Aus seiner Unsicherheit wohin das Ganze wohl führen kann wird schnell die Angst, dass er in seiner knappen Zeit noch mehr machen muss, dass es keinen Vorteil und Nutzen für ihn bringt und dass er wohlmöglich überflüssig wird.

Vom Konzept in die Praxis

Sie werden sicher schnell erkannt haben, dass dieser Typus einen Großteil eines Unternehmens ausmachen wird. Sie sind in der Arbeit tief eingebunden und sehen Neues eher als Störung und zusätzlichen Ballast an. Diesem Mensch fehlt einfach die Zeit, sich mit großen Ideen und neuen Methoden und dem ganzen digitalen Kram auseinanderzusetzen. Er würde definitiv gerne die Neuerungen mitmachen. Reduzieren Sie für diesen Menschen die Komplexität der Kommunikation. Schauen Sie sich seinen Arbeitstag mit ihm gemeinsam an und vor allem lassen Sie sich zeigen wie dieser Mensch den Tag erlebt. Nutzen Sie diesen Input und schaffen sie praktische Anknüpfungspunkte ohne das riesige Bild der digitalen Transformation aufzurufen. Manchmal sind es nur kleine Details, die den praktischen Alltag des Arbeitenden erleichtern. Suchen Sie diese und machen Sie es dem Arbeitenden einfach und schnell verfügbar.

Perspektiven

Diese Zusammenstellung an Typen soll Ihnen vor allem dabei helfen, nicht in jeder Unsicherheit und in jeder Angst nur die Hemmnisse des digitalen Wandels zu sehen, Sie können selbst den Mut fassen, und diese fünf Typen auf den Weg bringen. Vielleicht finden Sie sich selbst auch in diesen Typen wieder. Diese Kategorisierung ist kein Allheilmittel, sondern ein möglicher Anfang, Ihnen Orientierung zu geben. Ich habe diese Typen aus meinen Erfahrungen zusammengestellt. Erfahrungen, die ich sammeln durfte bei unseren digitalen Kollaborations- wie auch Transformationsprojekten. Ich weiß, Sie kennen auch noch ein paar andere Typen. Erzählen Sie doch mal!

Wenn Sie vor dieser oder anderen Herausforderungen der digitalen Transformation stehen, dann nutzen Sie doch die Gelegenheit und sprechen uns bei Beck et al. Services GmbH an. Wir helfen Ihnen gerne und stellen unsere Erfahrung für Ihre digitale Transformation zur Verfügung und hören sehr gerne zu, was Sie so vorantreibt in dieser digitalen Wandelzeit. 

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.