Weltenbruch 2.0 - Wir pressen Vierecke in Kreise

Von Sebastian Thielke 07.07.2014
Weltenbruch 2.0 - Wir pressen Vierecke in Kreise

Es ist nun schon wieder ein wenig her, dass der Workshop in Eschborn mit Vertretern von Banken und Industrie zu Enterprise 2.0 stattgefunden hat. Ein bemerkenswerter und vor allem sehr spannender Workshop nicht nur aus meiner Sicht als Referent, sondern auch aus der Sicht des stetigen Lernens und Erfahrungsaustausches. Was habe ich aus diesem Workshop mitgenommen? Die Erkenntnis, dass die Industrie, die Wirtschaft, die Menschen und auch die Finanzwelt erkannt haben, dass sich das eigene Unternehmen wandeln muss. Wie dieser Wandel aussieht, prägt sich tatsächlich sehr unterschiedlich aus. Die einen bevorzugen offenen, transparent und kommunikativ und die anderen fokussiert, kollaborativ und Team-spezifisch. Es ist jedoch bei vielen immer der eine Ansatz – Vernetzung und Social. Doch hier scheint auch der Stolperstein, tief in der Erde verwurzelt zu sein. Man will auf der einen Seite die Veränderung und alle Vorteile aber man wehrt sich mit Händen und Füßen gegen das Verkreisen des Quadrats. Man versucht die Enterprise 2.0 in die Industrie 1,5 zu pressen und wundert sich warum es nicht passt. Das ist die Erkenntnis, die mir der Workshop auch gezeigt hat.

Spirale nach unten Doch warum schaffen wir es nicht, unseren alten Systemen zu entkommen? Warum verfallen wir in die alten Muster, wo wir doch so jugendlich frisch auf die neue Welt losgestürmt sind und sie mit all ihren Vorteilen umarmt haben? Stichworte: Verhalten, Gewohnheit und Ökosysteme. Der Graus der uns den Gar ausmacht, sind die „bewährten“ Annahmen über die richtige Funktion, das beste Verhalten und die tollsten Vorbilder. Wir stützen uns nach wie vor auf ein Wirtschaftssystem, das den Aspekt von Gemeinsam nur als einen Ort ansieht und nicht durch Verhalten, Kultur oder Arbeitsweise definiert.

Falsche Führung – ein Schritt nach unten Hier spielen Systeme wie Führung und Management die ausschlaggebenden Rollen. Was haben wir den aktuell in der Ausbildung und Entwicklung von Führungskräften gesehen? Allerhöchstens zaghafte Pflänzchen, die von der breiten Masse der „etablierten“ Führungselite als Kinderkram abgetan wird. Natürlich gibt es im Bereich von Management und Führung die Ansätze Gemeinsam, Team und offener Führung. Doch diese passen noch recht wenig in die Erfahrungs- und Lernwelt auch der neuen Manager und Führungskräfte.

Wie, wohin, mit was und warum Jedoch nicht nur die Unternehmensführung ist Schuld an dieser Schere. Vielmehr ist es eine ungeeignete Herangehensweise und Ausgangslage, die versucht das Viereck in einen Kreis zu pressen. Folgende Punkte sollten immer auf der Agenda für eine anstehende Transformation stehen:

  • Wie stehen wir da?
  • Wo wollen wir hin?
  • Wie kommen wir zu diesem Ziel?
  • Wissen alle, dass wir gemeinsam dort hingehen?
  • Und woher wissen wir, ob wir uns schon am Ziel befinden?

Es sind als fünf entscheidende Fragen mit fünf nicht ganz so einfachen fünf Antworten bzw. Meilensteinen in der Transformation.

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.