Transform out loud oder: welche Badewanne hätten'S denn gern?

11.05.2017
Transform out loud oder: welche Badewanne hätten'S denn gern?

Die illustre Panelrunde unseres Meetups auf der re:publica. Foto einem Tweet von Melanie Busch @mundakka entnommen. Danke, dass wir es verwenden dürfen.

Alexander Kluge und ich starteten unser Meetup Projekt im Oktober 2015. Die Idee war, die Themen, die uns nicht nur beruflich, sondern eben auch als “Citizens” im 21. Jahrhundert bewegen, in lockerer Runde und schöner Umgebung mit unseren Freundinnen und Freunden zu diskutieren und unser Netzwerk durch den Input anzuregen, unsere Beziehungen durch den Austausch zu vertiefen und natürlich auch um interessante Menschen zu erweitern. 

Am 9. Mai veranstalteten wir auf der re:publica ein Digital Workplace Meetup Berlin mit dem Titel “Transform out loud”. Es ging - wie nicht anders zu erwarten -  um die Transformation von Organisationen und wie sie gelingen kann. Es wurde ein intensiver Gedankenaustausch, den ich aus meiner Perspektive nochmals kurz Revue passieren lassen möchte. Wir hatten das re:publica “love out loud” mit unserem Thema Transformation und der Haltung “working out loud” zu “transform out loud” verknüpft. Als Panel Teilnehmerinnen konnten wir Dr. Ursula Schütze-Kreilkamp von der Deutschen Bahn, Sabine Kluge von Siemens, Harald Schirmer von der Continental und John Stepper, “Working out loud” Botschafter gewinnen. Um nicht nur die Konzernsicht zu beleuchten, durfte ich selbst unsere Erfahrungen zur Transformation beitragen und Alexander Kluge moderierte uns gewohnt perfekt durch den Abend.

Inhaltlich werde ich einige weitere Blogbeiträge brauchen, um den Abend aufzuarbeiten. Alexander hat aus der regen Twitter Begleitung schon eine schöne Storify Geschichte zusammengestellt, die einen ersten Eindruck gibt. Warum es für mich zu einer Sternstunde wurde, möchte ich hier kurz erzählen.

Das Setting

Klar, die Stimmung auf der re:publica trägt ihren Teil dazu bei: alle sind “in Schwingung” und vielleicht eine Spur entspannter, als wenn man direkt aus dem Arbeitsalltag in eine Veranstaltung rutscht, obwohl man gefühlt noch im letzten Meeting hängt. Unser Host, die IBM hat mit ihrem #HRFestival eine gute Umgebung geliefert, der Amphitheater Charakter war super und dass Gunnar Sohn das Ganze live streamte, war prima (hier zum Nachschauen). Ein Wermutstropfen war die Geräuschkulisse. Alexander erkannte das früh genug und zauberte als neuer #Technikheld ein Mikro/ Headset System herbei, so dass wir jede Teilnehmerin mit einem Headset ausstatten konnten. Für das Panel stand ein Mikro zur Verfügung. Ich war verblüfft, welche Wirkung das hatte: Die glasklare Stimme des gerade Sprechenden und das aufeinander warten und nicht durcheinander reden führten zu einer fast intimen Atmosphäre, die viel dazu beitrug, uns weg von den Buzzwords und hin zu den wichtigen Themen zu bringen.

It takes two to Tango

Am Morgen des 09. Mai habe ich zum ersten Mal - dank der IBM - Tango getanzt. Na gut, versucht Tango zu tanzen.
Dabei spürte ich, wie reduktionistisch und an der Wirklichkeit vorbei die übliche Entweder/Oder Unterscheidung in: “wer führt?” und “wer wird geführt?” ist. Wie beim Tango Tanzen ist es nämlich die Bewegung, die “führt”. Das “Sich-aufeinander-einlassen”, das “Fühlen". Ich habe die Erfahrung gemacht, dass “Führen” und “Geführt-werden” sich in einem Tanz abwechseln, abhängig vom Rhythmus, vom Talent, von der konkreten Situation.

Vielleicht ist es mit der Transformation unserer Unternehmen ganz ähnlich. Sie kann im direkten Sinne vielleicht gar nicht “gemacht” werden, sondern “ereignet” sich dann, wenn die Akteure aufeinander bezogen sind, gleichzeitig sich führen lassen und führen und so gemeinsam den Rhythmus der Umgebung aufnehmen und in einen leidenschaftlichen Tanz transformieren. Alles ist aufeinander bezogen und geht sich etwas an.

Bei sich sein

Ich war sehr beeindruckt, wie meine Mitpanelisten die “einfache” Ebene der Allgemeinplätze abschüttelten und von ihren teils persönlichen Erfahrungen mit der Transformation in ihren Unternehmen erzählten. Ich spürte eine große Wahrhaftigkeit. Vielleicht weil wir uns genug Zeit genommen haben, auch hier auf die Zwischentöne zu achten und den Schwierigkeiten nachzuspüren. Kultur existiert in Geschichten und denen haben wir an diesem Abend zugehört.

Working out loud und “Mutanfall”

Es herrschte eine große Übereinkunft nicht nur auf dem Panel, sondern auch bei den sich rege beteiligenden Teilnehmern, dass es die vielen kleinen Schritte der Beteiligten sind, die durch das #WOL Prinzip sichtbarer werden und zu wahrnehmbaren Veränderungen führen. Und dass mehrjährige Masterpläne nicht mehr funktionieren.

Gute Veränderung beginnt immer mit einer Erweiterung von Handlungs-, Denk- und Gefühlsspielräumen. Darin sehe ich auch den größten Nutzen von #workingoutloud. Spätestens seit Jean Piaget wissen wir, dass sich zentrale Veränderungen in der menschlichen Entwicklung aus handelndem Tun entwicklen. Erfahrungen führen zu Verhaltensänderungen und deswegen trifft auch Harald Schirmers #Mutanfall auf soviel Resonanz!

Badewanne

Es gibt kein richtiges Ausstrecken in der falschen Badewanne. Klar, das nimmt Bezug auf die berühmte Adorno Sentenz, die da lautet: “es gibt kein richtiges Leben im Falschen”. Die Badewanne sagt das noch etwas anschaulicher. Es hat sich in den letzten Monaten/ Jahren zu meiner Standardantwort entwickelt, wenn es um die Frage geht, ob Graswurzel ausreicht oder wie sich Organisationen insgesamt verändern müssen, um in der Digitalen Welt handlungsfähig zu bleiben. Ole Wintermann schnitt die Thematik gegen Ende des Meetups an. Hierüber habe ich auf unserem Blog ja schon öfter geschrieben und werde das auch in Zukunft tun. Meine These ist: Bleibt der strukturelle Teil der Transformation aus, laufen die Graswurzelinitiativen Gefahr, zu “Opium” des Volkes zu verkommen oder bestensfalls wie “Kirche von unten” die Engagierten unter den Beschäftigten länger bei der Stange zu halten.

Künstler und Kunstwerk zugleich

Den regen Austausch hätten wir an dem Abend noch lange fortführen können. Wie schon oben gesagt: es ereignete sich ein toller Abend. Diesen Blogbeitrag möchte ich mit einem Gedanken schließen, der grundlegend ist für die von Alfred Adler begründete Individualpsychologie. Der Mensch ist zugleich Künstler und Kunstwerk seines Lebens. Mit dieser Dynamik zurechtzukommen, ist unsere Aufgabe. Das gilt analog auch für Organisationen und ihre Kulturen.