Sechs Punkte an denen Sie erkennen, dass Ihr Unternehmen auf dem digitalen Holzweg ist

Von Sebastian Thielke 03.07.2015
Sechs Punkte an denen Sie erkennen, dass Ihr Unternehmen auf dem digitalen Holzweg ist

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Ist das nicht eine schöne, reißerische Überschrift? Ich unterstelle Ihnen, das Sie grundsätzlich was falsch machen und dann bin ich auch noch so dreist und sage Ihnen, wie es richtig geht. Gerade für diese Konstellation sind die reißerischen Listen und Artikel wunderbar und sie funktionieren, weil wir uns immer wieder erhoffen, eine kleine Wahrheit in diesen Aufzählungen zu finden. Auch ich schwinge mich mal auf diesen Zug. ABER und das ist mir wichtig, sehen Sie diese Liste hier eher als offene Fragestellungen, die Sie an sich richten und nicht als Wertung, dass Sie etwas falsch machen. Der digitale Druck Und nun zum Thema: Digital ist in aller Munde und viele Verantwortliche und Unternehmen fragen sich hektisch, wie mach ich das denn jetzt mit dem Digital? Wissen Sie, eigentlich machen Sie es schon. Sie überlegen schon auf vielfältige Weise, wie Sie Unternehmen mit Hilfe oder durch digitale Möglichkeiten verbessern können. Sie haben bestimmt und ohne es zu wissen Lösungen, Umsetzungen und Initiativen in Ihrem Unternehmen, die das Digitale treiben. Sie gehen mit Sicherheit mit Themen wie Dokumentenmanagement, Wissensmanagement, Cloud, IT-Services, Mobile und vielen ähnlichen Themen um. Also kann ich Sie hier schon einmal beruhigen, Sie sind digital und haben schon die ersten Schritte getan.

Das Verlangen der digitalen Transformation Was ist denn nun neu an dem ganzen Wortwirrwarr und den medialen und Spezialisten-Hypes? Neu ist, dass der Druck von Markt, Kunden und Konkurrenz Sie dazu bringen wird, Ihr Geschäftsmodell nicht ausschließlich in der analogen Welt zu sehen, sondern sich mit Prozessen, Infrastrukturen, Verhaltensweisen und Arbeitsplätzen eben in die digitale Welt zu begeben. Und hier ist das Zauberwort: Geschäftsmodell. Die Überlegung muss hier also sein: Wie kann mir eine Digitalisierung dabei helfen, meinen Markt zu sichern, mich auf den Kunden zu konzentrieren und sogar mit meinen Konkurrenten zusammen etwas zu gestalten, im gegenseitigen und gewinnbringenden Miteinander? Sie müssen sich Ihr Unternehmen anschauen. Verschaffen Sie sich den Überblick wo Sie gerade stehen, wie Ihre digitalen Initiativen zusammenpassen und wie ernst das Unternehmen die Möglichkeiten verfolgt. Und hier ist sie die infame Liste der Unterstellungen:

1. Digitale Initiativen und Veränderungen sind Projekte

Der häufigste Fehler der bei digitalen Initiativen gemacht wird, ist der, dass man es als Projekt ansieht. Es wird wie ein Projekt geplant, es wird entsprechend mit Ressourcen versehen, es bekommt den Projektmanager und dann irgendwann ist das Projekt zu Ende. Und da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Anstatt die Projekte als Projekt enden zu lassen, die Ressourcen zu streichen, den Regelbetrieb an die überlastete IT zu übergeben, muss hier ganz klar im Voraus der Übergang, wie auch dieFortführung im Rahmen der Unternehmensprozesse, stattfinden. Gerade die innovativen digitalen Initiativen und Umsetzungen müssen weitergedacht werden. Sehen Sie diese Initiativen nicht als Anfang mit einem Ende, sondern sehen Sie sie als Anfang der Veränderung, die immer wieder weitergeführt werden muss.

2. Alles was digital ist, muss nur bereitgestellt werden, der Nutzen kommt schon

Schwerer Fehler. Eigentlich ein Fehler, den vielfach IT und Infrastruktur Verantwortliche seit Jahren immer wieder machen. Sie können planen, durchdenken und entscheiden, was das Zeug hält. Wenn die Infrastruktur, der Arbeitsplatz oder die Anwendungen einfach nur zur Verfügung gestellt werden, dann geht das zumindest in Zweidrittel aller Fälle schief. Die Gründe dafür sind ein paar einfache Floskeln derer, die es nutzen sollen:

  • „Ich habe keine Zeit dafür, ich muss arbeiten.“
  • „Nicht schon wieder eine neue Anwendung.“
  • „Kenn ich nicht, brauch ich nicht.“
  • „Ohh, sowas gibt es bei uns?“
  • „Das ist doch nur was für unsere Spezialisten“

Sie sehen, dass der Faktor Anwender und Mensch hier eine enorm wichtige Rolle spielen. Wenn in früheren Software Rollouts das Prinzip: Bereitstellen = Erfolg galt, so zeigt sich immer mehr, dass die Menschen, die mit den Anwendungen, Geräten und Arbeitsplätzen umgehen müssen, begleitet werden sollten. Hier sind die Zauberworte: Kommunikation, Begleitung und Befähigen. In vielen Fällen haben Ihrer Mitarbeiter eine gewisse digitale Bildung, aber setzen Sie diese bitte nicht voraus. Nicht jeder schafft den Transfer von der privaten in die Arbeitswelt. Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern wo welche Vorteile, und vor allem Verbesserungen für sie persönlich, im Neuen zu finden ist – schneller erledigen, schneller finden, flexibler arbeiten, gemeinsam arbeiten.

3. Es ist digital, also ist es bei der IT

Der typische Fehlschluss, der sich durch unser Spezialisierungen, Abteilungen und Wissensaufteilungen ergeben hat. Alles was mit Eins und Null zu tun hat, liegt also bei der IT. Das ist natürlich weit, weit gefehlt. Wie schon vorher aufgegriffen, geht es hier um das Geschäftsmodell, um Wertschöpfung, um Business. Es geht darum, das eigentliche Modell zu wandeln. Hierfür müssen selbstverständlich alle Beteiligten mit eingebunden werden. Die Verantwortung liegt nicht bei der IT. Sie ist ein Teil, ein wichtiger Teil, aber eben nicht der einzige. Wie sieht es aus mit HR, Unternehmensentwicklung, Sales, Marketing, Kundenservice, Produktion oder Administration? Sie sind eben auch an der Unternehmung beschäftigt und bringen das Unternehmen zum Funktionieren. Gestalten Sie die Initiativen, die Beteiligten und die Verantwortungen so, dass Ihr Unternehmen im Ganzen sich beteiligt. Lassen Sie die Unternehmensfunktionen mit in die Planung, Verantwortung und Entscheidung. Sie werden sehen, dass jeder seine eigenen Anwendungsfälle und positiven Effekte beisteuern kann. Und Sie schaffen die perfekte Grundlage für Punkt Zwei.

4. Wir machen da mal einen Piloten

Auf der einen Seite verständlich, dass man schauen möchte, was es wie bringt. Aber, und das ist es eigentlich, es ist die Angst vor dem Versagen und die Unberechenbarkeit der Umsetzungen bzw. der Konsequenz. Es gibt aber einen Ausweg aus dieser Angst und dieser Unsicherheit: Strategie und Standortbestimmung. Durch diese beiden Instrumente stellen Sie sicher, dass Sie zum einen Ziele verfolgen, die Ihnen nützlich sind, Indikatoren haben, die Auswirkungen aufzeigen sowie klare Optionen, um auf ungeplante bzw. ungewollte Ereignisse reagieren zu können. Der Pilot schafft ein isoliertes Umfeld, das weder die Prozesse, noch Anwendungsfälle geschweige denn das Geschäftsmodell selber beinhaltet. Es ist eine künstliche Situation, die nichts mit Ihrem Business zu tun hat. Nutzen Sie Strategien und planen Sie mit Zielen, Zielsetzungen und Veränderungsindikatoren um der Unsicherheit und Angst zu begegnen. Nutzen Sie Piloten als ersten Schritt aber niemals als Bewertungskriterium für den eigentlichen Nutzen Ihrer digitalen Initiative. Akzeptieren Sie Fehler und nutzen Sie diese.

5. Da gibt es doch die eine beste Lösung

Falsch, es wird nie die eine Lösung geben und es wird nie ein Best Practice geben. Punkt um. Diese eine Lösung für alles gibt es weder hinsichtlich Anwendungen, Infrastruktur noch Arbeitsplatzlösungen oder Geräten. Sie bewegen sich in einer sich ständig ändernden Welt und hier wird das Gute immer wieder durch das Bessere ersetzt werden. Hier kann eine mögliche Änderung des Betrachtungshorizonts zur Einsicht führen: Wie wäre es denn, wenn Sie die guten Funktionen nehmen können, diese für sich nutzen und in einer anderen Situation all dies wieder neu arrangieren? Sie machen es selbst, es ist einfach, schnell und vorrübergehend. Es ist eine Good Practice. Suchen Sie nicht nach der einen richtigen und besten Lösung. Nehmen Sie sich das was Sie an Funktionen brauchen und gestalten Sie Ihre Lösung. Es ist mittlerweile einfach und für jeden zugänglich. Sie gestalten Anwendungen aber auch Infrastrukturen auf diesen Weg flexibel, agil und für die Situation passend. Dies gilt auch für Methoden, Rahmenwerke und Handlungsansätzen.

6. Digital machen doch alle, also mache ich es jetzt auch, ab sofort.

Sie sind dem Trick der neuen Worte auf dem Leim gegangen. Eigentlich machen Sie doch schon längst in digital. Stellen Sie nicht Ihre eigenen Initiativen unter den Scheffel. Wie bereits oben erwähnt sind Sie in vielen Fällen schon mittendrin. Wenn Sie die digitale Transformation wirklich umsetzen wollen, dann müssen Sie mit entsprechender Nachhaltigkeit handeln. Fallen Sie nicht auf das bloße Buzzword herein. Eigentlich wissen Sie genau an diesem Punkt, was Sie wirklich machen können:

  • Gestalten Sie Ihren Wandel umfassend und mit aller Konsequenz
  • Auch wenn es einfach oder oberflächlich klingt: Strategie mit Zielen und Zielmessung
  • Wissen Sie wo Ihr Unternehmen steht und nehmen Sie die Anwender mit oder am besten an die Hand
  • Sehen und gestalten Sie das ganze Bild und nicht nur die untere linke Eck in Blau
  • Gestalten Sie Ihr Digital selbst, passen Sie es an und machen es flexibel
  • Lassen Sie sich nicht von Trends und Buzzwords blenden, Sie sind auf dem Weg zu Digital

Was bleibt mir noch zu sagen? Sehen Sie diese Liste als Orientierung und nicht als Dogma. Lösen Sie sich vom Standard des Best Practice und gestalten Sie Ihre Good Practice mit dem Erfahrungen aller Beispiele in Ihrem Umfeld und darüber hinaus. Trauen Sie sich und machen Sie es.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.