Oh Bot, oh Bot, oh Bot - Bots sind mehr als neue Kanäle

Von Sebastian Thielke 10.10.2016
Oh Bot, oh Bot, oh Bot - Bots sind mehr als neue Kanäle

Es gab ja nun schon einige Beiträge zu Bots. Wir wissen, dass sie das Internet ablösen werden, sie sind intelligente Assistenten und machen uns die Arbeit leichter. Das Gute an den Bots sind ihr umfangreiches Einsatzszenarien. Sicherlich werden jetzt einige aufmerken und anmerken: Mit Bots können doch aber nur die Techies und die DevOps umgehen. Außerdem muss man sich ja dann mit bestimmen Plattformen und Technologie auseinandersetzen und vor allem diese einsetzen. Und eigentlich haben diese Stimmen Recht. Eigentlich.

Mit Verlaub sei hier kurz angeschnitten, dass wir am Anfang der Entwicklung und Weiterentwicklung der kleinen, intelligenten Algorithmen sind. Am Anfang. Was sich heute auf bestimmte Technologien beschränkt, wird sich ausbreiten und eine Basis bzw. ein Standard werden. Um die eine Aussage zu Bots aufzugreifen: Sie werden das Internet mit seinen Seiten und Apps ablösen. Dies setzt voraus, dass sie eben nicht plattformspezifisch sind, sondern generelle bzw. adaptive Instanzen werden.

Kanalbetrachtung

Wenn wir uns gegenwärtige Analysen anschauen, dann entwickeln sich Bots zu den intelligenten Werkzeugen, die uns in der täglichen Arbeit aktiv unterstützen, die uns produktiver machen und uns zur Seite stehen. Sie werden die neuen Medien der Kommunikation sein.

Stellen Sie sich einfach mal vor, dass egal wo Sie sich auf welcher Plattform, Anwendung oder sonstigen Instanz für Kommunikation, Austausch und Zusammenarbeit befinden. Die Kommunikation wird von Ihren Bots begleitet. Ihre Bots werden Ihnen wichtige und relevante Nachrichten zuspielen, sie werden nicht nur ein Filter sein, sondern auch ein validierendes Werkzeug bzw. Vehikel Ihrer Inhalte werden. Sie wollen mit einem Kollegen oder Kunden sich austauschen? Die Bots erkennen, dass Sie nach beendigen Ihrer Aufgabe, das Ergebnis mit einer relevanten Person teilen wollen und müssen. Der Bot wird Ihnen die Möglichkeit geben, das Ergebnis an die entsprechende Person weiterzuleiten. Und es ist vollkommen irrelevant wo sich diese Person befindet. Der Bot sendet es an den Bot des Empfängers. Wenn man so möchte, wird unsere Kommunikation von Bot zu Bot stattfinden. Dennoch ist dies nur ein kleines Potential, welches sich hinter Bots verbirgt.

Was dieses Modell und die Aussage Internetablösung aber innehaben, sind die Aussagen die schon mit den Kanälen wie Social Media, Enterprise Social Networks und den Web 2.0 Anwendungen getroffen wurden: Sie verändern alles in unserer Arbeit. Sie sind die Kommunikation der Zukunft. Sie sind die neuen offenen und partizipativen Kanäle.

Werkzeugbetrachtung

Dann lassen Sie uns mal die Perspektive ändern. Wenn wir weggehen von den Heilsversprechungen der Kommunikation und Kanäle, wie stellt sich dann der Bot da? Er ist ein intelligenter Algorithmus, der die individuelle Produktivität steigern wird. Er wird Filtern, Suche, Kommunikation und Organisation für uns übernehmen. Der intelligente Algorithmus wird also zum persönlichen Helferlein.

In der Plattform und Arbeitsumgebung kann und wird der Bot als ein Ansprechpartner funktionieren. Erste Fragen werden nicht nur aktive beantwortet, sondern vorher antizipiert und in ggf. in weitere Funktionen und Anwendungen übernommen. Wir bekommen also mit den Bots etwas zur Seite gestellt, dass uns die Arbeit erleichtern wird und uns mit dem Wesentlichen des Produzieren wieder näher in Verbindung bringt. Ein hilfreicher und adaptiver Assistent für jeden der ihn braucht.

Gestaltungsbetrachtung

Die vorhergehenden Sichtweisen zeigen uns ein Bild, das wird schon kennen – Kanal und Werkzeug. Wenn wir jetzt aber noch einmal die Perspektive ändern und schauen, was denn mit den Bots passiert, was sie machen und vor allem wie sie mit uns agieren, dann kann man das Bild des Bots sehr, sehr schnell in eine wirklich spannende Richtung drehen – Individuelle Anpassung von Anwendungen, Usability und Nutzeroberfläche.

Vier große Aussagen stecken in diesem letzten Satz:

  • Individuelle Anpassung – Ausrichtung nach Verhalten und Bedarf des Nutzers des Bots
  • Anwendungen – sind nicht an ihr statisches Konstrukt der Nutzungsoberfläche, Funktionen und Verknüpfungen gebunden, sondern werden durch die Bots angepasst
  • Usability – wird ein zentraler Aspekt der Bots, die durch dieses Kriterium, Anwendungen und sich selbst immer wieder anpassen
  • Nutzeroberfläche – wird genauso arrangiert, dass der Anwender nach seinen Bedarf an Anpassung (aktiv oder passiv) damit arbeiten kann. Die Bots werden immer Teil dieser Oberfläche sein

Wenn man dieses Bild betrachtet, dann entsteht eigentlich auch ein neues Bild von Anwendungen, von Software, von den Werkzeugen, die wir täglich um uns herum nutzen: Die Software wird nicht mehr mit festem UI entwickelt, sondern mit APIs und Botschnittstellen, die die Anwendung nach dem Nutzer gestalten. Software wäre demnach nur noch ein Funktionsrahmenwerk, welches die Bots weben und gestalten. Bots sind in diesem Aspekt mehr als nur ein Kanal oder Werkzeug. Sie sind die Gestalter dynamischer Software.

Enablement-Betrachtung

Unter diesen Gesichtspunkten löst sich auch eines der größten Herausforderungen von Anwendungen und Unternehmen bzw. den Menschen, die die Arbeit in den Unternehmen ausmachen – die Befähigung mit den Anwendungen zu arbeiten. Aktuell müssen wir mit großem Aufwand nicht nur die Anwendungen erklären und beibringen (schreckliche Perspektive), nein wir wollen auch unbedingt, dass das Wozu verstanden wird. Also machen wir uns auf und erklären dann noch Methoden und Arbeitsweisen für die Anwendungen. Und wir scheitern häufig, oft und verbreiten Angst.

Diese Herausforderung wird es nicht mehr geben mit den Bots als Gestaltungs- und Anpassungsagenten. Stellen Sie sich das Bild einmal vor. Es müssen keine großen Anwendungen mit hoher Spezialisierung mehr eingebracht werden. Die Funktion wird als dynamische Applikation in das Rahmenwerk eingegeben, die Bots nehmen dieses Applikation und verbinden sie mit den Aufgaben, Anforderungen und Arbeiten des einzelnen Mitarbeiters. Da die Bots grundsätzlich den digitalen Arbeitsplatz des Mitarbeiters gestalten, wird hier also keine Einführung bzw. auch kein Klicktraining notwendig sein. Die Funktionen sind einfach da und binden sich in den eigenen Arbeitsplatz ein. Die Anwenderoberfläche bleibt nach Aufgaben und Bedarf bestehen und der Nutzer arbeitet einfach weiter.

Zukunftsbetrachtung

Ich würde ich sogar soweit aus den Fenster lehnen und sagen, dass Bots in der Lage sein werden und die entsprechenden Funktionen von sich aus erstellen und in das dynamische Rahmenwerk für alle eingeben. Stellen Sie sich nur einmal den Schwarm an Bots für Sie mit einer Verbindung zu künstlichen Intelligenzen wie Watson vor.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.