Eigentlich ist es ganz einfach

Von Alexander Klier 14.03.2016

So einfach, wie es auf dem Bild dargestellt wird, geht es auch mit Social Learning nicht. Auch wenn im Bereich des E-Learning vielfach die Technik als Beschleuniger gesehen wird: Social Learning hat ganz analoge Wurzeln, die ein kluges didaktisches Design für das Lernen wesentlich vorteilhafter machen, als der Einsatz der ausgeflipptesten technischen Tools und Datenbanken.

Bild: GotCredit - Learn auf Flickr. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons - Namensnennung (BY).

Social-Learning und Social E-Learning sind im Moment in aller Munde. Einigkeit besteht dabei in der Auffassung, dass Social-Learning die konsequente Weiterentwicklung des "Social Gedankens" darstellt. Das bedeutet, dass nach den Social Media und einer Social-Collaboration sowie einer Social-Innovation nun das betriebliche Lernen unter dem Social Begriff segeln soll. Schwierig dabei ist eine Bestimmung dessen, was denn nun genau unter Social, also dem ersten Teil des Begriffes, zu verstehen ist. Normalerweise erfolgt hier der Verweis auf die Social Media und deren Technologie, was jedoch nicht gleichgesetzt werden darf. Auch der Zugang zum Lernen im Begriff gestaltet sich etwas sperrig, weil damit noch nicht geklärt ist, welche Art von Lernen genau damit gemeint sein könnte. Und schließlich ist noch nicht ganz klar, was Vernetzung in diesem Zusammenhang bedeutet.

Aber das mit den Begriffen kennen wir schon, damit habe ich mich beispielsweise hier (Social Collaboration) und hier (Exzellenz und Arete) schon auseinandergesetzt. In diesem Blogbeitrag will ich der Frage nachgehen, warum Social Software, darunter zählen wir bei BeaS vor allem "unsere" Kollaborationsplattformen, eine so hohe Affinität zum Social Learning hat. Und warum die Technik dennoch nur eine notwendige Bedingung für das Social Learning ist bzw. welcher Konzepte es bedarf, damit daraus eine hinreichende Bedingung wird. Das bekannteste Beispiel für dieses Funktionsprinzip stellen dabei schon lange Communities of Practice dar.

 

Alles Technik, oder was?

"However, although social tools takes can make learning a more powerful experience, social learning doesn’t demand the use of social tools, and the use of such tools doesn’t necessarily mean social learning will take place" (Jane Hart 2014, S. 13, hier).

Weil man mittlerweile um die Stärken von Gruppenarbeit und Vernetzung weiß, treten in Unternehmen und Organisationen vielfach an die Stelle von Hierarchie und Linienorganisation eine (agile) Koordination der Prozesse und Vernetzung der Abläufe durch Teams und Projekte. Dabei geht es in unseren Augen vor allem um Communities, also um Gruppen, die beim kollaborativen Arbeiten in arbeitsteiliger Verantwortung, und vor allem weitgehend autonom, organisationale Prozesse gestalten oder betriebliche Ziele umsetzen. Die einzelnen Mitglieder der Communities erhalten in diesem Zusammenhang eine deutliche Autonomie zur Ausübung ihrer Tätigkeit. Aber nicht nur bei der Arbeit, auch bezüglich ihres Lernprozesses. Der große Vorteil von Social-Collaboration Plattformen ist dabei der, dass sie "nutzungsoffene Systeme" darstellen. Das bedeutet, dass sie äußerst flexibel und offen bezüglich der genauen Verwendung sind und dadurch eine große Bandbreite ermöglichen, sie für betriebliche Prozesse zu nutzen bzw. die vorhandenen Tools und Werkzeuge sinnvoll und produktiv in die Prozesslandschaft zu integrieren. Auch in der konkreten Verwendung bleiben sie grundsätzlich nutzungsoffen. Dadurch können sie sehr spezifisch auf die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen genauso wie auf die Lernwünsche der Communities hin angepasst werden.

 

Integration ist Trumpf

Im Rahmen von Social-Collaboration Plattformen gibt es keine echten "Killer-Applikationen", eher stellen sie ein Kontinuum an gut integrierten Tools, mit denen man kollaborativ zusammenarbeiten kann, zur Verfügung. Im Sinne des Social Learnings gehören dazu vor allem gruppenbasierte Formen der Kommunikation und des gemeinsamen Austauschs über die Inhalte von Dokumenten, die man teilen und empfehlen kann, bis hin zur problemlosen Einbindung multimedialer Inhalte und Verweise auf wichtige Medien. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass in den Berichten zu Social Learning in der Regel keine (wirklichen) technologischen Neuerungen erwähnt werden. Die Integration des Lernens in die Arbeitsprozesse erbringen die Plattformen über die didaktische Einbindung und die konkrete Gestaltung der Lernsettings (im Sinne einer ermöglichenden Didaktik) im Rahmen der jeweiligen Kollaboration. Diese Nutzungsoffenheit hat ihren Preis. Er besteht unter anderem darin, dass es bei einer erfolgreichen Einführung von Social Learning in Unternehmen eben nicht um ein technologisches Aufrüsten mit den ausgeflipptesten Tools geht. Sondern vielmehr im Vordergrund stehen muss, wie die Nutzungsoffenheit konkret in sinnvollen Einsatzgebieten zu einer breiten Nutzung der Plattformen überführt werden kann. Das heißt auch, dass die jeweiligen Technologien von den Betroffenen akzeptiert werden müssen, um tatächlich genutzt zu werden. Es heißt vor allem, dass in den hinterlegten Lernprozessen und Lernzielen ein Sinn gesehen werden muss.

 

Lernen als kollaborative Praxis

"Learning is a social process. Knowledge is an emergent property of interactions between networks of learners" (Siemens & Tittenberger 2009, S. 9).

Wenn Menschen denken und lernen, dann ist das ein aktiver, schöpferischer und sinngebender Prozess. Die Nutzung von Symbolsystemen, vor allem der Sprache, ist dabei eine typisch menschliche Lernform. Menschen lernen normalerweise in der Auseinandersetzung mit der konkreten Um- und Mitwelt, also in Form eines aktiven und konstruktiven Austauschprozesses, sehr einfach. Das gilt auch für das Lernen im Bereich von Kollaborationen. Diese Eigenart, kollektives Wissen aufzubauen und verfügbar zu machen, hat wiederum die kulturelle Entwicklung von Menschen überhaupt erst ermöglicht. Denn erst dadurch wurden Kapazitäten für Kooperationen, Kreativität und das Problemlösen, also für eine Social-Collaboration, frei. Nun kann man grundsätzlich auch das Wissen anderer teilen und erlernen, ohne jeweils eigene Erfahrungen machen zu müssen. Doch "mutuales", also wechselseitiges Wissen, bleibt in (komplexen oder lernenden) Organisationen nur auf einer kollektiv organisierten Ebene lern- und austauschbar. D.h., um ihre Stärke ausspielen zu können, müssen auch die Lernprozesse im Sinne eines Social-Learning als gemeinsame und vor allem gruppenspezifische Lernmöglichkeiten im Sinne einer kollaborativen Praxis organisiert werden. 

Das Grundprinzip von Social Learning ist das Gleiche wie im gesamten Web 2.0: teilen, mit-teilen und vernetzen. Das macht die Integration im Prinzip ganz leicht.

Bild: Sacha Chua - Sharing what you're learning auf den Wikimedia Commons. Verwendung unter den Bedingungen der Creative Commons (BY) - Namensnennung.

 

Hinreichende Organisationsentwicklung

Die konsequente Ausrichtung der Entscheidungsprozesse, der Leistungserstellung, vor allem aber der Lernprozesse auf Gruppen und Teams hin, ist dabei die notwendige bzw. hinreichende Bedingung. Das wiederum hat enorm viel mit der Entwicklung der Organisation zu tun. Der radikale Bruch ergibt sich aus den Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Gruppen ihren Vorteil bezüglich des kollaborativen Lernens erlangen können. Denn Folgendes muss mindestens für das gelingende und soziale Lernen in einer Gruppe erfüllt sein:

  1. Vertrauen: Die Gruppenmitglieder müssen einander - und den Rahmenbedingungen - vertrauen (können). Dies ist didaktisch auch eine Bedingung der zu beachtenden Gruppendynamik.
  2. Reziprozität bzw. Homogenität: In der Gruppe müssen sich Gleichgestellte, also Peers, treffen. Nur dann ist es den Gruppenmitgliedern möglich, Kriterien der Gerechtigkeit anzulegen und zu ermessen, wie die einzelnen Beteiligten zum Gesamterfolg beitragen.
  3. Fairness und Partizipation: Die Gruppen müssen auch tatsächliche Entscheidungskompetenzen gegenüber dem Lernprozess besitzen. Dies gilt auch gegenüber hierarchisch höheren Ebenen. 

Das bedeutet nun nicht zwingend, dass Gruppen und Teams nicht in hierarchische Strukturen zu integrieren sind. Aber sie sind es, um ihrer Effektivität und Vorteile willen, eben nur unter besonders zu beachtenden Bedingungen. Gruppen und Teams benötigen nicht nur eine Entscheidungskompetenzen über die zeitliche und fachliche Einteilung der Auftragserledigung, sondern auch bezüglich der Auswahl der einzusetzenden (Lern-) Mittel (Ressourcen). Vor allem aber brauchen Sie Entscheidungsfreiheit, wie und in welchem Maße sie letztlich sinnvoll eine nutzungsoffene Social Learning Plattform verwenden.

 

Unser Versprechen

Mit der Vielfältigkeit der kollaborativen Praxis und der dadurch möglichen Gestaltung von Social Learning kennen wir uns aus. Wir bieten Ihnen an, Sie bei Ihrem Weg zum Social Learning vollumfänglich zu unterstützen. Genauer heißt das, dass wir gemeinsam mit Ihnen

  • wir die Prozesse und Rahmenbedingungen, die es bezüglich digitaler Formen des Lernens bei Ihnen gibt, analysieren.
  • anhand ihrer IT Strategie ermitteln, welche Plattform zu diesem Vorhaben am besten passt.
  • diejenigen Bereiche identifizieren, in denen der Einsatz von Social Learning unkompliziert und schnell umzusetzen ist.
  • aussagekräftige Kennzahlen zum Thema Social Learning destillieren.
  • klären, wie sie am leichtesten starten können, wie eine sinnvolle Integration in die bestehenden Prozesse aussehen kann und auf welche Art es besonders leicht geht, den Wandel zu gestalten.
  • handlungsleitende Visionen zur innovativen Gestaltung und hin zu einer lernenden Organisation generieren.

Versprochen, denn eigentlich ist es ganz einfach.

Über den Autor

Alexander Klier Social Learning Consultant
Social Collaboration und Social Learning gehören zusammen. Gemeinsam denkt man weiter.

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