Social Business bei Beck et al. Services

Von Siegfried Lautenbacher 29.07.2012

Das Web 2.0 hat die Kommunikation in Unternehmen revolutioniert. Blogs, Wikis, Chats und Foren verwandeln das ehemals statische Wissen einer Organisation in einen lebendigen Organismus. Jeder kann darauf zugreifen, sich einbringen, seine Ideen teilen und die seiner Kollegen kommentieren und weiterentwickeln. Das befeuert die Zusammenarbeit, erfordert aber auch ein Umlernen im Unternehmen. Wir beraten Unternehmen nicht nur bei der Konzeption und Implementierung solcher Social Business Plattformen, sondern verstehen virtuelle Kollaboration als Herzstück unserer Unternehmenskultur. Dieser Beitrag erschien ursprünglich im Newsletter von "perpectives for talents". Siegfried Lautenbacher, Gründer und Chef von Beck et al. Services, ist ein Vorreiter in Sachen Social Business in Deutschland. 1994 schrieb er gemeinsam mit Mirko Dier das erste deutschsprachige Buch zum Thema Groupware, einer Frühform des Social Intranet. Der 48-Jährige verkörpert die kollaborative Idee geradezu und philosophiert mit Begeisterung über sein Leib- und Magenthema: "Social Business ist der Ausgang des Menschen aus der selbstverschuldeten Isolation seiner E-Mail Inbox, seiner unflexiblen Applikationen und seiner Sender-Empfänger gerichteten Kommunikation." Der Networker geht mit gutem Beispiel voran. Ob Jahresplanung oder Gedankensplitter - seine neuesten Ideen veröffentlicht er als Blog oder als Video, er bittet um Votings, organisiert Aufgaben in Activities und gibt und holt sich Feedback in Communities. "Social Business Plattformen geben jedem Mitarbeiter die Möglichkeit am Informationsfluss nicht nur direkt teilzuhaben, sondern ihn mit steuern zu können", betont Lautenbacher. Derzeit arbeitet er an der linguistischen Auswertung von Social Business Plattformen. Damit soll das gemeinschaftliche Geplauder künftig noch besser nutzbar gemacht werden können. Das Geschäftsmodell des IT-Dienstleisters Beck et al. Services GmbH wäre ohne Social Business kaum denkbar. Mit Standorten in Deutschland, Rumänien, Brasilien und der Schweiz sind die Mitarbeiter auf die Kommunikation über IBM Connections angewiesen. Dank der virtuellen Kollaborationsplattform sind die Teams in Brasilien und Rumänien nur einen Mausklick entfernt. Jeder weiß, woran die Kollegen gerade arbeiten und wer Unterstützung braucht. Kommuniziert wird in Englisch, damit alle mitreden können. Dateien, Links und Ideen werden online abgelegt, kommentiert und weiterentwickelt. Die Teammitglieder aus den verschiedenen Standorten des IT-Dienstleisters informieren sich gegenseitig im "Daily Blog" über den aktuellen Stand. Die Schichtübergabe zwischen den brasilianischen und den rumänischen Kollegen findet per Online-Konferenz statt. "Wir machen vorhandenes Wissen für alle nutzbar und entwickeln gemeinsam neues Wissen. Und zwar, ohne dass der Geist des Unternehmens, Offenheit, eine starke Feedbackkultur und ein hoher Kundenfokus auf der Strecke bleiben", sagt Lautenbacher. Natürlich gibt es auf der Social Business Plattform auch Kommunikationsräume mit eingeschränkten Zugriffsmöglichkeiten. Das ist beispielsweise für die interne Kommunikation der Geschäftsleitung oder für das Planungsteam des Sommerfestes sinnvoll. Für persönliche oder vertrauliche Mitteilungen kommt auch bei Beck et al. Services nach wie vor die Email zum Einsatz.

 Bei Beck et al. Services ist die virtuelle Zusammenarbeit längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch Lautenbacher weiß, dass Social Business Neulinge Herausforderungen meistern müssen, die weniger technischer Natur sind: Vielmehr ist ein Umlernen gefragt. Die bislang vorherrschende Arbeitsweise war stark dokumentenorientiert. Das heißt, ein Office Dokument wurde erst dann aus der Hand gegeben, wenn es bis ins Detail ausgefeilt und "fertig" war. Bis es soweit war, entstanden mehrere manuell verwaltete Versionen der gleichen Datei. "Ein Wiki zu schreiben, ist eine ganz andere Herausforderung. Denn das bedeutet, auch mal einen unfertigen Gedanken preiszugeben und sich für die Gedanken anderer zu öffnen, um gemeinsam zu arbeiten. Dieser Lernprozess braucht Zeit und geduldigen Umgang miteinander." Ein zweites Problem ist das Gefühl, nicht mehr über alles Bescheid zu wissen. Es gibt nicht mehr den einen zentralen Hub - die gute alte Mail-Inbox -, sondern vielfältige Zugangsmöglichkeiten in Communities, Blogs, Wikis, Activities und vieles mehr." Das braucht Souveränität und ein neues Verständnis von Hol- und Bringschuld im Unternehmen", erklärt Lautenbacher. Doch Unternehmen, die sich trauen, ihr Business zu sozialisieren, werden belohnt. Die Zusammenarbeit wird effizienter, die Kommunikation direkter. Experten melden sich von selbst zu Wort, früher musste man sie umständlich suchen. Kurzum: Wikis, Blogs und Foren potenzieren das kollektive Wissen und fördern Kreativität, Austausch und Gemeinschaftsgefühl.

Über den Autor

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance