Zurück zum Miteinander der Menschen – Change mit Working out Loud

Von Sebastian Thielke 06.04.2017

So die CeBIT 2017 mit der Enterprise Digital Arena ist nun auch schon wieder mehr als zwei Wochen her. Wird Zeit, dass da ein paar Gedanken und Schlüsse sich in einen Blogbeitrag ergießen. Ich hatte das große Glück auf einem Panel als Teilenehmer mit den Thema Community Management dabei zu sein und ein Panel moderieren bzw. provozieren zu dürfen, welches sich dem Thema Working out Loud widmete. Es waren wirklich tolle und vor allem offene Diskussionen und Gespräche.

Eine Grunderkenntnis, die ich auch aus beiden Panels mittrage ist, dass wir uns eigentlich immer noch in einer Welt des „Müssen“, „Mitnehmen“ und „Leiten“ befinden, obwohl wir doch zu einer offenen, selbstbewussten, gemeinsamen und selbstbestimmten Arbeitsweise und Miteinander kommen wollen. Wir wissen doch, dass hierin der Schlüssel wir die Komplexität und Innovation liegt. Doch vom Denken, Sprechen und Handeln sind wir immer noch in der Welt gefangen, die Mitarbeiter entmündigt, entmutigt und menschlich reduziert.

Eingeschliffene Muster der Entmenschlichung

Das Thema, dass der Mitarbeiter in einem Unternehmen oder in einer Organisation entmenschlicht wird, beschäftigt mich die letzten Tage besonders. Wenn wir uns Unternehmen und die Mitarbeiter anschauen, dann sehen wir eine Welt, in der die einen sagen wie etwas zu machen ist und die anderen dieses Gesagte umsetzen. Dieser Anspruch besteht jedoch nicht nur auf der Seite der Anweisenden, sondern eben auch auf der Seite der Angewiesenen. Warum? Weil wir seit der Industrialisierung genau mit diesem Muster effiziente Industrien geschaffen haben. Wir haben aber auch Menschen geschaffen, die sich industriell bzw. nach wirtschaftlichen Prinzipien verhalten – Homo oeconomicus. Dies ist selbstverständlich wertfrei zu betrachten.

Dennoch hat genau diese Entwicklung zu den heutigen menschlichen Mustern des Erfolges - Unternehmenskultur - geführt, die den neuen Anforderungen an Komplexität, Veränderung, Agilität und Lernbereitschaft entgegenstehen. Wir haben Menschen vor uns, die entmenschlicht wurden und sich selbst entmenschlicht haben. Das Menschliche in diesem Sinne sehe ich als das Streben zu lernen, sich selbst zu bestimmen, eigenständig mit der Gruppe zu entscheiden und gemeinschaftlich auch außerhalb des Familienbundes verbunden zu sein. Die Entmenschlichung macht es uns heute besonders schwer, dass Veränderungen Teil einer Organisation werden können.

Wir haben Menschen darauf trainiert, dass das beste Verhalten und das beste Miteinander in Unternehmen und Organisationen Folgen und Befolgen ist. Wir haben anderen Menschen die Macht gegeben, dass alleinig ihre Entscheidungen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen das einzig richtige sind. Wir habe sie davon abgeschnitten, die Gemeinschaft der Organisation nicht nur zu beteiligen, sondern mitwirken zu lassen. Ergo stehen wir heute vor einer Herde an Menschen, die selbstbestimmt, kreativ und flexibel im Leben sind aber mit dem Eintritt in die Organisation bzw. das Unternehmen all dies ablegen und zu Kindern werden, die wir glauben „Mitnehmen, anleiten und verändern zu müssen“. Entmenschlichung durch die Türschwelle.

Muster durch Erfahrungen aufbrechen

Ich bin schon lange kein Freund mehr des klassischen Change Managements, das den Menschen in seinem Denken, Handeln und Lernen verändern möchte. Sicherlich kann man hier streiten, dass Change Management viel weiter geht und doch nur Gutes im Schilde führt. Doch woher kommt Change Management? Es kommt aus der Annahme, dass Menschen „mitgenommen“ werden, endlich mal mitmachen „müssen“ und „angeleitet werden“. Es geht von der Grundannahme aus, dass der Mitarbeiter entmenschlicht ist und nur mechanisch zur Veränderung kommt. Das ist grober Blödsinn.

Wir erleben im Moment viel Veränderung um uns herum. Und es ist spannend zusehen, dass viele der Veränderungen von den Menschen angenommen und eingesetzt werden. Dieses Annehmen von neuem findet in kurzem Abstand zur Entwicklung der Technologie statt. Aber, und das ist frappierend, dies gilt im Zusammenhang mit dem Menschen als privates Individuum. Der Mensch an sich hat kein Problem mit der Veränderung und dem neuen Lernen. Spannend ist wenn man anschaut, wie Organisationen und Unternehmen in dieser Adoption stehen. Sie sind weit abgeschlagen.

Für mich ist dies ein spannendes Indiz, das aufzeigt, dass der Mensch flexibel ist und dies vor allem aus sich selbst heraus. Und dies ist für mich auch einen der Gründe, warum Working out Loud in seiner Methode und als Prinzip so viele Menschen letztendlich zu einer offenen, selbstbewussten, gemeinsamen und selbstbestimmten Arbeitsweise bringt - der Mensch macht endlich wieder die Erfahrung, dass Miteinander, Helfen, Offenheit und Gemeinsamkeit schon immer ein erfolgreiches Muster der menschlichen Kultur war und wieder sein muss.

Zeit und Ermutigung um Erfahrungen zu machen

Mir ist der folgende Satz nach der Paneldiskussion zu Working out Loud wie ein Blitz auf die Twittertastatur gerutscht. „WoL als Praktik des Lernens und Begreifens durch Erfahrung, Community und Zeit es zu machen.“ Und genau das bietet Working out Loud. In Anbetracht dieser Überlegung hier im Blogpost bietet Working out Loud eben auch den Weg zurück zum Menschlichen. Wenn ein solcher Circle für Working out Loud beginnt, dann schaffen wir hier grundsätzliche menschliche Muster, die uns weiterhelfen.

  • Freiwilligkeit
  • Neugier
  • Eine Gemeinschaft, die als sicherer Raum dient
  • Menschen, die sich zu Erfahrungen austauschen und vor allem die Erfahrungen machen
  • Klarer zeitlicher Raum zum Handeln
  • Fehler und Erfolge, die beim Lernen helfen
  • Wiederholungen, die zu Muster werden

Werden dann weitere Circle gebildet, dann wiederholen wir also die sieben genannten Punkte und machen ein erfolgreiches Muster daraus. Und erfolgreiche Muster werden übernommen. Die Menschen machen die Erfahrung, dass Menschlich Sein erfolgreich ist. Sie machen diese Erfahrung endlich wieder.

Working out Loud schafft das, wo Change Management erwiesener Maßen zu 70 Prozent versagt - es bietet Erfahrungen an, die Menschlichkeit und Miteinander als Erfolg aufzeigt. Es zwingt niemanden mit Bildern, Kommunikationsflut und „Müssen“ das Neue endlich anzunehmen und sich zu verändern. Working out Loud schafft die Veränderung durch lernen intrinsisch - und allein das funktioniert. 

Über den Autor

Sebastian Thielke Consultant für Digital Transformation
Social Business und Enterprise 2.0 - Strategieentwicklung, Enablement, Kommunikation sowie Wertschöpfung mit dem Hauptaugenmerk: Der Mensch macht das Unternehmen.