Wird Yammer jetzt zu: SharePoint Cloud Server 2012 Mobile Enterprise Social Networking Edition?

Von Siegfried Lautenbacher 02.07.2012

Microsoft kauft Yammer für 1.2 Milliarden Dollar.
Ist das nun ein kluger Schachzug? Was bedeutet es für Social Business Collaboration? Eine Einschätzung.

Natürlich wissen wir nicht, wie Yammer in Zukunft heißen wird, doch auf Twitter macht dieser Joke derzeit fröhlich die Runde. Lassen Sie uns in diesem Blogbeitrag darüber nachdenken, was gerade passiert.
Zunächst einmal finde ich es sehr beachtlich, wie die „Big Five“ in Social Business investieren. Microsoft gibt 1,2 Milliarden USD aus, ein paar Tage früher kauft salesforce.com BuddyMedia für knapp 700 Millionen US Dollar und vor gut einem Monat übernahm Oracle das Social Media Start up Vitrue für etwas über 300 Millionen. IBM ging einen anderen Weg und machte aus ihrer internen Enterprise 2.0 Lösung IBM Connections, das sich gerade sehr erfolgreich den Weg in die großen Accounts bahnt und IBM laut IDC zum Marktführer in Social Business werden ließ. Auch von Anwenderseite gibt es eine beachtliche Nachfrage. Nun, zumindest aus Topmanagement Sicht. „Wir müssen da jetzt auch was machen mit social“ heißt es immer öfter.
Interessant dabei ist, dass der Enthusiasmus des Topmanagements von den Mitarbeitern nicht unbedingt geteilt wird.  Eine Deloitte Studie aus den USA zeigt, dass es beachtliche  Unterschiede in der Wahrnehmung von Social Media im Unternehmen gibt. So glauben zum Beispiel 45% der Topmanager, dass Social Media einen positiven Einfluss auf die Kultur hat. Bei den Mitarbeitern sind es dagegen nur 27%.
Für mich heißt das: Enterprise 2.0, Social Media im Unternehmen, Social Business Collaboration oder welcher Begriff auch immer sich durchsetzen wird, ist angekommen im Business.

Diejenigen, die heute experimentieren und Erfahrungen sammeln, erarbeiten sich einen Wettbewerbsvorteil nicht nur in Bezug auf den vielbeschworenen „war for talents“, sondern auch was die Digitalisierung von Kundenprozessen angeht. Richtig heben lässt sich aus meiner Sicht das Potential dann, wenn man die „Social Readiness“ einer Organisation berücksichtigt und einen klaren Business Nutzen aufzeigen kann. Jetzt hat Microsoft mit der Akquisition von Yammer endgültig den Hut in den Enterprise 2.0 Ring geworfen. Interessant finde ich dabei die Begründung von Steve Ballmer. Er sagte sinngemäß, dass die Akquisition von Yammer die Bemühungen von Microsoft unterstreicht, Technologien zu liefern, die das Business braucht und die die Menschen lieben. Ob heutige Yammer Kunden Microsofts Ankündigung, den Service zu einem wichtigen integralen Bestandteil der Office Familie zu machen, wirklich lieben werden, muss die Zukunft zeigen. Dass Microsoft mit der Übernahme seinen Einfluss im Bereich Social Busines deutlich ausbauen kann und vor  allem mit der Integration von Yammer in SharePoint, Office 365, Lync oder auch Skype etliche „soziale“ Defizite in seinem Portfolio beseitigen kann, ist offensichtlich.

Interessant wird auch sein, welche Auswirkungen der Deal für NewsGator haben wird, die ja genau die „soziale Lücke“ füllen, die Microsoft mit SharePoint bisher nur zögerlich bedient. Ob Microsoft die sich mit der Yammer-Übernahme bietende Chance tatsächlich ergreift - oder das Tool ähnlich wie bisher bei Skype kaum weiterentwickelt und mit neuen integrierten Angeboten verknüpft - ist fraglich. Im Bereich Social Enterprise sind vor allem Dinge gefragt, die Microsoft bisher nicht unbedingt ausgezeichnet haben: Einfache Benutzbarkeit, Geschwindigkeit und Mut zur Transparenz. So könnte Yammer zum Beispiel in der von Anwendern immer wieder als kompliziert apostrophierten SharePoint-Plattform an Einfachheit einbüßen. In punkto schnelle Produktentwicklung war Microsoft noch nie Weltmeister. Vielleicht ist Yammer aber auch der Startpunkt für eine ganz neue Sicht auf Microsoft. Auch bei Windows 8, den surface Tablets oder auch in der Partnerpolitik ist eine sich deutlich ändernde Microsoft spürbar. Eine spannende Zeit. Ich habe mich für die SharePoint Konferenz im Spätherbst angemeldet.

Bis dahin sieht man hoffentlich die Strategie hinter dem Deal und erkennt den Umsetzungsweg. Wenn Sie weitere Einsichten haben oder anderer Meinung sind – nutzen Sie bitte die Möglichkeit zur Kommentierung! Ich freue mich, wenn ich dazulernen darf!

Über den Autor

Siegfried Lautenbacher Gründer und Geschäftsführer
Gründer und Geschäftsführer bei Beck et al. Services. Lead Consultant für High Performance